Ihr zieht, Herr Robert, auch nun hin

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Simon Dach: Ihr zieht, Herr Robert, auch nun hin Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Ihr zieht, Herr Robert, auch nun hin,
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Vnd ich hab' euch mein Hertz verpfändet,
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Was ist nun, daß jhr meinen Sinn
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Vnd meine Seele mir entwendet?

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Denckt nach, wie sich mein Geist betrübt,
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Vnd wie sich meine Seele mühet,
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Daß Ihr, den sie so hertzlich liebt,
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So weit vns auß den Augen ziehet.

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Was nützt es nun, daß du der Welt,
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O Leben, länger wilt geniessen?
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Jetzt wil ich, wenn es dir gefellt,
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Die Rechnung meiner Tage schliessen.

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Mein Robert wil das Hertze mir,
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Den Sinn vnd auch die Seele rauben,
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Ich muß hie wallen für vnd für
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Gleich einer waisen Turteltauben.

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Die Künste, die ich vor geehrt,
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Mein Seitenspiel, mein süssen singen
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Wird nachmahls nicht mehr angehört,
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Er pflag hiezu mich auffzubringen.

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Er hat die Geister mir geregt,
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Er pflag die Seiten mir zu stimmen,
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Ich hofft' auch schon von jhm bewegt
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Durch Kunst die Sternen zu erklimmen.

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Was sol mir nun mein Seitenspiel?
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Was sol der Musen Volck zusammen?
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Sie richten nichts, ich muß vnd wil
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Sie ins vergessen hin verdammen.

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So viel ich vor von dir gewust,
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So viel ich vor von dir gehalten,
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So sehr, Apollo, wird die lust
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Zu dir hinfort bey mir erkalten.

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Wo lob vnd Ruhm der Kunst gebricht,
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Da wird sie zum Verdruß bewogen,
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Vnd muß verleschen, wie ein Liecht,
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Dem seine Nahrung wird entzogen.

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Ach daß ich armer doch bißher
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So wol nicht meiner war genommen
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Alß ich zwar kuntt. O daß ich wer'
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Im Tage zehnmahl zu jhm kommen,

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So hett' ich sein dies gantze Jahr
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Vmb so viel mehr geniessen können,
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Da ich nun wil, so wil mir gar
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Das Glück sein beysein nicht vergönnen.

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Ein Mensch erkennet nie so wol
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Das gute, so er hat auff Erden,
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Alß damahls, wenn er dessen sol
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Durch Flucht der Zeit beraubet werden.

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Ich klag', vnd weiß nicht was ich thu,
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Herr Robert, Ihr zieht doch von hinnen,
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Hilfft etwas, daß ich ohne Ruh
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Mich kränck' vnd gräme fast von Sinnen?

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Gantz nichts, wo Gott euch vnd das Glück
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Schon wollen hin bestellet wissen,
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Von dannen werdet Ihr zurück
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Durch meine Klage nicht gerissen.

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Mir zweiffelt nicht, dies werde seyn
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Der Weg zum Lohn für ewre Tugend,
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Vmb die Ihr so viel Staub vnd Pein
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Ertrugt vom Anfang' ewrer Jugend.

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Die Ihr in aller Welt gesucht,
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Biß daß Ihr endlich sie gefunden,
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Mit welcher Lehr' vnd güldnen Zucht
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Ihr auffs genawest' euch verbunden.

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Die darumb Euch so hoch schon hebt,
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Dahin von vnten ich nicht schawe,
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Wo der berühmten Nahme schwebt,
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Vnd ich zu stehn mir nicht getrawe.

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Die Tugend, wie sie sey, hat noch
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Nicht einen vnbelohnt gelassen,
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Verzeucht sie gleich, sie findt sich doch,
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Vnd wird die rechte Zeit wol fassen.

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Drumb zieht, wohin Gott auß der Höh'
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Euch winckt, die heilig' Himmels-Schaaren
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Seyn vmb euch her zu Land' vnd See,
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Auff daß Ihr sicher möget fahren.

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Die harten Winde müssen sich
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Auß jhren Felsen gar nicht rühren,
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Du Ost-Nord-Ost nur schicke dich
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Ihn an gewünschten Port zu führen.

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Ihr Himmels Augen, die Ihr steht
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Das Meer zu stillen vnd zu regen,
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In dem mein Freund zu Segel geht,
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Schawt, daß Ihr seiner möget pflegen.

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Die dicken Wolcken halten an
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Ihr Vngemach vnd faules feuchten,
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Daß auch vmb Amphitriten Bahn
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Kein Donner sey, kein Wetterleuchten.

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Nur Ihr, Herr Robert, seyd bedacht,
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Daß Ihr euch bald' vns wieder gebet,
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Vnd vnterdessen Tag vnd Nacht
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Im besten vnser indenck lebet.

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Vnd, wie nach allem recht gebührt,
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In dem Ihr geht auß diesem Lande,
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Vnd manchem seine Seel entführt,
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So laßt vns ewre hie zum Pfande.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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