Jezund heben Waldt vnd Feldt

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Simon Dach: Jezund heben Waldt vnd Feldt Titel entspricht 1. Vers(1632)

1
Jezund heben Waldt vnd Feldt
2
Wieder an zu klagen,
3
Denn es wil die grimme kältt'
4
Alle Lust verjagen,
5
Boreas pfeifft, saust vnd rufft
6
Hin vnd wieder in der Lufft,
7
Fellet alle Blätter
8
Durch sein strenges Wetter.

9
O wie wol pflag mir zu sein,
10
Wann mich bey den Bronnen
11
Venus deckte vor dem schein
12
Vnd dem fewr der Sonnen,
13
Wenn ich alles Kummers loß
14
Lag in jhrer zarten Schoß,
15
Wann ich alles tichten
16
Pflag auff sie zu richten.

17
Manchen schönen Verß hat sie
18
Selbst mir vorgeschrieben,
19
Amor hat mit mir alhie
20
Offt die zeit vertrieben,
21
Er warff seinen Köcher hin
22
Sampt dem Bogen in das grün
23
Vnd saß bey mir nieder,
24
Hörte meine Lieder.

25
Ich sang, wie vor seiner List
26
Jedes muß erliegen,
27
Wie sein Reich vnd Himmel ist
28
Vber alles siegen,
29
Venus sagt', Adonis Pein
30
Solte mein Getichte sein,
31
Dem sie sich ergeben,
32
Eh' er kam vmbs Leben.

33
Ich empfieng davor von jhr
34
Einen Krantz von Myrten,
35
Hiedurch brach mein Lob herfür
36
Vnter allen Hirten,
37
Amor aber vor sein theil
38
Drückt in mich ein scharffes Pfeil,
39
Dessen ich noch schmertzen
40
Fühl' in meinem Hertzen.

41
Galathee, du Preiß vnd Ehr
42
Aller Schäfferinnen,
43
Dich must' ich je mehr vnd mehr
44
Damals lieb gewinnen,
45
Ach wie manche lange Nacht
46
Hab' ich schlaffloß hingebracht,
47
Vnd dir, O mein leben,
48
Mich zu dienst' ergeben.

49
Meiner Herde hab ich nie
50
Wegen dein geachtet,
51
Vnd nur dir mit höchster Müh'
52
Immer nachgetrachtet,
53
Ja es steht anjetzt noch kaum
54
In dem Wald' ein einig Baum,
55
Da nicht ist beschrieben,
56
Wie ich pflag zu lieben.

57
Biß sich Venus mir versprach
58
Hülffe zu geweren,
59
So genaß ich allgemach;
60
Meiner augen zehren
61
Wusch sie ab mit eigner Hand
62
Vnd verleschte meinen brand,
63
Heilte meine Wunden,
64
Die ich hatt' empfunden.

65
Sonsten war mein auffenthalt
66
Nirgends nicht zu finden,
67
Als nur durch den grünen Waldt
68
Bey den hohen Linden,
69
Ein schön Quell, ein frisches Graß
70
Liebet' ich ohn vnterlaß,
71
Da ich dan gesungen,
72
Daß die Bäum' erklungen.

73
Aber nun der Nordenwindt
74
Alles hin wil reissen,
75
Vnd mit Schnee vnd Frost beginnt
76
Vmb sich her zu schmeissen,
77
Muß in höchster Trawrigkeit
78
Ich verbringen meine Zeit,
79
Weit von solchem leben,
80
Das vns Wälder geben.

81
Doch, Atmithas, wer, wie du
82
Sich so wol versehen,
83
Vnd ergreifft die süsse Ruh,
84
Der lest jmmer wehen
85
Alles Wetter zu jhm ein,
86
Nichts mag jhm beschwerlich sein,
87
Mitten in den Winden
88
Kan er Ruhe finden.

89
Darumb muß dich jederman
90
Für glückseelig halten,
91
Wer so liebt, derselbe kan
92
Kaum im Tod' erkalten,
93
Rechte trewe Liebe macht
94
Hitz' aus Kälte, Tag aus Nacht,
95
Kehret alles Leiden
96
In gewünschte Frewden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.