Vmb die schöne Frühlings Zeit

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Simon Dach: Vmb die schöne Frühlings Zeit Titel entspricht 1. Vers(1632)

1
Vmb die schöne Frühlings Zeit,
2
Alß die grüne Sommerpracht
3
Gab dem Winter das geleit,
4
Vnd das Feld nun war erwacht,
5
Alß die Brunnen klar wie Glaß
6
Lieffen, gantz vmbhült mit Graß,
7
Alß ein jeder Blumen laß,

8
Alß der Schäffer aus dem Stall'
9
In die Wälder weiden gieng,
10
Alß es grünet' vberall
11
Vnd der Knopffe Bäum' empfing,
12
Kam auch Dorilea gehn
13
Sich im Grünen vmbzusehn,
14
Vnd blieb bey sich denckend stehn:

15
Ob sie in ein grünes Thal
16
Gienge, da jhr Winterleid
17
Mit den Blumen ohne Zahl
18
Zu vergehn in Fröligkeit,
19
Oder in den kühlen Wald,
20
Aller Schäffer auffenthalt,
21
Zu den Quellen mannigfalt.

22
Doch vor aller Felder Zierd'
23
Hat der Garte sie ergetzt,
24
Den selbst Venus auffgeführt,
25
Vnd auff einen Berg gesetzt,
26
Der viel schöner Rosen tregt,
27
Der so frische Quellen hegt,
28
Vnd viel tausend Frewd' erregt.

29
Dorile die wolt' hinauff,
30
Setzt' an jhre Macht vnd Sterck',
31
Ob sie durch den schnellen Lauff
32
Möcht' erklimmen diesen Berg,
33
Aber nein, vmbsonst es war,
34
Sie fiel rückwerts immerdar,
35
Biß das sie vermüdet gar.

36
Lieff das Feld durch hin vnd her,
37
Suchte da mit allem Fleiß,
38
Ob nicht wo ein Schäffer wer'
39
Vnd gewünschte Hülff' erweiß',
40
Vber Berg' vnd vber Thal
41
Lieff sie vnd sucht' vberall,
42
Doch war niemand dazumahl.

43
Endlich in dem Myrtenstrauch'
44
Hüttet Lucidor der Schaff',
45
Allda er nach seinem brauch
46
Hielte seinen MittagsSchlaff,
47
Er lag in das Graß gesenckt,
48
Ward vor Liebe, die jhn krenckt,
49
Da mit süsser Ruh getrenckt.

50
Dorile wird deß gewar
51
Vnd erfrewet sich darab,
52
Darff jhn doch nicht wecken gar,
53
Sondern nimbt den Hirtenstab,
54
Leufft damit den Berg hinan,
55
Meint zu halten sich daran,
56
Doch sie nichtes schaffen kan.

57
Darauff hat sie sich gewandt
58
Wieder zu dem Lucidor,
59
Den sie eben Schlaffend fand
60
In dem Grase nach wie vor,
61
Nimbt die Flöt' aus seiner Hand,
62
Dadurch er lengst war bekandt
63
Hin vnd wieder auff dem Land',

64
Vnd bläst, daß der nechste Wald
65
Von der Flöthen hellem Thon
66
Hoch biß in die Lufft erschallt,
67
Ob er möcht' erwachen nun,
68
Doch kehrt er sich nicht daran,
69
Meint im Schlaff', es sey Gott Pan,
70
Der sonst lieblich spielen kan.

71
Weil nun Dorilea spürt,
72
Das er nicht erwachen wil,
73
Wiewol sie Ihn offt gerührt
74
Durch den Stab vnd durch das Spiel,
75
Reist sie von jhm mit Gewalt
76
Seine Kleider dergestalt,
77
Daß er must' erwachen bald.

78
Alß nun Lucidor erblickt
79
Nebenst jhm die Dorile,
80
Ward er gleichsahm wie entzückt,
81
Vnd fragt, warumb sie da steh',
82
Auch warumb sie Ihn geweckt,
83
Seine Kleider Ihm entdeckt,
84
Vnnd die Flöth' vnd Stab versteckt.

85
Sie sprach: Schäffer, laß vns gehn,
86
Da sich jener Berg so spitzt,
87
Da die schönen Blumen stehn,
88
Da die Venus selber sitzt,
89
Von den Rosen bester Art,
90
Von den Myrten schön vnd zart
91
Sey ein Krantz dir vor gespaart.

92
Auch soltu, mein Lucidor,
93
Sprach sie, mit mir allezeit
94
In dem Reyen gehen vor,
95
Auch (wo du mich bringest heut,
96
Wo ich wünsch' anjetzt zu sein)
97
Soltu haben, was allein
98
Lindert deine LiebesPein.

99
Lucidor sprach: Dorile,
100
Ach wie hastu mich erfrewt,
101
Ach komm eilends, komm, ich geh',
102
Ich verricht' es warlich heut,
103
Halte dich nur fest an mir,
104
Ich wil sein in warheit dir
105
Eine Leiter für vnd für.

106
Hiemit kamen sie hinauff,
107
Venus nam sie willig an,
108
Alle Nymphen stunden auff,
109
Die Göttinne gieng voran,
110
Alß sie sah' Ihr beyder Hertz,
111
Wie es lauter Liebes Schmertz,
112
Sprach sie lachend voller schertz:

113
Weil dich Lucidor gebracht,
114
Dorile, an diesen Ort,
115
Gieb Ihm, nur nicht lang bedacht,
116
Das, was du laut deiner Wort'
117
Hast gesagt; sie nam den Krantz,
118
Setzt' ihm auff, vnd gieng zum Tantz,
119
Biß der Tag verlauffen gantz.

120
Venus schloß den Garten zu,
121
Merckte, wie es war gespielt,
122
Vnd sprach: Geht nur hin zur Ruh,
123
Weil es nur dahin gezielt,
124
Geht nur, geht, Ihr liebes Paar,
125
Helfft euch also immerdar,
126
Des sey Zeug' ein jedes Jahr!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.