Die Flammen steigen stets dem ersten Quelle zu

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Daniel Casper von Lohenstein: Die Flammen steigen stets dem ersten Quelle zu Titel entspricht 1. Vers(1659)

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Die Flammen steigen stets dem ersten Quelle zu;
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Die Wolken regnen hin, wo sie zuerst entspringen;
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Es suchet der Magnet beim Angelsterne Ruh';
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Man sieht des Meeres Salz zu seinen Brunnen dringen;
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Jedweden Morgen kehrt dahin der Sonne Rad,
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Wo Memnon's Mutter sie vorher geboren hat;
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So, weil der morsche Mensch zur Mutter hat die Erden,
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Muß, was die Wiege war, ihm auch sein Leichstein werden.

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Wie aber? schleußt dies Grab sein ganzes Wesen ein?
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Soll in des Lebens Kreis', im Zirkel unsrer Jahre
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Ein Nichts der Mittelpunkt, das Ende Sterben sein?
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Sucht doch die Fledermaus im Lichte Tod und Bahre,
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Ob sie des Tages Glanz gleich nicht vertragen kann!
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Die Gluth nimmt hellern Glanz bei dem Verlöschen an.
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Nein! auch der weise Mensch pflegt, muß er schon erblassen,
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Den Zweck der Ewigkeit auch sterbend zu umfassen.

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Hat Vielen, die gleich nicht der Seele Schatz gekannt,
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Die Kern und Geist gesucht in Körpers Schal' und Aschen,
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Doch nach der Ewigkeit ihr dumpfer Geist gebrannt,
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Wenn sie mit Cedersaft die Leichen abgewaschen,
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Mit Oel und Aloe gesalbet Leib und Haupt!
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Weil aber endlich Zeit und Fäule Beides raubt,
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Der Balsam Moder wird, die Myrrhen Würmer sämen,
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Muß man zur Ewigkeit wohl bessern Zunder nehmen.

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Des Namens Ewigkeit und großer Thaten Ruhm
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Besteht auf festerm Fuß und etwas längerm Wesen;
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Doch ist der Name selbst erborgtes Eigenthum.
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Man kann gelehrtes Lob zwar in den Büchern lesen;
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Doch wie mag's glaublich sein, daß man unsterblich ist
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Auf Leder und Papier, das selbst die Motte frißt?
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Der deutschen Helden Preis, den Plinius geschrieben,
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Ist mit den Büchern selbst vom Zufall aufgerieben.

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Man suchet Rom in Rom, Griechen in Griechenland,
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In dem die Marmel mehr, als Menschen, Griechisch sprechen.
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Cephisus hat nicht Fluth, Pactol nicht güldnen Sand;
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Das reiche Sardes ist für arm und Nichts zu rechnen;
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Die Schäfer hüten Vieh, wo einst Miletus war,
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Ja, wir vermißten es, wie seine Hirten, gar,
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Wenn nicht ein stummer Stein mit seiner Schrift entdeckte,
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Daß Thales' Vaterland daselbst vergraben steckte.

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Ob auch die Seelen gleich Gedächtnißtempel sind,
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In denen Tugend uns zum Abgott hat erhoben;
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Der Sonnenschein wird nicht zur Wolke so geschwind,
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Als man verfluchen wird das, was wir heute loben.
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Was Jener Wohlthat heißt, schilt Dieser Missethat;
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Man legt zu höchstem Schimpf' auf Holzstöß' und auf's Rad
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Das, was vor kurzer Zeit wir eingebalsamt haben,
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Was unter dem Altar noch gestern lag begraben.

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Zudem schätzt Tugenden für ein unsterblich Ding;
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Laßt großer Thaten Ruhm so lange Zeit bekleiben,
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Als aller Jahre Lauf umzirket ihren Ring;
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Laßt an de Mondes Rand gar eure Namen schreiben!
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Wird von der Ewigkeit ein Schimmer übrig sein,
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Wenn Alles höret auf, der Himmel schrumpfet ein?
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Wo werden bleiben stehn die Götter dieser Erden,
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Wann Erd' und Welt wird Graus, die Sterne Asche werden? –

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Welch' andrer Pfad weist denn zur Ewigkeit den Weg,
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Die keiner Zeiten Zeit ist mächtig zu vergraben?
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Der Brunn der Ewigkeit will Oel ohn' allen Fleck
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Und Ampeln nicht von Thon in seinem Tempel haben.
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Die ihre reine Seel' anzünden ihrem Gott
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Ihm Glauben, werden nicht vom Sterben haben Noth;
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Die zur Gerechtigkeit den Weg hier lebend zeigen,
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Derselben Glanz wird selbst die Sterne übersteigen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Daniel Casper von Lohenstein
(16351683)

* 25.01.1635 in Niemcza, † 28.04.1683 in Breslau

männlich, geb. Casper

deutscher Dichter des Barock und einer der Hauptvertreter der Zweiten Schlesischen Dichterschule

(Aus: Wikidata.org)

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