Venus

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Daniel Casper von Lohenstein: Venus (1659)

1
Izt liebt die gantze welt! des Titans glut wird mächtig
2
Die erde zu vermähln/ der himmel machet trächtig
3
Mit regen ihren schooß/ das blumen-gelbe jahr
4
Beschwängert ihren bauch/ der blumen sommer-haar
5
Bekleidet allbereits die unbelaubten wipffel:
6
Des Demus kahlen kopff/ und die unwirthbarn gipffel/
7
Die hier der süd versengt/ und dort der schnee ableckt/
8
Hat schon der bunte lentz mit kräutern überdeckt.
9
Ja selbst die zeit wird braut/ die blumen-göttin schmücket
10
Ihr selbst das braut-gewand/ und ihre kunst-hand stücket
11
Der Tellus grünen rock mit frischem rosen-schnee
12
Und weissen liljen aus. Hier wächset fetter klee
13
Auff hyblens marmel-brust; Dort bücken die narcissen
14
Sich zu den tulpen hin/ einander recht zu küssen.
15
Hier schmeltzt das thränen-saltz vom rauchen hyacinth/
16
Wo die crystallen-bach aus hellen klippen rinnt/
17
Voll lust sein herbes leid darinnen zu bespiegeln.
18
Indessen feuchtet dort mit den bethauten flügeln
19
Der zucker-süsse west die wiese/ die fast lechst.
20
Das weiß-beperlte graß/ das in den thälern wächst/
21
Bekräntzt der sternen-thau. Die wälder werden düstern/
22
Nun sich der wurtzeln safft den ästen will verschwistern/
23
Das laute flügel-volck/ das stumme wasser-heer/
24
Ja selbst der kluge mensch/ und was lufft/ erd' und meer
25
Beseeltes in sich hat/ wird gleichsam jung und rege/
26
Gereitzet durch den geist der göttin/ derer wege
27
Durch alle grentzen gehn/ die die natur gesetzt/
28
Ich meyne Venus dich: du werdest gleich geschätzt
29
Von andern/ die noch nicht dein feuer recht erkennet/
30
Die deine krafft nicht rührt/ noch deine flamme brennet/
31
So/ wie es ihnen dünckt. Verzeihe mir nur hier
32
Du Gnidus-königin/ daß ich diß schlechte dir
33
Auff dein bekräntzt altar mit ungewaschner lippe
34
Im gläser-hellen qvell des pferde-brunns Enippe
35
Zu opffern mich erkühn. O milde geberin
36
Der viel beredsamkeit/ nimm diß mein dichten hin.
37
Gib/ daß ein lauter schwan von deinen mir es zeige/
38
Wie ich dich singen soll. Laß meine lorbeer-zweige
39
Bey deinen myrthen blühn. Ich spanne nun hierauff
40
Die segel in dein lob/ gib/ daß nach gutem lauff
41
Die seuchte muschel mag die stillen ufer lesen.
42
Bald erstlich aber fällt/ durch wen du seyst genesen/
43
Ein eyfer-kummer vor. Die meisten sind gesinnt/
44
Du seyest Jupiters und der Dianen kind.
45
Viel dürffen dir wohl gar den vater streitig machen/
46
Und sagen/ daß du nur (wer will des wahns nicht lachen!)
47
Cambysens kinds-kind seyst. In warheit/ welcher glaubt
48
Solch abergläubisch ding/ dem ist sein neblicht haupt
49
Von wahnwitz angefüllt. Denn wer hat ie vernommen/
50
Daß von der taube sey ein starcker adler kommen?
51
Kein bock hat noch wohl nicht ein pferd zur welt gebracht/
52
Kein käfer einen straus. Und aus der finstern nacht
53
Entspringt kein sonnen-licht. Die meisten aber sagen/
54
Der himmel habe dich in seinem schooß getragen/
55
Als dich der tag gezeugt. Zwar diese meynung scheint
56
Mir nicht so ungereimt/ weil sie dich nicht verkleint/
57
Auch keinen mangel zeigt. Daß du vom himmel kommen/
58
Und von den göttern hast dein wesend thun genommen/
59
Trifft mit der gottheit ein. So ist auch weil die welt/
60
Diß weit-umarmtes all/ wird durch den tag erhellt/
61
Dein wesen schon gewest. Doch scheinet unter allen
62
Mir keine meynung mehr/ als derer/ zu gefallen/
63
Die deinen stamm erzehln; Daß die geschwellte flut
64
Des blau-gesaltznen schaums/ geschwängert durch das blut
65
Des himmels-saamen sey/ als aus erzürntem wüten/
66
Saturnus sichel ihm das manns-glied abgeschnitten/
67
So wär es durch die lufft gefallen in die see/
68
Und aus erregtem schaum sey unsre Cyprie
69
Entsprossen in der flut. Diß machet uns zu wissen/
70
Warumb die Griechen erst dich Aphrodite hiessen.
71
Gewißlich/ saltz und schaum kömmt deiner eigenschafft
72
Und würckung ziemlich bey. Wo würde krafft und safft
73
Die säuge-mutter sonst vor ihre früchte nehmen?
74
Wie würde pflantz und thier sonst ihre seele sämen/
75
Und was durch die geburt die ewigkeit der welt
76
Für ihrem untergang und letztem nichts erhält?
77
Wo würde frucht und brut/ und alles marck der erden
78
In der versiegnen art gezeuget können werden/
79
Bey mangel deiner glut? Ich schweige was von ihr/
80
Du schönes meer-schaums-kind/ die milde mutter dir
81
Noch sonst hat beygepflantzt. Daß dieses alles alle
82
Nicht stracks in einem nu in einen klumpen falle/
83
Hält deine gottheit auff. Noch eines fällt mir bey:
84
Warum das saltz-glaß auch noch sonst dir ähnlich sey.
85
Denn wie das grüne saltz bald an des monden gläntzen/
86
Bald gar sich schwellt empor zu Ariadnens gräntzen/
87
Bald gar in abgrund fällt/ wenn itzt der laue west/
88
Itzt süd' und nord darauff mit starcken backen bläst.
89
So gleicht auch dein bestand dem unbestand der wellen/
90
Der bald das liebes-schiff mit sturm pflegt anzubellen/
91
Bald durch erwünschten wind in einen hafen führt/
92
Um den ein fremder mast offt jahr und tag verliert/
93
Und doch zu scheitern geht. Ja unser lieben lehret/
94
Daß Acidalie dem wasser angehöret;
95
Denn lieben ist nichts mehr/ als eine schifferey/
96
Das schiff ist unser hertz/ den seilen kommen bey
97
Die sinn-verwirrungen. Das meer ist unser leben/
98
Die liebes-wellen sind die angst/ in der wir schweben/
99
Die segel/ wo hinein bläst der begierden wind/
100
Ist der gedancken tuch. Verlangen/ hoffnung sind
101
Die ancker. Der magnet ist schönheit. Unser strudel
102
Sind Bathseben. Der wein und überfluß die rudel.
103
Der stern/ nach welchem man die steiffen segel lenckt/
104
Ist ein benelckter mund. Der port/ wohin man denckt/
105
Ist eine schöne frau. Die ufer sind die brüste.
106
Die anfahrt ist ein kuß. Der zielzweck/ süsse lüste.
107
Wird aber hier umwölckt/ durch blinder brünste rauch/
108
Die sonne der vernunfft/ so folgt der schiffbruch auch/
109
Der seelen untergang/ und der verderb des leibes:
110
Denn beyde tödtet uns der lustbrauch eines weibes.
111
Doch schneidet iemand dir so ruhm als namen ab/
112
Wenn unvernunfft ihn stürtzt; gewiß/ der hat sein grab
113
Im leben schon erlangt. Der hat entzündte sinnen/
114
Wer nicht dein süsses thun muß innig lieb gewinnen.
115
Dem muß sein kaltes hertz mit eiß umfangen seyn/
116
Dem deiner flammen blitz nicht dringt zur seelen ein.
117
Denn soll man/ weil der dorn die finger pflegt zu stechen/
118
Sich nicht der rosen haupt bemühen abzubrechen?
119
Soll fenchel-kraut und klee zu pflantzen seyn verwehrt/
120
Weil ihren süssen safft die schlang' in gifft verkehrt?
121
Soll auch die wüste see bald unbesegelt liegen?
122
Und soll das fluten-pferd nicht mehr die Thetis pflügen/
123
Wenn einmahl well und wind auff seil und segel bell'n.
124
Und ein zerschmettert holtz durch eine klap zerschell'n/
125
Offt durch des schiffers schuld/ der meistens geht verlohren/
126
Weil er kein vorsichts-wachs ihm stopffet für die ohren;
127
Wenn die Sirene pfeifft/ weil er nicht weiß/ wo stein
128
Und strudel frischer brunst vermieden müssen seyn.
129
Der/ wenn die laster weh'n/ die segel steiffer sinnen
130
Nicht bald herunter fällt/ noch auch sein schwach beginnen
131
Will anckern auff vernunfft. Wer in den dorn sich sticht/
132
Mit dem die käyserin der blumen sich umflicht/
133
Mag seiner blindheit es/ und nicht den weichen blättern
134
Der rosen rechnen zu. Wiewohl gleich als mit wettern
135
Der sommer sich vermischt/ gleich als ein myrthen-strauch
136
Zum wachsen nicht allein der sonne/ sondern auch
137
Des regens unmuth darff; so können auch die saaten
138
Der grünen liebe nicht stets an der sonne braten;
139
Es hegt/ nechst dieser/ auch ein fremder anmuths-kuß
140
Die pflantzen/ die sie wärmt. Der wehmuth regen muß
141
Aus den gestirnen qvell'n/ in derer brunn die flamme
142
Zum ersten sich entspann/ und als die seelen-amme
143
Die liebes-flamme nährn/ die wurtzeln auch benäßt
144
Mit buhler-thränen feyn; der seuffzer kühler west
145
Muß den halb-dürren stock mit feuchtem hauch anwehen/
146
Wo man ihn süsse frucht soll künfftig tragen sehen.
147
Welch wahnwitz wär es nun/ wenn um ein kurtzes weh/
148
Um einen sauren biß man solte bald die see
149
Mehr als gewünschter lust/ mehr als begehrter wonne/
150
Und was noch mehr entbehrn? auch läst sich nicht die sonne
151
Zueignen fluch und schild/ wenn boßheit haus und stadt
152
Steckt durch ein brenn-glaß an; der Venus garten hat
153
Ja wolffs-milch böser lust nebst ihren liljen blühen/
154
Wenn natter-zungen wolln den reinen safft ausziehen.
155
Sonst aber klebt kein gifft den holden kräutern an/
156
Die mißbrauch/ haß und neid nicht fleckicht machen kan.
157
Diß und dein ander lob steht sternen eingeschrieben/
158
Und marmeln eingeprägt. Ja dein beliebtes lieben/
159
Dein wesen von kind auff/ die wercke deiner macht
160
Hat die Calliope selbst zu papier gebracht/
161
Und in das demant-buch der ewigkeit begraben/
162
Was du zu rühmen werth/ wir auch zu wissen haben.
163
Die götter sind niemahls bemühter um ein ding/
164
Als um dein schiff gewest/ so bald der schaum auffgieng
165
Stund Titan gantz beschämt/ und wolte mit den strahlen
166
Nicht mehr die kalte schooß der matten erde mahlen;
167
Aurorens güldner stuhl schien auff der see zu stehn/
168
Die wellen fingen an mit rosen auffzugehn/
169
Die sonne schimmerte nur wie bey düstern nächten
170
Der mond/ als wenn umher sich dünne dünste flechten;
171
Man meynte/ daß die sonn ein nebel/ daß das meer
172
Ein himmel/ und die lufft zur erden worden wär.
173
Ja selbst die schönheit schien itzt allererst gebohren/
174
Weil himmel/ erd und meer für dir den glantz verlohren;
175
Du machtest milch und schnee mit deinem halse grau/
176
Der marmelstein ward schwartz/ das helffenbein ward rauh/
177
Für deiner glatten schooß; die blauen türckse schienen
178
Für deinen adern weiß/ die röthe der rubinen
179
Bey deinen lippen fahl; der stirnen glantz gieng vor
180
Dem demant/ und die pracht des purpur-bluts verlohr
181
Die farbe. Ja/ für dir erblaßten die corallen/
182
Als sie die wangen sah'n; die leuchtenden crystallen/
183
Die sternen/ wurden selbst für deiner augen glantz
184
Und deinem blincken blind. Aurorens rosen-krantz
185
Ward welck für deinem haar. Für deinem athem büßten
186
Die veilgen den geruch/ die liljen für den brüsten
187
Gepräng und schönheit ein. Kurtz/ unsre Cyprie
188
War aller frauen frau; Der wollust-ströhme see/
189
Der augen augen-stern/ die sonne der göttinnen/
190
Der wollust ziel und pfeil/ das muschel-schiff/ worinnen
191
Das vordertheil corall/ das hintertheil rubin/
192
Der mastbaum von smaragd/ das segel carmesin/
193
Das fähnlein von damast/ das seil aus wurmgespinste/
194
Das ruder aus saphir/ und alles sonst auffs minste
195
Gemacht aus perlen war. Der schnecken häußlein war/
196
Die schoos zugleich/ in der die mutter dich gebahr/
197
Dein tempel/ dein altar/ dein wagen/ deine wiege/
198
Dein himmel/ deine burg/ dein schild und helm im kriege/
199
Dein bette/ ja dein thron/ dein spiegel/ dein gezelt/
200
Dein garten/ dein gemach/ ja deine gantze welt.
201
Auff diß dein schifflein bließ der vater aller blumen/
202
Der Flora bräutigam/ der Zephyr aus Idumen/
203
Zibet und ambra aus; Neptun hub aus der see
204
Sein crystallines haupt verwundernd in die höh/
205
Und ließ von seinem haar auff seiner wasser auen
206
Corallen-zöpffe falln/ und perlen-tropffen thauen;
207
Schlug auch mit seiner hand den scepter auff das meer/
208
Daß alle Najaden und götter kamen her/
209
Die schiffahrt Cypriens nach würden zu bestellen/
210
Palämon kam und ritt ein meer-schwein auff den wellen/
211
Dem er von tulipen und rosen ein gebiß
212
Hatt um das maul gelegt. Der krause Nereus ließ
213
Das schuppen-vieh heraus aus Amphitritens bette;
214
Und Triton zog hervor/ an einer langen kette
215
Die muschel fortzuziehn/ ein grosses wasser-heer/
216
Das er mit moose speist/ und da das blaue meer
217
Mit frischem saltze tränckt. Die Nymphen/ welche liessen
218
Dort den Euphrat/ den Nil/ und hier die Donau fliessen/
219
Von denen eine dar gold/ crysolithen-stein/
220
Und amethisten laß/ und perlen fädmet ein;
221
Dort auch corallen brach/ verstreueten mit hauffen
222
Ihr reichthum um dein schiff/ nur deine gunst zu kauffen/
223
Um diß ihr opffer-werck. Denn eben damahls war/
224
O meer gewünschter lust! des meeres gold/ dein haar;
225
Sein demant dein gesicht/ sein purpur deine wangen;
226
Dein lächeln seine perl/ sein gantzer schatz dein prangen/
227
Daß auch die Thetis selbst darüber schamroth ward.
228
Kurtz: deine trefflichkeit schien ihr von solcher art/
229
Halb seel-loß/ halb erzürnt/ daß sie sich über hoffen/
230
Durch deine schönheit sah vielfältig übertroffen.
231
Ja die bestürtzung brach mit seufftzen auch herfür/
232
Als sie die heyrath nun mit Jupitern und ihr
233
Zu wasser werden sah; wiewohl sie es beschönet
234
Mit farben/ die der witz im fall der noth entlehnet/
235
Zum mantel eigner schmach/ als hätte sie durchaus
236
Nicht wegen der gestalt sie in sein sternen-hauß
237
Zu nehmen/ und nechst dem auch in sein purpur-bette/
238
Diespiter verschmäht; nein/ sondern Protheus hätte
239
Den Jupiter gewarnt/ die heyrath einzustelln/
240
Sonst möcht' ihr künfftig sohn ihn von dem throne fälln.
241
Denn dieses wäre schon der Parcen rund entschliessen/
242
Der vater würde selbst der Thetis sohne müssen
243
An tugend unten stehn. Wer aber merckt den fund/
244
Und hält nicht diesen ranck für ausflucht ohne grund?
245
Es wolte zwar mit ihr sich Jupiter vermählen/
246
Und sie für seine frau/ für seine Juno zehlen/
247
Wo auff den hochzeit-tag sonst keine göttin ihr
248
An anmuth und gestalt nicht würde gehen für.
249
Allein es hat es selbst der götter fürst bekennet/
250
Die liebe/ die zuvor in seiner brust gebrennet/
251
Diß feuer hätte sich wie staub und rauch verlohrn/
252
Nachdem die Paphie der schwangre schaum gebohrn:
253
Wie wenn Leucothoe mit den bebräunten flügeln
254
Die sonne deutet an/ auff düstern blauen hügeln/
255
Der schimmernd-helle glantz der sternen-saate weicht/
256
Und Phöbens silber-schein an beydem horn erbleicht/
257
So bald ihr bruder kömmt. Die singenden Sirenen
258
Verstummeten für dir/ die allerschönsten schönen;
259
Parthenope/ die sonst viel fremde segel stürtzt/
260
Und manchem durch ihr lied das leben gar verkürtzt/
261
Der ihrer schönheit traut/ die hätte selbst fast müssen
262
Allhier zu grunde gehn/ und Scyllens klippen küssen/
263
Weil sie durch deine huld bezaubert fast entschlieff/
264
Und ihrer selbst vergaß. Als auch der Venus schiff
265
An Cyperns ufer kam/ empfing die schooß der erden
266
Dich/ erdens-königin/ mit frölichen geberden.
267
Die Drias ließ den wald/ die Nais brunn und fluß/
268
Die Orcas ihren berg/ Silvanens ziegen-fuß
269
Die grünen püsche stehn; die gläser-hellen flüsse
270
Vergassen ihren lauff/ die wälder kriegten füsse/
271
Die felsen lernten gehn/ die berge lieffen dir/
272
Zu hören deinen mund/ zu schauen deine zier/
273
Mehr/ als dem Orpheus/ zu/ weil sie dein würcken steckte
274
Mit neuen sinnen an/ die hohe ceder streckte
275
Den langen halß hervor/ weil das gedränge nicht
276
Sie sich dir nähern ließ; das helle tage-licht/
277
Die sonne/ konte selbst nicht dringen mit den flammen
278
Durch dieses sommer-hauß/ so dichte war zusammen
279
Geflochten zweig und zweig/ wenn nicht der laue west/
280
Der mit den wipffeln spielt/ und durch die blätter bläst/
281
Wo einen ast auffhub. Weil keiner morgenröthen/
282
Ja keiner sonnen nicht/ kein tag nicht ist von nöthen/
283
Wo du/ o sonne/ bist/ du/ ohne die der tag
284
Kein tag ist/ ohne die die sonne selber mag
285
Kein licht geheissen seyn; du/ ohne derer hitze
286
Die flammen selber friern. Kein stern war hier nicht nütze/
287
Weil tausend blumen hier den sternen giengen für.
288
Kein himmel that hier noth/ weil dieses ortes zier
289
Mehr als ein himmel war/ für dessen stern-geblümen
290
Der himmel schwerlich sich darff einen himmel rühmen.
291
Hier/ wo auff smirgeln man die morgenröthe fand/
292
Wo ein schön milchern weg schnee-weiß von liljen stand/
293
Wo man sah veilgen stehn/ bethaut mit perlen-kräntzen/
294
[smaragdne Kräuter blühn, und Rothe Nelcken gläntzen,]
295
Wo fetter klee auffgieng/ wo sich der sand auffschwellt/
296
Und von narcissen schwamm/ da war das sternen-feld
297
Der blumen-himmel recht. Wird oben hoch gepriesen
298
Die sonne? so stand hier die sonne grüner wiesen/
299
Die rose; leuchtet dort des monden weisser kreyß?
300
Hier sternte noch so schön der tulipanen preiß.
301
Gläntzt Berenicens haar an den bestirnten zimmern?
302
So sahe man mit thau und bienen-zucker schimmern
303
Der erden haar/ das graß. Hier war der gantzen welt
304
Begriff und meister-werck. Hier war das frühlings-zelt
305
Der Chloris/ und das horn der reichsten Amaltheen;
306
Hier sprungen qvelln empor/ und bäder der Napeen;
307
Die schwanen stimmten hier mit einer nachtigall
308
Dir ein geburts-lied an. Es war hier überall
309
Zugleiche lentz und herbst; der wald trug blüt und früchte;
310
Der tannen-baum trug öl/ das hertz der wilden fichte/
311
War süsser bienen-safft; die fette kiefer stand
312
Mit pommerantzen schwer; das schilff trug zuckerkand.
313
Der eich-wald himmel-brod/ die kletten-sträuche sandeln/
314
Der schleedorn brachte wein/ die hasel-staude mandeln/
315
Die disteln tausendschön/ der nessel-strauch gebahr
316
Thal-liljen/ balsam-kraut; die wiesen wurden gar
317
Zu purpur und scharlach; die berge roßmarinen/
318
Ihr mooß zu majoran/ da durch der Ericinen
319
Den ehren-weg zu ziern; der sand ward gold/ die bach
320
Zu milch und silber-schaum; diß alls folgte nach
321
Der Acidalien/ biß an die göldnen zinnen/
322
Wohin/ sie auffzuziehn/ die himmels-pförtnerinnen/
323
Von dannen nahmen mit: denn kleideten sie sie
324
Mit blauem atlaß an/ biß über ihre knie.
325
Ein purpur-rock hieng ihr biß über hüfft und nabel/
326
Auff dem/ mit perl und gold/ Neptunus dreyzacks-gabel/
327
Die schlüssel des Averns/ und Jupiters sein stab/
328
Die ieder Paphien gehorsamst übergab/
329
Mit nadeln war gemacht; das schwellende gerüste/
330
Und wunder-rundte ball der alabaster-brüste/
331
Fieln athmend auff und ab/ und gaben einen schein
332
Durch den gewirckten wind; das braune haar schloß ein
333
Ein stirn-band aus rubin/ die krausen locken hiengen
334
Um ihrer schultern schnee. Mit solchem zierrath giengen
335
Sie in saphirnen saal; der grossen götter schaar/
336
Die in der himmels-burg damahls zugegen war/
337
Erhub sich ingesammt von den gstirnten thrönen/
338
Und ließ sie alle leer der allerschönsten schönen/
339
Biß daß Diespiter/ der sie stracks lieb gewann/
340
Sie satzte neben sich/ und für sein kind nahm an.
341
Diß hieß sich einen brand und um sich fressend feuer
342
Selbst unters dach gesteckt; die wohlthat kam so theuer
343
Ihn als kein übel an; denn als er einmahl sich
344
In sie fast halb entzückt; ich/ sprach er/ schätze dich/
345
Dich für mein liebstes kind. Ich mag kein wort-gepränge
346
Nicht machen; denn du hast die liebe nach der länge
347
Schon gegen dich verspürt; du trägst den götter-krantz/
348
Ich habe dich zu mir/ nebst meines scepters glantz
349
Auff diesen thron gesetzt. Ich bin dir so gewogen/
350
Daß ich der Juno dich fast habe fürgezogen.
351
Ich wolt auch/ fiele dir an mangel etwas für/
352
Dir keinen wunsch verschmähn; Versichre dich zu mir
353
Unfehlbar alles guts. Fehlt dir/ du darffst es sagen/
354
Zu deinem ansehn was? Hier habe diesen wagen
355
Vom vater dir geschenckt/ aus demant und rubin/
356
Erkiese was ihn solln für schöne thiere ziehn;
357
Ich habe nur für mich die adler ausgelesen;
358
Des vaters thiere sind ein drachenzug gewesen/
359
Die pferde liebt Neptun/ die ochsen Delie/
360
Die tieger-thiere Jan/ die leuen Cybele.
361
Wilstu für deinen leib schnee-weisse schwanen haben?
362
Schau sie sind dir gewährt. Wie soll ich dich begaben?
363
Die götter setzt ich all auff einmahl unter dich/
364
Und gäbe dir gewalt fast selber über mich.
365
Die Venus wäre fast für freuden gar zersprungen/
366
Als ihr das letzte wort in ihrem ohr geklungen.
367
Ach vater! hub sie dann mit süssem lächeln an/
368
Wenn hat dein kind dir doch zu liebe was gethan?
369
Wie? rührt die grosse huld/ rührt dieses grosse lieben
370
Vom vater-hertzen her? mein wunsch ist nun beklieben/
371
Mein segen blüht und wächst/ wenn ich mit schwanen darff
372
Durch die gestirne fahrn. Nach solchen worten warff
373
Die schlaue zauberin die allersüßten blicke/
374
Die fessel der vernunfft/ die linden seelen-stricke/
375
Auff ihren vater hin/ also daß er nun gantz
376
Von ihr bezaubert ward: Sprach denn/ o höchster glantz
377
Der götter! darff dein kind/ dein kind dich noch was bitten?
378
Wilstu mich/ vater/ noch mit deiner gunst beschütten/
379
Die ich für vorige dir zwar nicht dancken kan/
380
So leb ich deine magd. Darauff so fieng er an:
381
Mein kind/ du weist/ daß ich mit dir das hertze theile/
382
Du solst es haben/ ja; wahr ists/ die donner-keile
383
Begehr ich/ fuhr sie fort/ und daß ich eine zeit
384
Mit blitzen spielen darff. Mein kind/ zu weit/ zu weit
385
Gegangen/ fieng er an. Es läst sich einer frauen/
386
Die sich nicht zäumen kan/ nicht bald ein reich vertrauen/
387
An meinem herrschen liegt des grossen himmels heyl.
388
Der wohlstand aller welt. Die spindel und ein keil/
389
Die nadel und ein schwerdt/ der scepter und ein rocken
390
Darff zweyerley verstand. Wer weiß/ wie ich erschrocken
391
Mit allen göttern bin/ als das bethörte kind
392
Der sonnen/ an vernunfft/ und am verstande blind/
393
Auff Titans wagen stieg. Du magst dich an ihm spiegeln;
394
Denn als ihm nicht bewust/ die hengste mit den zügeln
395
Zu hemmen/ schlugen sie die mittel-schrancken aus/
396
Die wälder wurden brand/ die klippen schutt und grauß.
397
Die brunnen wurden glut/ der schnee ward funck und flammen/
398
Und hätt ich blitz und keil nicht selbst gerafft zusammen/
399
Und aus dem wagen ihn gestürtzet in die flut/
400
So wäre längst das meer verglommen in der glut.
401
Der himmel wäre rauch/ die sternen wären asche.
402
Diß sag' ich/ daß ich mich von allem reine wasche/
403
Wo dir/ indem du dich des blitzes unterfängst/
404
Ein unfall wiederfährt. Hier ist kein feurig hengst/
405
Der sich nicht zäumen läst/ sprach Venus zu dem fürsten
406
Der götter/ nein/ dein kind/ das kan nach ehren dürsten/
407
Nicht aber folgt/ daß ich nicht zu erleschen bin.
408
Ich will die flügel zwar des blitzes schicken hin/
409
So weit die sonne kan die blauen hügel röthen;
410
Mein blitz soll aber wohl nicht eine seele tödten/
411
Die nicht den tod selbst wünscht. Die wunden/ die mein pfeil
412
Soll schneiden in das hertz/ wird der verwundten heyl/
413
Der krancken artzney seyn; du selber wirst begehren/
414
Daß vater/ ich auff dich soll meine köcher leeren.
415
Mein blitz wird ohne noth/ mein donnern voller lust/
416
Mein schmertzen wollust seyn; mein ziel ist eine brust/
417
Nicht eines riesen kopff. So sey dirs denn verliehen/
418
Daß dir nach wunsch/ sprach er/ der lichte blitz soll glüen/
419
Es mag dein zarter arm nun lassen feuer schneyn/
420
Dein mund den donner-sturm. Hiermit räumt er ihr ein
421
Die schwartze wolcken-burg/ sammt allen zorn-sturms-waffen/
422
Durch die Enceladus geschwister seine straffen
423
Für seinen hochmuth kriegt. Die göttin aber trat
424
Diß neue donner-werck mit wohlbedachtem rath
425
Und ernstem eyfer an; denn bald ließ sie die strahlen
426
Des göttlichen gesichts die erden-kugel mahlen/
427
Und rieff den lauen west/ als sie ihn durch die lufft
428
So sanffte sahe spieln aus Lilybäens klufft/
429
Nechst ihr gestirntes zelt; Geh/ rieff sie/ heb die flügel/
430
Du lentzens-vater auff/ fleuch über thal und hügel/
431
Fleuch/ fleuch und sammle mir in deine purpur-schürtz
432
Aus Nabathäen gold/ Pachaniens gewürtz/
433
Hydaspischen geruch/ aus Saphar weyrauch-körner/
434
Aus Hyblens kräuter-brust von rosen schwere dörner/
435
Von allen gräsern thau/ aus allen reben safft/
436
Den geist aus dem metall/ und aller kräuter krafft.
437
Der zephyr segelte durch die zertheilten lüffte/
438
Nach Paphiens befehl/ und suchte berg und klüffte
439
Der holen erden durch; denn kehrt er seinen flug
440
Dem himmel wieder zu. In seiner schürtze trug
441
Er aller kräuter art; die nassen federn troffen
442
Voll balsam und voll thaus. Ja er bracht über hoffen
443
Mehr/ als ihr wunsch erst war/ und sie von anfang bat
444
So viel/ als ost und west/ und süd und nord kaum hat.
445
Die göttin aber zog aus diesen sachen allen
446
Ein köstlich wasser aus/ und schloß es in crystallen
447
Vermischt mit nectar ein. Ja/ sie ließ selbst dabey
448
Viel fremder künste sehn/ und neue zauberey.
449
Nach diesem splitterte sie die geborgten keile
450
Mit eigner hand entzwey/ und schärffte sie/ wie pfeile.
451
Darauff so wässerte sie in dem neuen safft
452
Diß tödliche geschoß/ biß daß die linde krafft
453
Die keile gantz durchzog/ und dem geschärfften stahle
454
Von des Pyracmons faust in des Vulcanus saale
455
Die härtigkeit benahm. Zu eben selber zeit
456
Ließ sie den Mulciber/ wo Aetna feuer speyt/
457
Aus gold und helffenbein ihr einen bogen schmieden/
458
Dabey der gute mann sich muste so ermüden/
459
Daß ihm der schweiß ausbrach/ weil des Tritonis schild
460
Dianens jäger-spieß/ durch den das schnelle wild
461
Büst geist und leben ein/ ja selbst des Aeols kette/
462
Der Ceres pflugschaar auch und Famens feld-trompete/
463
Gradivens stählern helm/ nicht so viel saure müh
464
Zu schmieden ihn gekost. Nach diesem ruffte sie
465
Ihr erstgebohrnes kind/ den blinden liebes-schützen/
466
Der in der wiege noch schon lernte pfeile spitzen/
467
Zu sich in ihr gemach/ und hieß die schwanen ihn
468
Zur reise schürren an/ und an dem wagen ziehn/
469
An dem der boden gold/ durchlegt mit helffenbeine/
470
Der spiegel-glatte sitz von alabaster steine/
471
Die räder aus rubin/ die axt aus perlen war'n:
472
Der kleine bogen-gott/ Cupido/ muste fahr'n/
473
Und selber fuhrmann seyn; die muntre schwane flogen
474
Aus der saphirnen burg der sternbeblümten bogen/
475
Durch der beblauten lufft rings um bewölcktes feld/
476
Gleich als der Titan auch das türckis-blaue zelt
477
Der himmels-burg durchmaß. Zwey gläntzende rubinen/
478
Und zwey Leucothoen/ zwey güldne sonnen schienen
479
Am morgen auffzugehn; der Phöbus spielete
480
Mit seiner strahlen glut durch himmel/ erd und see/
481
Die Venus aber schlug mit lauter liebes-blitze/
482
Mit pfeilen ihrer brunst auff ihrem demant-sitze
483
Durch himmel/ erd und meer. Wo Florens purpur-hand
484
Den garten des gestirns/ und das bestirnte land
485
Mit morgen-rosen blümt. Wo Calpens felsen-beine
486
Die Amphitrit abwäscht/ wenn mit dem purpur-scheine
487
Der Doris silber-schaum die abendröthe mahlt/
488
Wo in dem heissen sud der hundsstern brennt und strahlt.
489
Wo eiß das feld beharscht/ und wo der Taurus wütet/
490
Ward alles/ was da lebt/ mit pfeilen überschüttet/
491
Die unsre Cyprie von ihrem bogen schoß/
492
Und durch den lichten blitz in ihre hertzen goß.
493
Die see der liebes-brunst/ der brunn der süssen flammen/
494
Der strohm der süßigkeit/ das blut der lebens-ammen
495
Der menschen ward voll glut/ die seele voller pein/
496
Die sinnen voller angst. Mensch/ und verliebet seyn/
497
War eines. Die vernunfft vermochte nicht zu schliessen/
498
Aus was vor einem qvell die liebe müsse fliessen.
499
So hatte sie dazu kein mittel vor der hand/
500
Damit sie dieser pest die krancke seel' entband.
501
Die menschen marterten sich mit so bittren wunden/
502
Viel suchten/ was sie flohn/ und flohen/ was sie funden.
503
Viel wünschten ihnen selbst die kranckheit auff den halß/
504
Und liebten dieses gifft auff erden über alls.
505
Viel waren kranck und frisch/ und träumten/ wenn sie wachten.
506
Viel waren lebend tod/ und weinten/ wenn sie lachten.
507
Viel wünschten tag und nacht/ und wusten doch nicht was:
508
Der schmertz hielt an als stahl/ die hoffnung brach wie glaß.
509
Hier fiel die scepter-hand in hertzausnagend schrecken.
510
Der ließ den purpur fahrn/ und lieff in öde hecken/
511
Der warff den harnisch weg/ und kroch in weiber-rock/
512
Es spielte der vor schwerd mit einer schönen tock.
513
Hier lieff ein fürsten-kind und hütete der schaafe;
514
Dort ward verstand und witz zu thorheit/ zorn und schlaafe.
515
Bald ward ein junges blut wie jener alte matt/
516
Der schon den einen fuß in Charons kahne hatt.
517
Bald stund ein junger mensch wie bäume sonder säffte;
518
Bald kriegt ein alter kreiß der jugend farb und kräffte/
519
Die schönheit selber ward durch dieses ding verstellt/
520
So kläglich gieng es her auff der bestürtzten welt/
521
Als sich kein artzt nicht fand. Viel meynten in gepüschen
522
Und stiller einsamkeit der kranckheit zu entwischen.
523
Viel schlugen heerd und hoff in wilden klippen auff/
524
Viel auff der wüsten see. Umsonst! geh/ fleuch und lauff/
525
Fleuch hin wo Amphitrit in eiß ist angestrenget/
526
Wo Hyperions rad die reiffe saat absenget.
527
Fleuch hin/ wo Delius aus Thetis schooß auffsteht/
528
Und von der sternen-burg zu golde wieder geht.
529
Vergebens! dieser feind folgt mit geschwindem rennen
530
Dir auff der fersen nach. Du giebst nur zu erkennen
531
Die faule sucht/ die dich ausädert/ reitzt und neckt/
532
Weil ihr vergiffter pfeil dir in der seite steckt.
533
Viel dachten diese pest mit bittern trüben thränen/
534
Viel mit entäuserung der speisen zu entwehnen;
535
Und als kein kraut nicht halff/ so suchten sie den tod
536
Durch messer/ strang und schwerd/ den jammerport der noth/
537
Den sarg gewünschter pein. Man hieß das übel: lieben;
538
Und ward bey menschen nicht diß wesen nur getrieben/
539
Es fraß diß süsse weh mehr/ als ein nagend wurm/
540
Ja als der krebs um sich. Denn dieser donner-sturm
541
Der liebes-pfeile traff den Jupiter nicht minder/
542
Als Berecynthien und ihre götter-kinder.
543
Ja auch das stumme vieh/ das wild/ das gleich der pfeil
544
Dianens sonst nicht traff/ empfand den liebes-keil:
545
Was durch die lufft/ durch meer und ströhme pflegt zu schwimmen/
546
Fieng voll von liebes-glut und hertzens-loh zu glimmen;
547
Die qvelle brannten selbst/ die flüsse wurden heiß/
548
Und diß/ was sonsten gleich den brand zu leschen weiß.
549
Denn als die Cyprie den thier-kreyß rings ummessen/
550
Sprach sie/ wir müssen auch der mutter nicht vergessen/
551
Und ihrer Najaden. Damit so senckte sie
552
Den wagen auff die see/ so durch kein holtz noch nie
553
Des Tiphys war bepflügt/ den Colchos so gepriesen;
554
Des Zephyrs säusseln trieb durch die gesaltznen wiesen
555
Diß neue muschel-schiff. Cupido ließ voran
556
Die schwanen schwimmen fort. Er selbst war steuermann/
557
Sein göldner bogen war der ancker/ seine pfeile
558
Die ruder/ seine sehn' und stricke waren seile.
559
Zum segel brauchete die schürtze dieses kind/
560
Und mit der flatterung der flügel macht es wind.
561
Sie aber Cyprie/ die mutter aller zierden/
562
Die schönheits-göttin schwang die fackel der begierden
563
Und schüttete den blitz/ den schwefel ihrer lust/
564
Die flammen ihrer brunst in Nereus kalte brust/
565
Und in sein schuppen-vieh die lichten liebes-funcken/
566
Als strahlen ihrer huld. Die gantze welt lag truncken
567
In liebe; hertz und schmertz war eines. Kein Galen
568
Vermochte selber nicht der seuche zu entgehn.
569
Als nun die gantze welt in liebe lag gefangen/
570
Zog Acidalie mit grossem sieges-prangen
571
Den sternen wieder zu/ und trat den lichten blitz
572
Dem vater wieder ab. Der gleichfalls einen ritz
573
In seine brust empfieng. Hier/ sprach sie/ sind die keile/
574
Du grosser götter-printz/ die du mir eine weile
575
Zu brauchen hast vergönnt. Ich habe nun bereit
576
Mein göttlich amt verricht. Der dinge brunn/ die zeit/
577
Wird von sich selbst hinfort schon meine flamme sämen.
578
Wie aber werd' ich mich hingegen dir beqvemen?
579
Den zweck hab ich erlangt/ wenn/ sagte sie/ und fiel
580
Ihm zitternd um den hals/ wenn dir gefallen will/
581
Daß ich dein liebstes kind/ die dir mit nichts kan dancken/
582
Dich einmahl küssen darff. Diß hieß der kindheit schrancken
583
Zum andernmahl verletzt. Dieweil noch dazumahl
584
Ein unerhörtes ding in dem smaragden saal
585
Das süsse küssen war. Er ward so sehr entzücket/
586
Als sie die lippen ihm auff seinen mund gedrücket/
587
Daß er diß neue ding für ein verzuckert gifft/
588
Und ein bezaubern hielt. Und recht/ sein wesen trifft
589
Mit der beschreibung ein. Wer weiß nicht/ daß durch küssen
590
Die liebes-flammen selbst in hertz und nieren fliessen?
591
Wer weiß nicht/ daß ein kuß mehr als ein feuer sey/
592
Das iedem gliede fügt absondre regung bey?
593
Ein kuß ist honig-safft/ die saugenden rubinen
594
Der purpur-lippen sind die rosen/ und die bienen/
595
Ein balsam/ der den mund begeistert und erfrischt/
596
Daß seele/ blut und hertz sich in einander mischt.
597
Das küssen ist ein thau/ den dürstenden gewächsen
598
Sind warme münde gleich/ die stets nach küssen lechsen/
599
Und für begierde glühn. Nun dieses süsse thun
600
Des küssens ließ/ wie vor/ den himmel nicht mehr ruhn:
601
Denn Jupiter nahm wahr/ daß er für seine wunden
602
Durch diesen labsals-kuß ein pflaster hatte funden.
603
Auch Juno hatt es schon der Venus abgelernt
604
Mit samt der Hecate. So weit der himmel sternt/
605
Sah man nunmehro nichts als mund und hände drücken
606
Die allerleichtste kunst/ in die sich auch zu schicken
607
Der schwan und taube weiß/ die in dem stern-gemach
608
Der Venus warten auff/ und die nicht längst hernach
609
In diesen übungen die menschen unterwiesen/
610
[die heilgen tauben synd bis Itzo noch gepriesen]
611
Daß Venus uns durch sie die süsse kuß-artzney
612
Von anfang hat gelehrt; denn als/ ihr lieben zwey/
613
Du Venus und dein sohn/ euch auff den güldnen wagen
614
Die bunten tauben liest auff dein geburts-fest tragen/
615
So schnäbelten sie sich/ so artlich/ als sie vor
616
Von ihrer frau gesehn/ weil sie es Cypripor
617
Absonderlich gelehrt. Diß neue kurtzweil-treiben
618
Nahm stracks ein schäfer wahr/ der sich selbst zu entleiben
619
Für lauter liebes-angst bereits entschlossen war.
620
Wie kommts? dacht er bey sich/ daß dieses tauben-paar
621
Itzt/ da doch mensch und vieh für hertzens-kummer rächeln
622
Und schier zu grabe gehn/ so mit einander lächeln/
623
Und also freundlich sind? Diß/ wo ichs rathen kan/
624
Bedeutet etwas guts; itzt/ deucht mich/ fängt sich an
625
Die längst-gewünschte zeit/ die aus dem dreyfuß-sitze
626
Der Phöbus wahr gesagt: itzt wird sich brand und hitze
627
In lauen west verkehrn. Hinfort wird lieben lust/
628
Ihr wermuth zucker-safft/ und die bethränte brust
629
Ein quell der freuden seyn. Hiermit schloß er die armen
630
Um seine Dorilis/ die gleichfalls mit erbarmen
631
Gepeinigt war zu sehn. Und als er seinen mund
632
Auff ihren angedruckt/ ward er und sie gesund.
633
O Nectar-süsses kraut! O liebe wundersalben!
634
Du Venus waffne dich nur immer meinet-halben/
635
Hier ist ein flammend kuß/ der deine flammen lescht/
636
Ein hauch/ der alsobald ein thränend leid abwäscht.
637
Der götter heroldin/ die Fama/ stieg zu wagen/
638
Diß anmuths-reiche ding der erden anzutragen/
639
Ihr/ die ihr fühlt/ sprach sie/ die bittre liebes-pein/
640
Schließt nun die thränen-bach in euren augen ein.
641
Der/ so euch wunden schlägt/ verbindet auch die wunden/
642
Der kranckheit artzeney wird auch ihr quell gefunden/
643
Eur übel zeuget euch der wolfahrt überfluß/
644
Die narbe rinnt voll lust/ das pflaster ist ein kuß.
645
Bey solcher botschafft ward die liebe fast zum himmel/
646
Das erste klag-geschrey zu einem lust-getümmel.
647
Und ob die seuche zwar zuvor war sehr gemein/
648
Fieng doch ihr gegengifft gemeiner an zu seyn.
649
Die grüne Dryaden und andre halb-göttinnen/
650
So augenblicklich sie derselben wurden innen/
651
Verhehlten nicht/ wie vor/ ihr schmertzlich brennend weh
652
Der schönen Paphie. Die Nymphen-heilge see
653
Entbrannte voller glut: die felder stunden trächtig/
654
Und dieser süsse zug war endlich alles mächtig
655
Auff erden anzuziehn. Die panther wurden zahm/
656
Wenn ihres gleichen nur für ihr gesichte kam.
657
Die schlangen sahe man sich in der sonne paaren/
658
Die grüne natter ließ ihr gifftig eyter fahren/
659
Verletzt durch liebes-gifft. Der wolff/ der bär empfand
660
Die marter dieser lust/ und ihren seelen-brand.
661
Dort gatteten sich fisch/ hier schnäbelten sich tauben;
662
Die krummen ulmen selbst umhalßten sich mit trauben.
663
Ja was in feld und pusch und flüssen stille lag/
664
Ward rege durch diß werck. Der tag/ der schöne tag/
665
An welchem dazumahl auff dem demantnen wagen
666
Die schwanen dich zu uns aus Junons burg getragen/
667
An dem du deine macht/ und daß du göttin seyst/
668
Der liebe stiffterin/ ausdrücklich hast erweist/
669
Soll dreymahl heilig seyn. Weil opffer werden brennen/
670
Wird man mit höchster lust das edle Paphos nennen/
671
Das Paphos/ das zu erst mit deiner erden-fahrt/
672
Mit deiner schönheit blick und gunst beseligt ward.
673
Das haupt war dir geziert mit einer perlen-krone/
674
Die der Diespiter auff seinem gottheits-throne
675
Dir selbst hatt' auffgesetzt. Der haare band war loß/
676
Die armen auffgestreifft/ die brüste lagen bloß/
677
Den engen leib umfieng ein gantz smaragdner gürtel/
678
Den das verhängniß band/ das von der Clotho würtel
679
Gedrehte garn beschloß; inwendig aber war
680
List/ liebe/ zauberey/ betrug/ pein und gefahr/
681
Und lieblichkeit versteckt/ die hertz und sinnen stürtzet:
682
Der purpur-mantel war dir etwas auffgeschürtzet/
683
Biß an das rechte knie/ die goldgestickten schuh
684
Band von dem Jupiter ein braunes haar-band zu.
685
An gürtel war geknüpfft ein köcher voller pfeile/
686
Die schärffer sind als blitz/ hart wie die donner-keile.
687
Von deiner achsel hieng ein güldner bogen ab/
688
Ein schöpffer vieler angst und mancher freuden grab.
689
Diß war dein auffzug da/ als du auff erden kamest/
690
Und von den sterblichen die huldigung annahmest.
691
Als aller hertzen schon dein heilig gunst-altar/
692
Und ihrer augen licht dein schönheits-spiegel war;
693
Die schönheit/ die in dir den ursprung hat genommen/
694
Und auch alsbald in dir zum höchsten gipffel kommen.
695
Die du in dir allein/ wenn du die welt verbannst/
696
Den mensch zu nichte machst/ noch völlig finden kanst.
697
Der Pallas milchern halß/ des Phöbus augen-lieder/
698
Matutens braunes haar/ der Juno marmel-glieder/
699
Der weissen Delie vergüldtes stern-gezelt/
700
Der Thetis silbern fuß/ der Flora blumen-feld/
701
Der Phöbe glatter leib/ die zweige von corallen/
702
Die lippen Helenens/ und ihrer brüste ballen/
703
Der fruchtbar'n Danae bekandte freundligkeit/
704
Der Svada zucker-mund/ sind deinen gaben weit
705
Noch nicht/ wie mondenschein der sonne/ zu vergleichen/
706
Für deiner schönheit muß die schönheit selbst verbleichen;
707
Und diß ist sonnen-klar. Seit nunmehr beygelegt
708
Der zanck/ den Eris schon beym Peleus hat erregt/
709
Und Hecubens ihr sohn/ den selbst auff Idens wiesen
710
Du/ Juno/ Pallas euch zum richter habt erkiesen/
711
Geurtheilt/ daß der preiß des güldnen apffels dir/
712
Als schönsten in der welt/ und keiner sonst gebühr.
713
Und billig kont er auch kein ander urtheil sprechen/
714
Wiewohl die Pallas ihn mit weißheit zu bestechen/
715
Die Juno mit gewalt und reichthum hat versucht/
716
Umsonst. Wie sehr ihn neid und ehrsucht hat verflucht;
717
Das urtheil blieb beliebt/ die soll die schönste leben/
718
Der Paris diesen preiß wird zum geschencke geben.
719
Nun hätt' er ja in nichts nicht weißlicher gethan/
720
Als was der ausgang weist. Ich lache derer wahn/
721
Die ihn/ ich weiß nicht wie/ mit was für worten schmähen/
722
Daß er nicht gold/ noch macht/ noch weißheit angesehen.
723
Schau/ alberner verstand! Hat sie ihn nicht begabt
724
Mit dem/ was Troja nicht/ nicht Phrygien gehabt?
725
Was Sparta groß gemacht/ mit Helena/ dem wunder/
726
Um derentwegen bloß hernach des krieges zunder
727
Die burg des Assaracs/ das alte königs-hauß/
728
Des grossen Iliums/ in abgebrannten grauß
729
Und asche hat verkehrt? Was kont er doch nicht schauen
730
An seiner Tyndaris/ der fürstin aller frauen?
731
Gewißlich stimm' ich hier auch Paris meynung bey:
732
Daß eine schöne frau ein halber himmel sey.
733
Was ist uns denn gedient mit Gangens perlen-sande/
734
Mit Tagus güldnem schaum und mit dem hohen stande?
735
Man schleust den freyen sinn zu steter hertzens-pein/
736
Zu armer seelen-qval in reiche kisten ein.
737
Kein gold kan uns alsbald ein schönes weib erwerben/
738
Die schönheit aber geld. Der adel/ den wir erben/
739
Sucht endlich diesen zweck/ und übertritt sein ziel/
740
Wen er offt fürs geschlecht unedle schönheit will.
741
Den purpur wirfft man weg. Denn liebe darff die seide/
742
Indem sie nackend ist/ zu keinem hoffarts-kleide.
743
So bald ein könig liebt/ wird seines scepters gold
744
Ein höltzern hirten-stab. Die unverfälschte hold
745
Weiß von dem hochmuth nicht/ die gunst von keinem prahlen;
746
Der krone kostbar ertz zerschmiltzet für den strahlen
747
Der heissen seelen-brunst/ die klugheit und die macht
748
Wird von der liebe nur bethört und ausgelacht.
749
Wir/ wenn wir von kind auff bey Pallas fahn vergrauen/
750
Und auff der weißheit grund nicht schlechte thürme bauen/
751
So haben wir auff nichts/ als dessen zweck/ gezielt/
752
Und wird das gantze thun auff sonsten nichts gespielt/
753
Als auff ein schönes weib. Diß sind der liebe wercke/
754
Diß ist der weißheit danck/ diß ist der schönheit stärcke/
755
Des feuers/ welches eiß wie schwefel zündet an/
756
Der kette/ die den sinn als demant fässeln kan/
757
Der sonne/ deren strahl durch alle glieder blitzet/
758
Des pfeiles/ welcher auch ein steinern hertz zerritzet/
759
Der blume/ die die tulp' und rose blasser macht.
760
Der süssen zauberey/ die durch die seele kracht;
761
Der perle/ nach der sich die Gottheit selbst umsiehet/
762
Der wurtzel/ wo heraus die liebes-pflantze blühet/
763
Die in den augen käumt/ im athem sich bewegt/
764
In der geschwellten schooß die süssen früchte trägt;
765
Die ihre liebes-saat auff warmen brüsten sämet/
766
Die Scythen menschlich macht/ die wilden löwen zähmet/
767
Die mord-lust sänfftiget/ und heissen blut-durst lescht/
768
Die der erzürnten rach an ihren grimm abwäscht;
769
Die schwartze mitternacht/ als lichten tag/ erhellet/
770
Die kiesel schmeltzt wie wachs/ die stahl wie glaß zerschellet;
771
Die städte baut und bricht/ die kronen trägt und schlägt/
772
Und gantzer länder brand durch einen blick erregt.
773
Kan diß die schönheit thun? was würde sie erst stifften/
774
Die schönheits-königin? entspringt aus erden-grüfften
775
Dergleichen artlich ding; was wird im himmel blühn/
776
Wenn die vollkommenheit wird bey der schönheit glühn?
777
Brennt eiß und schnee so sehr/ wie würde schwefel brennen/
778
Wo sie der sterblichkeit der menschen zu erkennen
779
Verliehe noch einmahl ihr sternend angesicht?
780
Man solte sich so leicht an Gorgons kopffe nicht
781
Zu einem steine seh'n/ als sie mit ihren blicken
782
Uns würde/ wunders-voll/ und gantz erstaunt verzücken.
783
Wiewohl sie nicht so stoltz und schädlich/ wie ich meyn'/
784
Als die Diana dort/ im bade würde seyn/
785
Die des Actäons kopff (wiewohl sie es beschönte
786
Mit des gestrafften schuld) mit hirschgeweyhen krönte/
787
Daß kein geheimniß nicht von ihr würd' offenbahrt/
788
Weil er vielleicht an ihr der mängel innen ward.
789
Nein Venus dürffte sich wohl nackend lassen sehen/
790
Weil Momus schon vorlängst an ihr nichts können schmähen/
791
Als die gehörnten schuh. Wiewohl sein gifftig aug
792
Oft auch die schönheit schmäht/ und ihm fast nichts nicht taug.
793
Man kan aus diesem nur der schönheit ausbund schliessen/
794
Daß/ als Apelles dich so künstlich abgerissen/
795
Den sterblichen gebrach so kluge meister-hand/
796
Die sich/ sein halbes werck zu enden/ unterstand.
797
Die Juno überwieß ihr eigenes gewissen/
798
Daß sie selbst endlich hat mit theurem eyde müssen
799
Beym Styx es reden aus/ daß unsre Venus ihr
800
An schönheit/ an gestalt/ an anmuth gehe für;
801
Ja allen in der welt. Wo nun die schönheits-strahlen
802
So übergöttlich dich mit feuchten farben mahlen/
803
Daß du der schönheit stern/ der sternen schönheit bist/
804
Wer weiß/ was noch in dir und deiner schönheit ist
805
Für innerlicher preiß? schön seyn ist eine gabe/
806
Die die natur uns schenckt/ daß man ein vorrecht habe
807
Für andern in der welt. Es ist der sinnen frau/
808
Der geister geist und herr. Der äuserliche bau
809
Der glieder/ und der glantz des röthenden geblütes
810
Giebt zeugniß von der glut und tugend des gemüthes/
811
Die in dem hertzen brennt. So wenig als ein kreyß
812
Ist ohne mittel-punct/ so wenig schnee und eiß
813
Kan ohne kälte seyn/ die sonne sonder leuchten/
814
Der himmel ohne stern/ der regen ohne feuchten.
815
Das feuer ohne brand/ der mittag ohne licht/
816
So wenig kan ein schön und wolgestalt gesicht
817
Auch ohne tugend blüh'n. Denn wer hat iemahls pflegen
818
In schalen aus smaragd geringen koth zu legen?
819
Man schleust die perl in gold/ den bisam in damast/
820
Den amber in saphyr. Kein marmelner pallast
821
Hegt einen Corydon. Kein Printz pflegt zu bewohnen
822
Ein rauchicht hirten-hauß. Man setzet gold und kronen
823
Den eulen selten auff. Wie solte die natur/
824
Die kluge mutter/ denn so unrecht ihre schnur
825
An göttern messen aus? die hurtigen gelencke
826
Der glieder artlichkeit sind der gemüths-geschencke
827
Bedeutungen an ihr. Hingegen spürt man bald
828
Des hertzens niedrigkeit aus heßlicher gestalt.
829
Zudem so ist sie auch nicht nur für sich alleine
830
Die göttin so sehr schön. Kein mensch ist der verneine/
831
Du qvell der freundlichkeit/ daß du der wollust hauß/
832
Der brunn der schönheit bist. Du theilest beydes aus.
833
Die stoltze Juno muß von deiner hand empfangen
834
Die perlen auff die brust/ die rosen auff die wangen/
835
Den purpur auff den mund. Du must den hals beziehn
836
Mit schnee/ das haar mit gold/ die lippen mit rubin/
837
Die schooß mit helffenbein. Noch mehrers: du kanst stifften/
838
Daß frische schönheit wächst aus hartem stein und grüfften/
839
Daß ein Thersites offt und hinckender Vulcan/
840
Ein schön Achilles wird. Wer dencket nicht daran/
841
Der iemahls deine gunst und huld hat wahrgenommen/
842
Von wannen Phaon hat die schönheit her bekommen/
843
Der alle sterblichen/ ja götter selber fast
844
An schönheit übertraff. Wer weiß nicht/ daß du hast
845
In alabaster ihm ein balsam-oel verehret
846
An statt des schiffer-lohns/ mit salben ihn gelehret
847
Die haut zu streichen an/ davon sein gantzer leib
848
Zu lauter schönheit ward. In Lesbos wohnt kein weib/
849
Das nicht durch Phaons zier und anmuth angezündet/
850
In ihren augen lust/ im hertzen pein empfindet;
851
Und Sappho bevoraus wird rasende für brunst/
852
Daß sie sich selbst nicht kennt. Zwar manche lernt die kunst
853
Der schminck und mahlerey. Es borgt das frauenzimmer
854
Zu lieblicher gestalt noch itzo glantz und schimmer:
855
Die haare bisamt staub/ den athem zimmet ein/
856
Und blum und purpur muß der wangen farbe seyn.
857
Geklärter morgen-thau den glantz der haut erheben/
858
Die Venus aber kan noch mehr als schönheit geben/
859
Den kalten geußt sie glut/ den frischen pflantzt sie pein/
860
Den krancken rege lust/ den todten seelen ein.
861
Sie kan selbst der natur gestellte richtschnur meistern/
862
Ein unbeseeltes hertz/ ein marmel-bild begeistern.
863
Hier ist Pygmalion/ der ihr es zeugniß giebt/
864
Der in sein eigen werck sich einmahl so verliebt/
865
Daß er durch tumme brunst gezwungen ward zu wüten/
866
Durch wahnwitz angefrischt die Gnidie zu bitten
867
Um so ein schönes weib/ als sein geschnitztes bild/
868
Sein augen-abgott war; der wunsch ward ihm erfüllt/
869
Der marmel ward beseelt durch Erycinens güte/
870
Der adern türckis ward erfüllet mit geblüte/
871
Es röthete sich an der wangen helffenbein/
872
Der glieder eiß ward glut/ und kurtz: der todte stein
873
Ward ein vernünfftig mensch/ der kinder hat gezeuget/
874
Die mit der mutter-milch des Paphus mund gesäuget.
875
Lernt nun ihr sterblichen/ und stimmt mir ieder bey/
876
Daß unsre Paphie der brunn der schönheit sey/
877
Die wurtzel süsser lust/ der stamm der meisten gaben/
878
Der qvell der regungen/ die feuer in sich haben/
879
Das meer/ aus welchem rinnt der sanfftmuth milder safft/
880
Der wahre lebens-qvell/ der klugen wissenschafft.
881
Das volck/ das die natur halb mann/ halb weib ließ werden/
882
Wo stets der Sirius den nackten kreyß der erden
883
Mit heissem durste plagt; das volck hat die geburt
884
Des künfftigen gelücks nicht aus Orions gurt/
885
Den offtmahls wolck und dunst und mißgeburten kleiden/
886
Nicht aus der geister grufft/ nicht aus den eingeweiden/
887
Nein! nur durch einen ast aus deinem unterricht
888
Verkündigen gelernt/ was Amalthea nicht
889
Durch des Apollo geist aus der Cremoner hecken/
890
Ja selbst kaum Jupiter hat wissen zu entdecken/
891
Als bey Dodona noch ein eichbaum zum altar
892
Erkiest stund/ und sein geist durch tauben sagte wahr;
893
Auch sonst ein Calchas mehr. Wiewohl es heute zwar
894
Wolln viel in zweiffel ziehn; Allein ihr wahn verschwindet/
895
Wenn sich der glaube selbst uns in die hände findet.
896
Trifft man auff diesen tag wol einen buhler an/
897
Der nicht sein künfftig glück zur noth errathen kan?
898
Er kan aus dem gesicht/ aus den verliebten sternen
899
Der braunen Flavia den künfftgen zustand lernen/
900
Wenn itzt ihr strahlend blitz an ihren himmel steigt/
901
Und als der nord-stern ihm die fremden fahrten zeigt.
902
Wenn itzt an Dorilen die wangen-rosen lachen/
903
So weiß Damätas ihm die rechnung schon zu machen/
904
Daß in dem myrthen-pusch um die bestimmte zeit
905
Sie seiner warten will. Gehts aber an das leid/
906
Und daß die mutter will/ sie soll zu hause bleiben/
907
So weiß sies an die stirn unsichtbarlich zu schreiben/
908
Es sey ein hinderniß bey ihr gefallen ein/
909
Sie woll ein andermahl zu seinen diensten seyn.
910
Rosellens purpur-mund/ auff dem er offt erwarmet/
911
Wenn er denn nackten schnee der warmen brust umarmet/
912
Ist ihm ein sonnen-rad/ nach dem er sein gesicht
913
Als ein beseeltes bild der sonnen-wende/ richt/
914
An der er muß für brunst/ als die versengte saaten
915
Des dürren Libyens/ an steten flammen braten;
916
Wenn die corallen-pracht den seuffzer-balsam schwitzt/
917
Und in der hertzen eiß verliebtes feuer spritzt.
918
O heilge Cyprie! wenn hier der himmel gönnte/
919
Daß man das grosse buch der welt durchblättern könte/
920
Denn würd iedwedes blat für sinn und augen stelln/
921
Der menschen lust und witz sey deinen wohlthats-qvelln
922
Allein zu eignen zu. Das süsse spiel der saiten/
923
Die sorgen-tödterin/ der sporn der fröligkeiten/
924
Die linde zauberey/ die einen hurtig macht/
925
Der faul und schläffrig ist/ die einen/ welcher wacht/
926
In tieffen schlaff versenckt/ die thränen kan zum lachen/
927
Die traurigkeit zur lust/ den schmertz zum schertze machen/
928
Den zorn in sanfftmuth kehrn/ die flucht in tapfferkeit/
929
Die kranckheit in gedult/ die lange lange zeit
930
In einen augenblick; die herrscherin der sinnen/
931
Die sterbende beseelt/ das wilde mißbeginnen
932
Der grimmen tyger zähmt/ dem panther hertz und muth/
933
Das gifft den schlangen nimmt/ die seele/ marck und blut
934
Mit flammen stecket an/ den monden und die flüsse
935
Kan heissen stille stehn/ den tieffen eichen füsse/
936
Den felsen ohren giebt/ des abgrunds trauer-geist
937
Aus dem gemüthe jagt/ und einen rückweg weist
938
Ans tage-licht der welt aus der beschwärtzten höllen;
939
Die edle freuden-kunst/ die wetter/ wind und wellen
940
Durch sanfften hall beherrscht; der harffen heller klang/
941
Der lauten künstlich spiel/ der flöten kunstgesang/
942
Sind deiner sinnen werck/ und deine lust-geschencke;
943
Apollo muß es selbst/ der meister kluger räncke/
944
Der liebe zugestehn: er habe zwar gemacht
945
Die leyer/ aber sie sey vor von ihr erdacht.
946
Pan/ den die pfeiffe so bey hirten macht gepriesen/
947
Ward von der liebes-brunst zum ersten unterwiesen/
948
Wie ein gehöhtes schilff zu einer feld-schalmey/
949
Ein ausgedorrtes holtz zur flöte dienlich sey.
950
Der harffen erster brauch ist Cypripors erfinden:
951
Denn als er einmahl nahm in Lemnos düstren gründen
952
Der hammer dreyschlag wahr/ wie durch den hellen fall
953
Der ambos von sich gab dreyfachen wiederschall/
954
Bezog er flüchtig noch den bogen mit zwey sehnen/
955
Und als er eine nach der andern auszudehnen
956
Fieng mit den fingern an/ gebahr der unterschied
957
Der dreyen saiten ihm ein neues schäffer-lied.
958
Cupido schwung alsbald für freuden seine flügel
959
Der mutter zimmer zu/ die vor dem güldnen spiegel
960
Ihr gleich mit helffenbein zurichtete das haar/
961
Das durch den west-wind ihr verwirret worden war.
962
Für freuden wust er fast kein wort nicht fürzubringen/
963
Das lachen war sein gruß/ der eintritt tantz und springen/
964
Sein gantzes reden war sein neues saiten-spiel;
965
Die göttin (der diß werck nicht minder wohlgefiel/
966
Als der so schlaue witz/ der noch blut-jungen jahre)
967
Laß auff dem estrich stracks der ausgestreuten haare
968
Verstreutes silber auff/ und spannte solches aus
969
Auff ihres muschel-schiffs beperltes schnecken-haus.
970
Darauff fieng sie so schön und lieblich an zu schlagen/
971
Daß Jupiter sein schloß/ der Phöbus seinen wagen/
972
Diespiters gemahl und schwester ihren stuhl/
973
Neptun sein gläsern reich/ der Pluto seinen pfuhl/
974
Der Mars sein zeughaus ließ/ und in die sternen-bogen
975
Der dritten himmels-burg/ zu hören/ kam gezogen
976
Der laute neuen thon/ ihr anmuth-reiches spiel;
977
Das der gesammten schaar so hertzlich wohl gefiel:
978
Daß selbst auch Jupiter/ der himmel und die sternen
979
Sich müh'ten ihr die kunst im spielen abzulernen.
980
Die lufft und echo nahm den süssen wiederschall
981
Am allerbesten wahr: Von der die nachtigall/
982
Die wald-Terpsichore/ der wiesen lust-Sirene/
983
So meisterlich begriff ihr lustiges gethöne/
984
Daß der Silvanus selbst sein wald-horn/ und der Pan
985
Die flöte war bemüht nach ihr zu stimmen an.
986
Ja biß auff diese zeit wird/ was in klüfften stecket/
987
Was wald und dach beschleußt/ zur liebes-brunst erwecket/
988
Durch ihr verliebtes lied. Trifft nun nicht artlich ein/
989
Daß saiten und gesang der Venus töchter seyn?
990
Nun saiten und gesang die liebe selbst gebähren/
991
Die saiten/ die als oel die liebes-ampel nähren/
992
Die als ein blasebalg der liebe wunder-glut
993
Im hertzen fachen auff/ und das erfrorne blut
994
Mit wärme füllen an. Wißt auch/ die weißheits-träume
995
Sind nicht die mißgeburt der grünen lorbeer-bäume;
996
Es hat kein pferde-brunn/ kein hippocrenen-safft/
997
Kein sterbender gesang der schwanen/ eine krafft
998
Zu flössen in das haupt die ader und die gabe
999
Der edlen poesie; daß aber lieben habe
1000
Das lieder-dichten uns am ersten unterricht/
1001
Darff besseren beweiß/ als die erfahrung/ nicht.
1002
Legt der poeten sinn zusammen auff die wage/
1003
Nicht einer ist/ der nicht zum lieben liebe trage:
1004
Dem Naso pflantzt die brunst die kunst des dichtens ein/
1005
Wie soll die poesie denn nicht die tochter seyn?
1006
Soll ich den ursprung denn auch ihrer schwester weisen/
1007
Der mahlerey; die offt anmuthiger zu speisen
1008
Die lassen augen weiß/ als kühler thau das graß/
1009
Als süsse kost den leib? Der brunnen spiegel-glas
1010
Des lichten schattens hat den grund-riß zwar geleget/
1011
Ein buhler aber hat den pinsel erst beweget/
1012
Der zum gedächtniß ihr/ als er die liebste ließ/
1013
Nach seinem schatten sich an eine wand abriß/
1014
Biß Venus selbst gelehrt fast alles/ aussers leben/
1015
Durch farben mischungen dem stummen marmel geben/
1016
Daß itzo solche kunst/ als äffin der natur/
1017
Die würckung des verstands/ die gantze sinnen-uhr/
1018
Das alter/ die gestalt/ die hitze des geblütes/
1019
Den ernst/ die frömmigkeit/ die gaben des gemüthes/
1020
Ja alles/ was man nur den menschen schauet an/
1021
Auff stahl/ auff pergamen/ auff marmel bilden kan.
1022
Nur deiner himmels-gunst beliebte sonnen-strahlen/
1023
Kan kein Praxiteles/ noch kein Apelles mahlen.
1024
Thimantes mag mir auch nur seinen mantel leihn/
1025
Daß ich/ o göttin/ kan in solchen hüllen ein
1026
Dein unbeschreiblich lob der güte/ die für jahren/
1027
Für tausend erndten schon die vor-welt hat erfahren/
1028
Die vor-welt/ welche schon/ o brunn der freundlichkeit!
1029
O wohlthats-stiffterin! zu des Saturnus zeit
1030
Aus deinen würckungen und deiner hold hat müssen
1031
Durch schlüsse der natur die gottheits-würde schliessen.
1032
Laß Cypern zeuge seyn/ und Gnidus heiligthum/
1033
Die tempel Amathus/ wie hoch dein ewig ruhm
1034
Dir auff altären wuchs. Wo Memnons mutter-strahlen
1035
Begunten dieses rund der erden zu bemahlen/
1036
Ward allenthalben dir (viewohl aus schuldes-pflicht)
1037
Zu deinem gottes-dienst ein tempel auffgericht.
1038
Die Pythie selbst hieß mit grünend-frischen myrthen
1039
Und rosen-dörnern dir die opffer-tisch' umgürten/
1040
So offt dein tag anbrach; die erste gabe war/
1041
Die du dir wiedmen liest/ ein weisses tauben-paar/
1042
Weil ihre reinigkeit/ und girrend-lautes lachen
1043
Dir sonderlich gefiel. Weil Delius wird wachen/
1044
Bleibt Idalus der ruhm/ und des Antenors stadt/
1045
Daß man manch tausend paar dir da geschlachtet hat.
1046
Nachdem das waldschwein auch den buhlen dir erbissen/
1047
Hat eines jährlich dir geschlachtet werden müssen/
1048
Weil deiner rache brunst/ und deines eyfers glut
1049
Durch nichts zu leschen war/ als durch des mörders blut.
1050
Gesetzt/ daß itzt/ wie weit der Nil die ufer krümmet/
1051
Der abgespülte sand voll heilger flammen glimmet/
1052
Darauff der Isis gans/ und noch ein kalb dazu
1053
Zum denckmahl braten muß. Laß die geweyhte kuh
1054
Des Jupiters gemahl/ den hund/ den hahn/ den geyer
1055
Dem Mavors heilig seyn/ und auff Lyäus feyer
1056
Zwölff böcke schlachten ab/ so weit die hügel sind
1057
Mit reben überdeckt/ und was man sonst mehr find/
1058
Damit manch volck die gunst der götter will erbitten;
1059
Durch diß wird Paphie dein ruhm dir nicht beschnitten:
1060
Man macht aus allem dem alleine diesen schluß:
1061
Daß man dich desto mehr für ihnen fürchten muß.
1062
So weiß auch Amathus und Paphus und Cythere/
1063
Und Gnidus nicht allein von deiner gottheit ehre/
1064
Wo Cynthius erwacht/ wo er zu golde geht/
1065
Sol kein altar nicht seyn/ wo nicht dein bildniß steht.
1066
Wer weiß von deinem grimm/ und den gerechten straffen/
1067
Von in dem männer-blut gefärbten weiber-waffen
1068
Der insul Lemnos nicht? Man nimmt das blut-bad noch
1069
In warmer sünde wahr; denn als du dich so hoch
1070
Und sehr verletzt befandst/ als die bethörten frauen
1071
Dir wolten kein altar und keinen tempel bauen;
1072
Da brach dein ernster grimm/ und ernster eyffer loß/
1073
Indem du gäntzlich sie aus ihrer männer schooß/
1074
Und aus der eh' verwarffst/ als aus den Thracer-hütten
1075
Von fremden haus und tisch und bette war beschritten/
1076
Biß daß der weiber grimm hat auff bestimmte nacht
1077
Die männer allzumahl erbärmlich umgebracht.
1078
Doch was verschließ ich hier in diesen engen schrancken
1079
Der kleinen unter-welt die feurigen gedancken?
1080
Verwirff/ o heisser geist/ den kaltgesinnten wahn/
1081
Und flügle dich empor auff die gestirnte bahn/
1082
Wohin die göttin dich mit ihren flammen leitet/
1083
Wenn itzt ihr braunes haar den hellen tag andeutet/
1084
Der auch den matten leib mit frischer ruh erneut/
1085
Wenn itzt des Morpheus horn das feuchte schlaff-kraut streut.
1086
Fleuch hin/ vergeisterter/ zu den saphirnen zimmern/
1087
Wo aller götter thron/ und tausend fackeln schimmern/
1088
Schau/ ob du Jupitern zugegen finden wirst/
1089
Den stets nach frauen-fleisch mehr als nach nectar dürst.
1090
Wer weiß/ warum wir itzt Therapne Cyrnus nennen/
1091
Warum itzt bär und schwan bey dem gestirne brennen/
1092
Wer wohl des Hercules und Dardans vater sey/
1093
Und stimmt nicht alsobald der alten meynung bey/
1094
Daß der Diespiter die demant-festen ketten
1095
Der liebe tragen muß? kein fels/ kein schloß/ kein retten/
1096
Kein auffsehn/ Danae/ kein keusch-seyn schützet dich/
1097
Wenn ihn die liebe plagt/ und solt er zehnmahl sich
1098
In fliessend gold verkehrn; Ja/ wenn was stählern wäre/
1099
Er drünge sich hindurch. Die fürstin zweyer meere/
1100
Das mächtige Corinth/ schaut auff den thürnen zu/
1101
Wie freundlich Jupiter/ als kuckuck/ süsse ruh/
1102
Und mit gewünschter pein gewünschte lust empfindet
1103
In seiner schwester schooß. Europens schönheit zündet
1104
Ein feuer in ihm an/ das auch im wasser glimmt/
1105
Wenn er in well und schaum mit ihr nach Gnosos schwimmt.
1106
Er läst sich als ein schwan den schwachen adler jagen/
1107
Aus Ledens schooß die frucht der liebe weg zu tragen;
1108
Daß er Antiopens nach lust geniessen kan/
1109
Nimmt er den ziegenrock und Faunus hörner an.
1110
Warum ward Ganymed auff seines adlers flügeln
1111
An götter-tisch geholt von Idens grünen hügeln?
1112
Diß kind ward nicht umsonst von ihm so hoch-geschätzt/
1113
Und Hebe selbst umb ihn des götter-diensts entsetzt.
1114
Die flammen Semelens/ des Cadmus tochter/ machen/
1115
Daß er zur flamme wird. So kan die liebe krachen/
1116
Diß ist der liebe strahl/ die dem/ der blitz erregt/
1117
Den scepter und den blitz aus seinen händen schlägt.
1118
Diana steigt herab auff die gewölckten lüffte
1119
Zu dem Endymion in Latmus düstre grüffte/
1120
Der ihr der armen schnee um ihre brüste schränckt/
1121
Biß Delius/ weil er für sie die ochsen lenckt/
1122
Sie in der anmuth stöhrt. Neptunus kalte wellen
1123
Wolln fast für solcher glut biß an den monden schwellen/
1124
Bald fällt Amimone/ bald Amphitrit ihm ein.
1125
Ja er will eh' ein pferd und ausser wasser seyn/
1126
Eh' er die Ceres läst. Will Daphne sich erwehren
1127
Für des Apollo brunst und feurigem begehren/
1128
So hilfft ihr vater selbst zu dem beschmertzten ach/
1129
Daß ihr schnee-weisser leib an Ladons silber-bach
1130
Zu lorbeer-ästen wird. Cocytus wellen rasen/
1131
Und woll'n den schwefel-rauch biß an die sterne blasen/
1132
Weil Pluto gantz und gar mit seinem erbtheil nicht
1133
Zufrieden stehen will; Er dräut der brüder licht/
1134
Weil für der liebes-glut die nacht ihn nicht kan schirmen/
1135
Des Sturnus wasser-burg ergrimmter zu bestürmen/
1136
Als Ephialtes thät. Er giebt sich auch nicht eh'
1137
Zu der gewohnten ruh/ als bis Proserpine
1138
Der mutter wird entführt/ und sie sein hochzeit-bette/
1139
Wie auch den stuhl besteigt. Wenn Cynthie sich hätte
1140
Der keuschheit hundertmahl gewiedmet und versagt;
1141
Sie kan dem liebespfeil auff keiner wilden jagt/
1142
In keinem pusch entfliehn; so sehr liegt in den sinnen
1143
Ihr Britomantes ihr; daß Syrinx kan entrinnen
1144
Dem gott Arcadiens/ wird ihr geschlancker leib
1145
Ein unbeseeltes schilff. Kurtz: ein beliebtes weib
1146
Bezwingt den himmel selbst/ den zorn-sturm ernster rache/
1147
Ja die geharnschte welt. Der Diomedes mache
1148
Sich grösser als er ist mit seiner frechen that/
1149
Daß er der Cyprie die hand verwundet hat:
1150
Gesetzt/ es sey was dran! er hat nach wenig jahren
1151
An der Aegiale der göttin rach erfahren/
1152
Die flammen ihres grimms. Er muß sein vaterland
1153
Sehn mit dem rücken an/ ob Troja schon im brand
1154
Und in der asche liegt. Die Juno mag ja wüten/
1155
Und auff ihr Pergamus den heissen zorn ausschütten/
1156
Die Cytheräe baut aus dem verbrannten grauß
1157
Die ewige stadt Rom/ das haupt der welt/ daraus.
1158
Für der die Juno selbst auch nichts hat können retten/
1159
Daß sie nicht ihre stadt hätt in den staub getreten/
1160
Daß itzo saate wächst/ und fette lämmer gehn/
1161
Wo vor Carthago stund. Heist diß im lichte stehn
1162
Dem/ der zur sonne steigt? Wer ferner liebe träget
1163
Zu wissen/ was für krafft der Venus geist erreget/
1164
Der schau den zweykampff an/ und jenen grossen tag/
1165
Als der geharnschte Mars zu ihren füssen lag/
1166
Bezwungen ohne schwerdt. Als sie die donner-keile
1167
Dem götter-fürsten nahm/ dem Cynthius die pfeile/
1168
Die ruthe dem Mercur/ dem Bachus seinen krantz/
1169
Alciden seinen spieß/ der Hecate den glantz/
1170
Die gabel dem Neptun. Ich muß denselben loben/
1171
Der/ göttin/ dich so hoch durch mahl-werck hat erhoben/
1172
Als er dein bild aus gold und helffenbein geetzt/
1173
And auff dein sternend haupt den welt-kreyß hat gesetzt.
1174
Weil rühmlich deine macht durch himmel/ erd und wellen
1175
Biß in den abgrund dringt/ da Pluto mit der höllen/
1176
Ein ander mit der lufft/ Neptunus mit der see
1177
Zufrieden leben muß. Man mahlt der hände schnee
1178
Geziert mit gold und mahn; des apffels gold-ball weiset
1179
Auff deiner schönheit gold: das braune mahn-haupt preiset
1180
Dein wincken/ deine krafft/ die hertzen und verstand/
1181
Und sinnen schläffert ein. Die allmacht deiner hand
1182
Ist ferner sonnen-klar aus diesem nur zu schliessen/
1183
Daß alle götter fast dir dienste leisten müssen.
1184
Die Ceres schenckt dir kost zur nahrung deiner glut/
1185
Der wein-gott trauben-safft und mildes reben-blut/
1186
Das diese/ die verzagt seyn in den liebes-kriegen/
1187
Erfrischt und hertzhafft macht; denn kan ein ieder siegen/
1188
Ob er sich gleich zuvor nie tapffer hat erzeigt/
1189
Wenn ihm der frische trunck in kopff und stirne steigt.
1190
Die erden-mahlerin/ die frühlings-göttin streichet
1191
Das kräuter-reiche feld/ das sich smaragden gleichet/
1192
Mit tausend farben an/ die sich so selig schätzt/
1193
Daß Cyprens göttin sie zur hüterin gesetzt
1194
Ins güldne schlaff-gemach/ weil der verliebten pein
1195
Muß viel verschwiegener/ als sonst ein diebstahl seyn.
1196
Die hold-göttinnen wolln kein lieber amt verwalten/
1197
Als Palepaphien zur freundin zu behalten/
1198
Ihr kniend warten auff. Wie denn der zucker-safft
1199
Des frischen perlen-thaus nicht so beliebte krafft
1200
Den dürstgen kräutern giebt/ als wie wenn die geberden
1201
Mit süsser freundlichkeit durchaus bethauet werden;
1202
Wenn itzt der liebes-blitz/ so aus den augen spielt/
1203
Daß man in seel und hertz die schärffsten pfeile fühlt.
1204
Will Roselinde denn noch worte beygesellen/
1205
Daß aus den lippen ihr die süssen reden qvellen/
1206
Und folget überdiß ein feuchter zucker-kuß/
1207
So ist kein kiesel nicht der sie nicht lieben muß:
1208
Ja eine glut wird ihm in marck und bein gespielet/
1209
Daß er die aschen eh' als vor die flamm gefühlet/
1210
Die hertz und augen frist. Die augen aber sind
1211
Der brunn/ aus dem in ihn der liebes-balsam rinnt.
1212
Die schönheits-sonne speist sein hungriges gesichte/
1213
Der liebsten strahlen sind die nährenden gerichte/
1214
Ihr anblick schärffet ihm sein von der thränen-flut
1215
Umwässert augen-licht/ nichts minder/ als die glut
1216
Des braunen sonnen-rads den adlern es verkläret;
1217
Wenn denn der liebste so kein auge nicht verkehret/
1218
Daß beydes/ als ein stein/ auff ihrer glieder schnee
1219
Nun gantz entseel't erstarr't; so wall't/ als in der see
1220
Ein abgemergelt schiff/ als in den stürmschen lüfften
1221
Ein vogel/ die vernunfft. Das hertze liegt mit klüfften
1222
Des unmuths überhäufft/ und lockt die augen ab
1223
Von seinem jammer-zweck/ weil ihm sein thränen-grab
1224
Scheint ihre schooß zu seyn/ die brüste seine bahre/
1225
Der armen band sein sarg/ und ihre braune haare
1226
Die stricke/ die ihm sinn' und seele fesseln an.
1227
Ja ihn bedünckt/ daß er von ferne schauen kan
1228
Den schiffbruch erster ruh/ wenn ihrer augen sonne
1229
Durch seine seele sticht/ biß daß die anmuths-wonne
1230
Dem hertzen diese gall also verzuckert macht/
1231
Als wär' es nectar-safft/ der zwar den mund anlacht/
1232
Die hertzen aber sterb't/ biß daß die wangens-zierde
1233
Der schläffrigen vernunfft/ den nebel der begierde
1234
Für ihr gesichte zeucht/ daß sie hernach so blind
1235
In ihrem urtheil ist/ als nicht die augen sind.
1236
Hat denn die schönheit so den armen gar bestritten/
1237
So ist sein wunsch der tod/ sein weise-seyn ist wüten/
1238
Die lufft/ sein athem-hol'n/ ist seuffzen/ seine sprach
1239
Ist stumm seyn/ seine lust der unlust ungemach.
1240
Er sieht der sternen lust in ihren holden wincken/
1241
Will/ wünscht/ und muß in sich aus ihren strahlen trincken
1242
Die flamme/ die ihn frist. Ist endlich gantz und gar
1243
Verzaubert gegen sie. Denn decket er ihr zwar
1244
Nicht seinen kummer auff/ verhehlet doch indessen
1245
Denselbigen nicht gantz. Lebt seiner selbst vergessen/
1246
Weil er an sie nur denckt. Kriegt furchtsam in der ruh/
1247
Gönn't und mißgönnt ihm selbst. Kein wind soll nicht hinzu/
1248
Kein west soll sie nicht an- als seine seuffzer wehen.
1249
Kein scheeler stern soll nicht sein liebes lieb ansehen/
1250
Er möchte sonsten auch verlieben sich in sie;
1251
Er acht des himmels nicht/ und meynt die wohlfahrt blüh'
1252
Ihm grüner hier als dort. Er schätzet für sein leben/
1253
Den geist in ihrer schooß mit schmertzen auffzugeben.
1254
Die angst hält er für trost/ ihr abseyn für den tod/
1255
Ihr anblick ist sein tranck/ ihr kuß sein himmel-brod.
1256
Denn/ wenn ihm hitz und angst vernunfft und sinne stopffen/
1257
Prest jene kalten schweiß/ und diese thränen-tropffen
1258
Den krancken augen aus/ biß diese/ die er liebt/
1259
Ihm endlich dieses noch zu seuffzen kräffte giebt:
1260
Ich brenne/ brenn ich? nein! ich hätte diese brände
1261
Mit thränen/ die ich hier vergiesse sonder ende/
1262
Fürlängst schon ausgelescht. Ists marter/ das ich fühl?
1263
Ach! wie kans marter seyn/ was ich stets leiden will.
1264
Ists eine lust? ja wohl! kan eine lust verletzen?
1265
Nein! nein! noch diß/ noch das. So ist diß thun zu schätzen
1266
Für eitle phantasie und thorheit. Nein/ ach nein!
1267
Ich hasse ja mein weh/ wie kan es thorheit seyn?
1268
Ists lieben? Liebe wird sich selber ja nicht hassen.
1269
Ists haß? Haß wird uns wohl nicht so vereinigt lassen.
1270
Ists hitze? freurt mich doch. Ists kälte? mir ist heiß.
1271
Ich weiß nicht/ was ich will/ ich will nicht/ was ich weiß!
1272
Ich bin nach kranckheit kranck/ und will doch nicht erkrancken;
1273
Was ists denn/ das mich kränckt? sinds nichtige gedancken?
1274
Ich denck ja allezeit nicht mehr zu dencken dran?
1275
Ich fühl' es warheit seyn/ und ist doch nur ein wahn.
1276
Lieb' ich aus zwang? wie kan ich mich denn selber zwingen?
1277
Lieb ich freywilliglich/ was muß mich dann so dringen?
1278
Die wunde fühl' ich zwar/ fühl aber keinen pfeil;
1279
Ich bin begarnt/ bestrickt/ allein kein band/ kein seil/
1280
Kein netze schau' ich nicht. Entschlag dich dieser schmertzen/
1281
Mein hertze! thörichter! ich rede zu dem hertzen/
1282
Und hab es eingebüst. Ich leb' in lust und noth.
1283
Leb ich? Ich sterbe ja. Ich sterb und bin nicht tod.
1284
O ursprung meines tods! Mein leben/ Roselinde!
1285
Mein angst-brunn und mein heyl! nimm diese seuffzer-winde
1286
Zum letzten opffer an. Ich liebe! Denn erblast/
1287
Erstummt er und erstirbt/ biß sie des cörpers gast/
1288
Den geist/ durch einen kuß/ durch wenig liebes-blicke
1289
Dem todten wiedergiebt. Heist denn ein widrig glücke
1290
Sie wegziehn/ ach! so zeucht sein hertze/ seel und sinn
1291
Mit ihrer seele weg/ ruht nicht/ wünscht auch nur hin;
1292
Und solte well' und meer ihn von der liebsten scheiden/
1293
So muß er bey ihr seyn. Es will den tod eh' leiden
1294
Leander/ eh' er sich getrennt durch diese flut
1295
Soll von der Hero sehn. Achillens helden-muth
1296
Will nun zum weibe fast um Colchas tochter werden:
1297
Und Hercules verliehrt sein halbes lob auff erden/
1298
Nach dem er so gar viel auff schöne wangen baut/
1299
Daß er die spindel nimmt/ und aus der löwen-haut
1300
In einen weibs-rock kreucht. Mars weiß hievon zu sagen/
1301
Wie er/ als er sein heer/ und den gestählten wagen
1302
Aus seinem Thracien nach Pergamus gewand/
1303
Sey in die warme schooß der Paphien entbrannt;
1304
Der Paphien/ die ihr zu selber zeit gerade/
1305
Wie er nach Troja kam/ in Xanthus lauem bade
1306
Den kalten schweiß wusch ab/ als sie sich so erhitzt
1307
In der gehaltnen schlacht. Kein blitz/ kein donner ritzt
1308
Die klippen so entzwey/ wie ihrer schönheit flamme
1309
Der geister donner-keil/ die angst und schmertzens-amme/
1310
Sein eisern hertz durchdrang/ als er die göttin kaum
1311
Mit einem strahl erblickt. Denn ob der marmel-schaum
1312
Zwar solche schönheit war gesonnen zu verstecken/
1313
So schimmerte sie doch/ als aus den düstren hecken
1314
Ein irrlicht/ als ein stern durch die beschwärtzte nacht/
1315
Wie brauner malvasier aus glase-muscheln lacht.
1316
Ihr purpurn antlitz warff von sich so grosse strahlen/
1317
Wie Titan/ wenn er früh die see pflegt zu bemahlen.
1318
Von ihren augen ward der kalte fluß zur glut/
1319
Das ufer zu rubin; ihr haar/ das mit der flut
1320
Sich schwimmend kräuselte/ war gleichsam anzuschauen
1321
Wie gold/ das von sich ließ beperltes silber thauen/
1322
So offt der zucker-wind es zu beküssen kam.
1323
Die schnee-geballte milch der liebes-äpffel schwam
1324
In der geschäumten bach biß an die qvell-corallen:
1325
Die runde schooß benahm den wäßrichten crystallen
1326
Den klaren perlen-glantz. Ihr mund that klärlich dar/
1327
Daß er die sonne nun im wasser-manne war;
1328
Zu der der wilde Mars auch seinen stern zu setzen
1329
Bereits verursacht ward. Wer kan dergleichen netzen
1330
Entkommen? fieng er an/ ich geh' es willig ein/
1331
Und soll die liebes-glut hinfort im wasser seyn/
1332
So will ich willig selbst in eine bach zerfliessen/
1333
Und mit dem Acis auch die fetten gräser küssen/
1334
Als nachbarn meiner lust. Weg harnisch/ helm und schwerd!
1335
Sie sind nun sperlingen zu nestern unverwerth.
1336
Ihr tauben möget wohl in meinem helme brütten/
1337
Mein spieß mag immerfort von kindern seyn beritten/
1338
Der lantze hab' ich satt/ ein ander nehme dich/
1339
Ich liebe liebes-krieg. Hierauff begab er sich
1340
Zur Venus in das bad. Diß that das liebes-kämpffen/
1341
Das aller helden palm' und sieges-lob kan dämpffen:
1342
Dort liegt der praler nun/ der sich so hoch verließ
1343
Auf seiner armen macht. Hier liegen schwerd und spieß/
1344
Wie wachs und bley zermalm't. Die spinnen-weben flechten
1345
Sich um den rostern schild. Hier giebt es mehr zu fechten/
1346
Sein feind ist eine frau/ die lieb ist kraut und loth/
1347
Die rede ists geschoß/ vergnügung ist ihr tod/
1348
Ihr köcher die gestalt/ der augen-thron der bogen/
1349
Hier kömmt an statt des pfeils ein liebes-blick geflogen.
1350
Die lantze/ die man hier muß werffen/ ist ein kuß/
1351
Die lippen sind der schild/ ihr kampff ein frieden-schluß/
1352
Der krieg vertrauligkeit/ der streit- und sieges-wagen
1353
Ist der begierden flug: Der platz/ worauff sie schlagen/
1354
Ist eine nackte schooß; der beyden brüste berg
1355
Gebraucht man zur pastey; Ihr brennend feuer-werck
1356
Ist heisser seuffzer ach/ des lermens feld-trompette
1357
Ein freundlich-lächelnd-mund. Das lager ist ein bette/
1358
Die wunden gehn ins fleisch/ nicht aber durch die haut:
1359
Das blut ist thränen-saltz/ das die verschämte braut
1360
Die erste nacht vergeust: Die schlacht ist liebes-kosen/
1361
Die sieges-kräntze sind nicht palmen/ sondern rosen.
1362
Die frucht/ um welche man das gantze treffen hält/
1363
Kommt nach neun monden erst vollkommen auff die welt.
1364
Hier ist ein doppelt heer/ das mit einander krieget/
1365
Der sieger wird besiegt/ und der besiegte sieget/
1366
Biß endlich beydes heer wird ein vereinigt leib.
1367
Das itzo stärckste theil/ das sonsten schwächste weib
1368
Kämpfft als ein stoltzer löw/ die nicht bestritten werden
1369
Als durch die demut kan und freundliche geberden/
1370
Die dem bezwungenen sich allererst ergiebt/
1371
Und sonsten keinen nicht/ als der sie nothdrängt/ liebt.
1372
Wer wolte nun nicht hier behertzt zu felde liegen/
1373
Wo Venus leib-standart und ihre fahnen fliegen?
1374
Wo sie selbst hertzogin/ Cupido feldherr ist/
1375
Mars ein gemeiner knecht: Wo Jupiter sich rüst/
1376
Und ein soldate wird: Wo überfluß das läger/
1377
Der wein das wasser ist/ und Bachus waffen-träger:
1378
Wo Ceres überall vollauff zur tafel trägt/
1379
Wo alles/ was gleich sonst nicht krieg/ nicht feindschafft hegt/
1380
Was keine zwietracht liebt/ doch mit zu felde lieget?
1381
Des Nestors zitternd arm/ Aestus gicht-hand krieget
1382
In diesen schlachten noch. Denn ob der liebes-geist/
1383
Die süsse seelen-braut/ sonst zwar nur allermeist
1384
Der jugend sich vermählt/ so muß zu vielen mahlen
1385
Des alters silber-haar dennoch der schönheit strahlen/
1386
Der liebe donner/ fühl'n. Ja/ wenn die flammen-see
1387
Der brunst einmahl entzündt des kalten alters schnee/
1388
Und anzuglimmen fängt in grauer häupter aschen/
1389
Kan nichts nicht als der tod die wilde brunst abwaschen/
1390
Die schneller wächst und läufft als eine feuers-glut/
1391
Die kühnicht holtz ergreifft. Wenn gleich ein junges blut
1392
Die liebe flammet an/ so kühlt sie auch die schmertzen.
1393
Verwundet sie die angst/ so salbet sie die hertzen
1394
Mit hoffnungs-balsam an. Denn aber ists gethan/
1395
Kommt einen alten erst der liebes-kützel an.
1396
Er liebt diß/ was ihn haßt/ wünscht erst nach tag und sonnen/
1397
Nun schon sein jugend-lentz mit nächten ist umsponnen.
1398
Er irrt/ gleich als ein schiff/ das keinen hafen weiß/
1399
Und weil sein wunsch zwar gut/ sein können aber eiß/
1400
Sein lieben ohnmacht ist/ so kan er diß besüssen
1401
Der liebsten nicht einmahl den zehnden theil geniessen.
1402
Und endlich läufft die lust auff weh/ die flamm auff rauch/
1403
Der schertz auff hörner aus. So hat sie im gebrauch
1404
Zu lohnen diese ab/ dieweil die adern glüh'ten/
1405
Weil marck in beinen glamm/ die ersten jahres-blüten
1406
Zu opffern sich gewehrt auffs heisse lust-altar.
1407
So nehmt ihr klugen denn dergleichen endspruch wahr:
1408
Die schönheit sey ein licht/ die liebe sey ein schatten/
1409
Wenn jene nicht mehr brennt/ so kommt uns die zu statten
1410
Bey keiner hitze nicht. Man kan nicht/ was man will/
1411
Und will nicht/ was man kan. Diß ist der liebe spiel;
1412
Den alten neue glut/ den sterbenden das leben/
1413
Dem/ was beseel't nicht ist/ kan geist und seele geben.
1414
Lufft/ erde/ see und feur/ ja diese gantze welt
1415
Wird durch der liebe geist begeistert und erhellt.
1416
Gib achtung/ wenn die nacht so viel gestirne mahlen/
1417
Was meynstu/ daß sie sind/ die feuer-lichten strahlen?
1418
Was will ihr glimmen wohl? Bild es dir kühnlich ein/
1419
Daß sie von liebes-glut also erhitzet seyn.
1420
Schau an das blaue dach der schimmernden gewölber:
1421
Der himmel/ glaub' es/ fühlt die liebes-flammen selber/
1422
Daß er die erde nur genüglich schauen kan/
1423
So blickt er sie die nacht mit tausend augen an.
1424
Es mangelt ihm auch nicht an reichem liebes-seegen:
1425
Er schwängert ihren bauch mit fruchtbar-reichem regen/
1426
Davon sie dann auch graß/ laub/ bäume/ blumen/ kraut/
1427
Und sonst noch viel gebiert. Sie selbst die grüne braut/
1428
Die grosse Tellus/ liebt den himmel gleichfalls wieder/
1429
Der holen grüffte schall/ das beben ihrer glieder/
1430
Sind zeichen ihrer gunst/ und zeugen ihrer pein;
1431
Ins grüne haar flicht sie vielfärbicht blum-werck ein.
1432
Die schooß geperlet sie mit gold und edelsteinen/
1433
Dem liebsten desto schön- und holder zu erscheinen:
1434
Der/ daß er gleichfalls ihr nicht minder wohl gefällt/
1435
Mit demant und rubin sein türckis-blaues zelt/
1436
Gleich als mit rosen/ stickt. Man spüret an gewächsen/
1437
Daß sie die liebe rühr't. Die tannen-bäume lechsen/
1438
Die lange ceder seuffzt. Meynstu vergebens? nein!
1439
Aus heisser liebes-brunst/ die sie so sehr nimmt ein/
1440
Die macht daß myrthen sich mit andern myrthen küssen/
1441
Daß jenen ulmen-baum die reben rings umschliessen/
1442
Daß eppig überall sich um die erlen flicht/
1443
Und um die dörner schrenckt/ und wenn sie wer zerbricht/
1444
So weinen sie vor leid/ daß sich ein theil entfernen
1445
Von liebes-ästen soll. Die göldnen wiesen-sternen/
1446
Der erde gelbes haar/ die edlen blumen fühl'n
1447
Der liebe zauber-werck in ihren wurtzeln spiel'n/
1448
Die perlen ihres thaus sind bittre liebes-thränen;
1449
Der kräfftige geruch ist ihr verliebtes sehnen/
1450
Und ihrer seuffzen hauch: der farbe purpur-blut
1451
Auff ihren knospen ist die lichte liebes-glut.
1452
Die liebes-blume kan für liebe nicht verwelcken/
1453
Ihr feuer färbet an die scharlach-rothen nelcken/
1454
Und macht die veilgen blaß. Das flüchtge lentzen-kind/
1455
Zuvor des Phöbus wunsch/ der schwartze Hyacinth
1456
Ist itzt/ und war auch vor von liebes-brunst entzündet/
1457
Eh er zur blume ward. Dieweil man brunnen findet/
1458
Brennt der narcissen schnee vor lauter liebes-glut/
1459
Verliebt so sehr/ als vor/ wie die crystallne flut
1460
Sein schönheits-spiegel war. Daß sich die sonnen-wende
1461
Stets zu der sonnen kehrt/ das thun die liebes-brände/
1462
Weil sie des Cynthius noch nicht vergessen kan/
1463
Den sie/ die Clytie/ vor auch so starr sah an/
1464
Weil sie beym leben war. Der saffran liebt die winden;
1465
Es buhlt der eichen-baum noch immer mit den linden/
1466
So viel als Crocus ie die Smilax hatte lieb/
1467
Und als Philemon noch mit seiner Baucis trieb
1468
Der wollust süsses thun. Ja selbst die lorbeer-bäume/
1469
Der Daphne mißgeburt/ die vor für dunst und träume
1470
Des Phöbus lieben hielt/ buhl'n itzo mit der nacht
1471
Des schattens/ und das schilff der blöden Syrinx lacht
1472
Der mutter keuschheit aus. Adonis hatte lieben/
1473
Weil er beym leben war/ noch nicht genung getrieben
1474
Mit seiner Idalis. Sie hatt' ihm diese pein/
1475
Diß feuer also tieff in adern/ marck und bein/
1476
Und in das hertz gedruckt/ daß aus der glieder aschen
1477
Der tod nicht hat gekönnt die scharffen flammen waschen;
1478
Sein laues blut muß noch mit blumen schwanger stehn/
1479
Als folgern seiner brunst. Betrachte nur/ wie schön
1480
Die garten-sonnen dort/ die tulipanen/ blühen/
1481
Die röthe deutet an/ wie sie für liebe glühen/
1482
Daß manche dort ihr haupt so auff die seite bückt/
1483
Geschicht vielleicht/ daß sie was liebes wo erblickt.
1484
Schau/ wie die lilje dort zu silber-klaren flüssen
1485
Die milchern wangen senckt! sie will den buhler küssen/
1486
Den lieben fluß/ der sich durch manch umfelstes thal/
1487
Um sie zu finden/ krümmt. O heisser liebes-strahl!
1488
Der auch die kälte warm/ das eiß kan brennend machen/
1489
Daß brunnen/ qvell' und bach in lichten flammen krachen;
1490
In flammen/ die der brand der lüste zündet an/
1491
Die weder see noch schnee/ noch wasser leschen kan/
1492
Als nur die liebe selbst. Wer von verliebten flüssen/
1493
Wer von den seuffzern will der buhler brunnen wissen/
1494
Der komm und schaue nur Alpheus flammen an/
1495
Dem Arethusens qvell auch nicht entlauffen kan/
1496
Durch ihren thränen-tod. Er kreucht durch berg und klüffte/
1497
Durch das gesaltzne meer/ und durch die holen grüffte/
1498
Biß in Trinacrien aus Elis gar ihr nach;
1499
Wo er sich denn mit ihr und seine brunst und bach
1500
Mit ihrem qvell vermischt. Was man in Biblis qvellen/
1501
Mit angenehmen rausch und zittern auffsieht schwellen/
1502
Das ist der thränen bach/ die ihr auff diesen tag
1503
Die liebe noch prest aus. Der Anas gleichfalls mag
1504
Mit seiner strengen flut nicht an der sonne rinnen/
1505
Die silber-adern ziehn liebreitzend ihn von hinnen/
1506
Den kreucht er biß ins reich des reichen Pluto nach/
1507
Und der Pactol vermischt die perlen seiner bach
1508
Mit seines bodens gold. Ja selbst das marck der erden
1509
Hat seele/ glut und geist zuneigender geberden/
1510
Die steine/ das metall/ regt ein verborgner strahl.
1511
Der ziehende magnet küst den verliebten stahl.
1512
Und daß das minste ja nicht unverliebet bliebe/
1513
So liebt die königin/ die liebe/ selbst die liebe/
1514
Die grosse göttin dient dem selber/ dessen frau
1515
Und mutter sie doch ist. Dann solte wohl ein bau
1516
Noch sonst was/ dessen sich der meister wolte schämen/
1517
Jemanden wolgefall'n? Wer wolte früchte sämen/
1518
Dafür man eckel hat? Zwar als der götter schaar
1519
Einmahl in Amathus bey ihr zu gaste war/
1520
Und ihr der nectar-safft stieg etwas in die stirne/
1521
Gab sie sich zwar aus schertz (wie offt noch manche dirne)
1522
Für eine jungfrau aus: doch als der vater sie
1523
Darüber schnell sah' an/ sprach Juno/ die sonst nie
1524
Viel seide mit ihr span/ sie hätte sich wohl müssen
1525
Mit wasser aus dem qvell des Canathus begiessen/
1526
Durch dessen krafft sie selbst die jungferschafft vielmahl
1527
Schon hätte wiederkriegt: wiewohl der liebe strahl
1528
Nicht diese/ die gleich lebt/ muß bald zur frauen machen/
1529
Man kan diß feuer ja noch wohl so sehr bewachen/
1530
Daß es viel weiter nicht/ als biß zur lippe greifft/
1531
Wo ein benäßter kuß den gantzen leib ersäufft.
1532
Allein/ sie wird es selbst im ernst nicht widerstreben/
1533
Die sonne würd' uns sonst bald einen zeugen geben/
1534
Die aller welt entdeckt/ wie zwischen ihrer schooß
1535
Der matte krieges-gott von helm und harnisch bloß/
1536
Von ihr gefangen lag/ und beyde von den netzen
1537
Des krummen Mulcibers. Ein mensch sie kan verletzen
1538
Durch ihren eignen pfeil. Anchisens lieben muß
1539
Ihr liebes-pflaster seyn/ der hohe Gargarus
1540
Ihr richt-platz und ihr hauß/ das graß ihr hochzeit-bette/
1541
Die höl' ihr schlaff-gemach. Aus was für saamen hätte
1542
Sie so viel kinder her/ als aus der liebes-pein/
1543
Die aller mutter ist? Ich will hier nur allein
1544
Zwar ihres kinds/ doch auch des peinigers gedencken/
1545
Des kleinen Cypripors/ der sie so bald zu kräncken
1546
Als iemand fremdes pflegt/ auff den schon klage kam/
1547
Als noch die mutter-milch ihm auff der zunge schwam/
1548
Daß er bald Jupitern den donner-keil versteckte/
1549
Bald mit der Juno sich und ihren pfauen neckte/
1550
Bald mit der Venus selbst. Und ob die mutter zwar
1551
Vielmahl das lose kind zu strafen willens war/
1552
So wust es dennoch stets ihr artlich zu entkommen;
1553
Nur einmahl/ als der dieb den gürtel ihr genommen/
1554
Ließ sie ihn eine frucht aus Lixus garten schaun
1555
Und fordert ihn zu ihr. Erst wolt er wohl nicht traun/
1556
Dennoch gelüstet ihn den güldnen ball zu kriegen/
1557
Fieng' also freundlich an die achseln einzuschmiegen/
1558
Schwang sich zu ihrer schooß ins blancke sternen-haus/
1559
Und breitete wie weit die regen flügel aus/
1560
Die durch und durch besternt mit jungfer-augen waren/
1561
Gleich als ein pfauen-schwantz. Mit seinen güldnen haaren
1562
Verwickelt er sich ihr um ihren marmel-arm/
1563
Sein leib war finger-nackt/ und doch nichts minder warm/
1564
Von sonn' und hitze braun. Viel hertzen voller wunden
1565
Hatt' er ihm in ein tuch von scharlach eingebunden/
1566
Die sein blutrünstig pfeil/ der an der seite hieng/
1567
So greulich zugericht. Allein/ alsbald empfieng
1568
Die schlaue mutter ihn mit einer rosen-ruthen/
1569
Daß beyder backen ihm fieng häufig an zu bluten/
1570
Fuhr endlich ihn also mit rauhen worten an:
1571
Laß schau'n/ ob man mit nichts dich/ natter/ zähmen kan:
1572
Dich losen geyerskopff/ dich stiffter vieler schmertzen/
1573
Dich gifftgen seelen-wurm/ dich räuber zarter hertzen/
1574
Dich mörder der vernunfft? du darffst mir itzt nicht viel/
1575
Du blindes huren-kind/ so will ich pflitz und kiel
1576
Mit sammt dem bogen dir in tausend stücke schlagen/
1577
Und dich/ ich weiß nicht selbst wohin/ ins elend jagen;
1578
Ins elend/ wo noch tag/ noch sonne dich bescheint/
1579
Diß soll dein lohn itzt seyn/ nun alle welt dir feind
1580
Und auch der himmel ist. Das kind der süssen lüste
1581
Fiel ihr um ihren hals/ und küst ihr ihre brüste/
1582
Entschuldigte sich auch/ er wäre nur ein kind/
1583
Und voller unverstand/ darzu ja auch noch blind:
1584
Sie müste nur sein irrn ihm noch zu gute halten.
1585
Ein kind/ sprach sie/ bist du/ weil du nicht kanst veralten!
1586
Du und dein würcken ist gewesen mit der zeit/
1587
Dein herrschen mit der welt. Auch ist dirs gar nicht leid
1588
Für deine schelmerey. Blind kanst du dich ja nennen/
1589
Du hundert-äugichter/ weil/ die vor liebe brennen/
1590
Durch dich verblendet sind. Wie würdest du so wohl
1591
Sonst treffen aller brust? Jedoch auch dieses soll
1592
Dir dißmahl seyn geschenckt; kanst du mir bürgen setzen/
1593
Und bey dem Styx mir schwehrn/ daß du mich zu verletzen
1594
Nicht mehr gesonnen seyst? Dein heischen ist mir lust/
1595
Sprach er/ und stieß hiermit ihr in die lincke brust
1596
Den allerschärffsten pfeil/ der iemahls in ein hertze
1597
Von ihm geschossen war. Das gifft zog mit dem schmertze
1598
Durch adern/ fleisch und blut/ und nahm die sinnen ein;
1599
Sie aber halb entseelt von unversehner pein
1600
Zog das geschliffne gold aus ihren warmen wunden/
1601
Auff dem mit diamant geschrieben ward gefunden:
1602
Ich brenn'/ ich brenn' Adon! Ihr auge nahm kaum wahr
1603
Die schrifft/ als ihre brunst in ihr schon lust gebahr/
1604
Zu finden ihren schatz. Bald ließ sie sich bekleiden
1605
Mit wäßrichtem tobin aus grase grüner seiden/
1606
Wie sonst die Cynthie zur jagd ist angethan.
1607
Auff ihrer achsel hieng ein elephanten-zahn/
1608
Ein bogen an der seit/ ein köcher an dem rücken/
1609
Ein mond an ihrer stirn. Von ihren anmuths-blicken
1610
Ward die von sonn' und glut versengte straße grün/
1611
Daß der verdorrte dorn so scharff ward und so kühn/
1612
Den nackten marmel-fuß der Cyprie zu ritzen/
1613
Biß er sein purpur-blut ließ auff die rose spritzen/
1614
Von dem ihr milchern haupt verkehrt ward in corall/
1615
Die blätter in rubin. Der unverhoffte fall
1616
Vermochte dennoch nicht ihr suchen auffzuschieben/
1617
Sie gieng der spure nach/ die ihr ihr neues lieben
1618
Und das verhängniß wieß/ biß sie in tieffem schlaf
1619
Vergraben den Adon/ ihr hertzens-ziel/ antraff.
1620
Sein bette war das graß/ sein köcher war das küssen/
1621
Sie aber/ als sie ihm den perlen-schweiß begiessen
1622
Die rosen-wangen sah'/ entschloß sie mit der hand
1623
Ihm kühlung zuzuwehn'. Allein ihr seelen-brandt
1624
Nahm durch diß wehen zu. Ihr anblick war der saamen
1625
Von ihrer liebes-glut/ und ihrer seelen hamen
1626
War seiner schönheit strahl/ für der die rose bleich/
1627
Die lilje schamroth ward. Ihr himmlisch königreich
1628
War sein benelckter mund; das irrschiff ihres hertzen
1629
Zog seil und segel auff nach seinen augen-kertzen/
1630
Wie ein von well und sturm bekriegter steuermann/
1631
Der brüder Helenens zwey sterne lachet an/
1632
Als zeichen stiller ruh. Ihr spiegel meines lebens/
1633
Ihr sonnen meiner lust! last/ sprach sie/ nicht vergebens
1634
Mich wünschen einen blick. Mein licht/ mein freuden-tag
1635
Erwachet mir mit euch. Ach daß der schlaff nur mag
1636
Das blasse todten-kind/ das schatten-bild der höllen/
1637
In euren himmel zieh'n! Wie kan sich beygesellen
1638
Den sternen düstrer rauch? doch muß es also seyn?
1639
So preßt ihm mein gesicht in seine sinnen ein.
1640
Alsbald wieß Morpheus ihm in einem sinnen-spiegel
1641
Ihr himmel-schönes bild. Sein hertze kriegte flügel/
1642
Und zog in derer brust/ die ihn im traume schon
1643
Zu ihrer liebe zwang. Sein mund/ der augen thron/
1644
Sein lachend antlitz war der ziel-zweck ihrer augen/
1645
Sie wünschte nur an ihm die rosen zu besaugen
1646
Des warmen lippen-pfads. Und weil sie ihm das glaß
1647
Des mundes anzurührn sich furchte/ ward das graß
1648
Nechst ihm von ihr geküßt. Bald senckte sie sich nieder
1649
Zu küssen sein rubin/ bald reu'te sie es wieder/
1650
Und flohe seinen mund/ gleich wie ein schäfer pflegt/
1651
Dem eine natter sich hat an die bach gelegt/
1652
Aus der er trincken will. Biß daß der wunsch der lüste
1653
Noch ihre furcht bezwang/ und sie so sehr ihn küßte/
1654
Daß schatten/ schlaff und traum auff einmahl ihn verließ/
1655
Den itzt verwunderung mit vollem sturm anstieß/
1656
Als er die göttin sah. Du darffst hier nicht erschrecken/
1657
Mein hertze! fieng sie an/ ich habe dick erwecken
1658
Aus zwang/ aus noth gemust/ durch einen feuchten kuß/
1659
Weil ich mir einen dorn getreten in den fuß.
1660
Weil denn sich gar von mir verlohren mein gesinde/
1661
So ist mein wunsch/ daß ihn mir deine hand verbinde/
1662
Hier hab ich mir ein kraut/ das ich mir selbst gepfropfft/
1663
Weil es das bluten weiß zu stillen/ ausgeropfft.
1664
Adonis ward hierbey kein eiß/ kein holtz erfunden/
1665
Er band mit sanffter hand das kraut ihr auff die wunden/
1666
Er/ dessen hertze wund von ihrer wunde ward.
1667
Ach! hat der böse dorn/ sprach er/ der wilden art/
1668
Dreyfache Cynthie! nicht gegen dir vergessen!
1669
[hat er das Göttliche zu stechen sich vermessen]
1670
Was ist diß für ein brunn/ wo der corall aus schnee/
1671
Aus liljen purpur wächst/ und die zinober-see
1672
Aus alabaster qvillt? ein ursprung meiner schmertzen!
1673
Ach/ ach/ was schneidet sie in meinem krancken hertzen
1674
Für tieffe wunden mir? Hat dieses rosen-blut/
1675
Hat diese marmel-haut die kräffte/ flamm und glut
1676
Zu pflantzen in die brust? ich muß/ ich muß vergehen/
1677
Und weiß es nicht von was. Ich muß es nur gestehen/
1678
O Delos königin/ dein sternend angesicht/
1679
Ist meiner augen zweck/ und meiner seele licht/
1680
Die durch bezauberung aus dieser brust gezogen.
1681
Alsbald warff Paphie zahn/ köcher/ mond und bogen
1682
Dianens von sich weg. Ich liebe dich/ Adon/
1683
Ich bin der schönheit frau/ der liebe qvell und thron;
1684
Nicht eine jägerin/ fing sie samt tausend küssen
1685
Und seuffzern zu ihm an die reden auszugiessen/
1686
Wo deine seele nur mich gleichfalls wieder liebt/
1687
Werd ich und du gesund. Dein knecht/ dein sclave giebt/
1688
Fieng er halb-thränend an/ geist/ hertze/ seel und sinnen/
1689
Dir/ himmels-königin/ wo deiner gottheit zinnen
1690
Nur unsre sterblichkeit mit diesem ehren kan/
1691
Die dich alleine soll mit andacht beten an.
1692
Nichts sterblichs ist an dir! denn deiner schönheit schimmer
1693
Gehöret/ fieng sie an/ in die gestirnten zimmer.
1694
Du bist mein schatz/ mein wunsch/ mein engel/ meine wonne/
1695
Und mehr als mein halb ich/ mein himmel/ meine sonne/
1696
Und höchster augen-trost. Das haupt/ den mund/ die brüste/
1697
Die augen/ meine schooß/ den himmel bittrer lüste/
1698
Verpfänd ich dir hiermit zum zeugniß/ daß ich dein/
1699
Und du der meine bist. Wunsch/ hertz und mund traff ein
1700
Bey der verwechselung so angenehmer worte;
1701
Denn bald eröffnete sie ihm die wollust-pforte.
1702
Ja/ als sie mund auff mund ihm senckte/ brust auff brust/
1703
Genosse sie die frucht der pein/ das ziel der lust.
1704
Sie hatten nun so viel den schnöden krieg getrieben/
1705
Daß Venus zwar nicht satt/ doch müde war im lieben/
1706
Als ihr der rosen-strauch in ihr gesichte kam/
1707
Auff dem noch ihres bluts halb-lauer purpur schwam.
1708
Du schöne rose bist/ fieng zu ihr an Dione/
1709
Die blumen-käyserin/ die/ als auff einem throne
1710
Des stiles von schmaragd/ ihr haupt dem himmel zeigt/
1711
Das der gestirne gunst mit thau/ als milche/ säugt/
1712
Die aus der erden schooß als eine göttin blühet/
1713
Wenn itzt die sonne sie mit einem blick ansiehet/
1714
Und ihre wurtzeln wärmt. Dein bräutgam ist der west/
1715
Der nichts als bisam-wind auff dein gewächse bläst.
1716
Es krönet deine pracht in allem nichts vergebens.
1717
Der dinge mutter hat dir/ wollust meines lebens/
1718
Bewaffnet deinen stock/ daß deiner schönheit glantz
1719
Den vorwitz was entflieh/ indem dein königs-krantz
1720
Aus golde/ dein geruch von weyrauch/ deine blätter
1721
Aus schnee und scharlach sind. Der blitz der donner-wetter
1722
Soll künfftig weniger dich/ als die lorbeern/ rühr'n/
1723
Die götter sollen sich mit deinem purpur zier'n.
1724
Ich selber will hinfort mir deine knospen flechten
1725
In mein gekräuselt haar. Gleich als bey düstern nächten
1726
Des weissen monden kreyß den sternen schimmert für/
1727
So übersternet auch der bunter gräser zier
1728
Der rose silber-schein. Dich meiner schönheit spiegel/
1729
Und meines purpur-bluts/ dich perle feister hügel/
1730
Dich heller wiesen-stern/ dich edles frühlings-kind/
1731
Auff welcher süsser safft/ wie Lontens zucker/ rinnt;
1732
Dich auge des Aprils/ dich diamant der auen/
1733
Kan ohne freude nicht die schöne sonne schauen;
1734
Das stern-gewölbe selbst gestehet dieses frey/
1735
Daß zwar die sonne wohl des himmels rose sey;
1736
Du aber/ rose selbst/ das sonnen-rad der erden/
1737
Die morgen-röthe muß schon schamroth für dir werden/
1738
Die scheele Juno wird dich in ihr schlaff-gemach
1739
Zu pflantzen seyn bemüht. Der Thetis blaues dach
1740
Bepurpurt sich mit dir. Mit dir soll Chloris gläntzen/
1741
Die Nymphen aber solln mit dir ihr haupt bekräntzen.
1742
Ja keine/ keine frau soll seyn mein liebes kind/
1743
An der nicht wang und mund beblümt mit rosen sind.
1744
Und daß diß lob/ womit die rose wird gepriesen/
1745
Ihr auch sey ernst gewest/ hat ihre that erwiesen/
1746
Indem sie den Adon/ den ursprung ihrer pein/
1747
Und ihres hertzens hertz/ als ihm das wilde schwein
1748
Verkürtzte lieb und geist/ ließ zu der rose werden;
1749
Auch wie du sonst noch mehr die flache schooß der erden
1750
Mit blumen hast geschmückt/ giebt Chloris selber zu/
1751
Und weiß dir schönen danck/ daß gleichfalls Venus du/
1752
Der liljen mutter bist. Denn ob zwar die poeten/
1753
Die sich was falsches offt zu dichten nicht erröthen/
1754
Der liljen milch-geburt aus blinder heuchelniß
1755
Der Juno schreiben zu/ so ist es doch gewiß
1756
Der warheit ähnlicher/ was einmahl in Idumen
1757
Auff einer gasterey die königin der blumen/
1758
Die frühlings-frau/ bekennt. Es tränckte Cyprie/
1759
Sprach sie/ einmahl ihr kind mit ihrer zucker-see/
1760
Die aus den türcksen quillt der warmen perlen-brüste/
1761
Da sog der kleine dieb so geitzig/ gleich als müste
1762
Der adern trieffend qvell biß auff den seichten grund
1763
Auff einmahl seyn verzehrt/ daß sein bemilchter mund
1764
Ihm endlich überlieff/ und in die nächsten gräser
1765
Ein theil der milch entfloß/ gleich als die bisam-gläser
1766
Voll Idumäer-saffts der laue west auff wald/
1767
Auff wies' und graß ausgoß/ der hauchte sie alsbald
1768
Mit zimmet-athem an. Der Thetis töchter liessen
1769
Der muscheln perlen-safft auff dieß gewächse fliessen/
1770
Die lilje des gestirns/ der nächte glantz und frau
1771
That auff ihr silber-horn/ und feuchtet es mit thau.
1772
Als es die sonne nun auch wärmte durch ihr glühen/
1773
Da sahe man heraus die ersten liljen blühen/
1774
Die Jupiter hernach ins stern-hauß streuen ließ/
1775
Weil Zephyr doppelt sie mit süssem geist anbließ:
1776
Daß ja der himmel auch nichts minder als die erde
1777
Um diß ihr gutthats-werck verpflichtet ewig werde/
1778
Zu dancken ihrer huld/ die nicht ermangeln kan/
1779
Wo sie zugegen ist. O blicke mich auch an!
1780
Du hertzens-wenderin/ du aller wollust amme/
1781
Du aller freuden brunn/ mit deiner liebes-flamme/
1782
Geneigter als bißher! Laß endlich Minos kind
1783
Mir einmahl schliessen auff der unhold labyrinth!
1784
Laß einen Perseus mir aus den begierdens-ketten
1785
Mein halb-verzweiffelt hertz durch neue gunst erretten/
1786
Laß einmahl noch auff mich die strahlen schiessen her/
1787
Die sonne des gelücks/ die in mein thränen-meer
1788
Sich längst hat eingesenckt. Ich will es gerne leiden/
1789
Mein liebes-pfeil der mag mir hundert wunden schneiden/
1790
Wo nur dasselbige wird auch bebalsamt seyn
1791
Mit treuer gegen-gunst. Das feuer und die pein/
1792
Die aus der schwefel-klufft der gegen-liebe qvillet/
1793
Ist wie ein balsam-oel/ das alle schmertzen stillet.
1794
Wenn aber/ die man liebt/ nicht gleichfalls wieder liebt/
1795
Und nichts/ als schnee und eiß/ und haß zu dancke giebt/
1796
So fängt die brunst erst recht mit funcken an zu spielen/
1797
Daß weder kraut noch zeit die liebes-hitze kühlen/
1798
Ja auch der tod nicht kan/ wenn gleich der matte geist
1799
In das Elyser-feld aus seinem cörper reist.
1800
Wie viel man in der welt sonst liebes hat besessen/
1801
Gold/ freundschafft/ ehren-stand und tugend wird vergessen;
1802
Die liebe stirbt nur nicht/ ob schon der schatten-fuß
1803
Des Charons kahn betritt/ und über Lethens fluß
1804
In das geheime thal der trauer-felder scheidet.
1805
Der alte liebes-pfeil/ das seelen-messer/ schneidet.
1806
Dort schmertzlicher/ als hier; die ungezähmte lust
1807
Brennt der Pasiphae noch immer in der brust.
1808
Der Dido steckt das schwerdt noch immer in den brüsten/
1809
Und Phädra lässet sich des stieff-sohns noch gelüsten;
1810
Die Dejanire fluch't auff Nessus blutig kleid;
1811
Laodamiens geist bezuckert ihr das leid
1812
Im schatten ihres manns/ und stirbet ohne sterben;
1813
Evadnens liebe kan kein holtz-stoß nicht verderben/
1814
Sie brennt das kalte kind/ wiewohl sie nicht verbrennt;
1815
Das feuer wird noch itzt an Helenen erkennt:
1816
Die lippen sind ihr noch befeuchtet von den küssen/
1817
Ihr holer athem ist der seuffzer noch beflissen/
1818
Die strahlen färben noch die blassen wangen an/
1819
Die wärmde bleibet noch dem schatten zugethan/
1820
Das thränen-öl muß noch die liebes-ampel nähren/
1821
Das leben scheint sich erst in weinen zu verkehren:
1822
Der schon verweßte leib/ die todten-asche/ glimmt
1823
In ihrem sarge noch; der liebes-ambra schwimmt
1824
Noch in dem dürren aas/ in den verdorrten beinen.
1825
Ja die gesammte schaar/ die Venus ie bescheinen
1826
Mit ihrer sonne ließ/ befindet sich allhier/
1827
Und trägt Persephonen die hochzeit-fackeln für.
1828
Die auch gleich auff der welt nur in der brust empfunden
1829
Den stumpffen pfeil aus bley/ empfinden neue wunden
1830
Beym düstern Erebus. Es pflantzet neue pein
1831
Der liebe güldner strahl den leichten geistern ein/
1832
Erst nach der höllen-fahrt. Wie? wird das halsabstürtzen
1833
Von dem Leucates denn die liebes-brunst verkürtzen
1834
Wenn die vergessungs-nacht das himmel-helle licht/
1835
Sie/ nicht verfinstern kan? Nein/ wahre liebe bricht
1836
So leichtlich nicht/ als glaß. Es wurtzelt sich das lieben/
1837
Dafern sein saamen ist im hertzen recht beklieben/
1838
Durch keinen fall bald aus. Kan weder eiß noch schnee/
1839
Noch das gefrorne meer/ noch Lethens blasse see
1840
Der liebe feuer still'n/ viel minder wird das baden
1841
In des Silenus bach der liebe brunst entladen
1842
Den angeflammten geist. Die schöne Venus webt
1843
Kein schwaches spinnen-garn. Die matte seele klebt
1844
Erst an den leim recht an/ wenn sie sich loßzudrehen
1845
Am besten ist bemüht; der thorheit blindes sehen/
1846
Die durch ein rauten-blat zu wasser machen will/
1847
O göttin/ deine glut setzt ein zu enge ziel
1848
Der unbegreiffligkeit; denn eulen die verblinden/
1849
Wenn sie den strahlen-qvell der sonne wolln ergründen.
1850
Wie kan die sterbligkeit dich meistern durch ein blat/
1851
Wenn sie dich/ sonne/ nicht zu schauen augen hat?
1852
Heist diese kühnheit nicht den himmel stürmen wollen?
1853
Da solche richter doch sich billich spiegeln sollen
1854
An allen/ welche stets das rach-schwerdt hat erjagt/
1855
Wenn sie der götter lob zu mindern sich gewagt.
1856
Hat an dem Marsyas Apollo das verbrechen/
1857
Den vorwitz Niobens Latone können rächen?
1858
Hat Salmoneus kopff den hoffarts-wahn gebüst/
1859
Und Thamiris die schuld Calliopen gemüßt
1860
Mit seinen augen zahl'n; so würd es noch viel minder
1861
Dergleichen frevelern ergehen was gelinder/
1862
Dafern dein sinn so sehr zur rache trüge lust/
1863
Und dir/ o königin! nicht wäre vorbewust/
1864
Sie könten ärger nicht den stolzen frevel büssen/
1865
Als daß sie deine gunst dein zucker müsten missen/
1866
Wenn sie von ferne schau'n mit scheelen augen an/
1867
Wie mancher/ der dich liebt/ der lust gebrauchen kan.
1868
O grosse käyserin der stern-beblümten zinnen/
1869
Beherrscherin der welt/ besüsserin der sinnen/
1870
Du sorgen-tödterin/ du brunn der freundlichkeit/
1871
Du mutter süsser pein/ verkürtzerin der zeit/
1872
Gebährerin der lust/ vermehrerin der dinge/
1873
Vergieb mir/ daß ich dir nur leere worte bringe/
1874
So schlechtes ding/ das nicht den göttern zugehört/
1875
Und dir/ die alle welt mit tausend opffern ehrt.
1876
Ja weil ein menschlich fuß die hohen götter-thröne
1877
Doch nicht besteigen kan/ soll meine Philomene
1878
Mein abgott/ meine lust/ mein engel/ meine pein/
1879
Mein leben/ meine qval/ und meine Venus seyn.
1880
Dafern ich denn nun ihr/ als schönsten auff der erde/
1881
Mein hertze/ mein gantz ich zu eigen geben werde/
1882
So nimm/ o Venus/ doch solch opffer an von mir/
1883
Nicht anders/ als es selbst gewiedmet wäre dir.
1884
So lang ich werd ihr knecht/ sie meine göttin bleiben/
1885
So lange mich zu ihr wird mein verhängniß treiben/
1886
So lang ihr schön-seyn wird mein himmlisches altar/
1887
Ihr mund mein lippen-zweck/ ihr gold durchmengtes haar
1888
Mein seelen-netze seyn/ ihr leben meine wonne/
1889
Ihr augen-licht mein tag/ ihr antlitz meine sonne/
1890
So lange wird dein preiß mein athem/ deine pein
1891
Mein singen/ deine brust mein liebes-tempel seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Daniel Casper von Lohenstein
(16351683)

* 25.01.1635 in Niemcza, † 28.04.1683 in Breslau

männlich, geb. Casper

deutscher Dichter des Barock und einer der Hauptvertreter der Zweiten Schlesischen Dichterschule

(Aus: Wikidata.org)

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