Zufällige Gedancken über zwey nach Grönland abseegelnde Schiffe

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Barthold Heinrich Brockes: Zufällige Gedancken über zwey nach Grönland abseegelnde Schiffe (1736)

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Indem ich jüngst auf einem kleinem Hügel,
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Am Flachen Elbe-Strande, steh,
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Und, wie der glatten Fluthen Spiegel
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Sich sanft vorüber ziehet, seh;
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Erblick ich, auf dem sich sanft senckenden Gewässer,
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Ein grosses wol beseegelt Paar
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Sehr starck-bemannter Wasser-Schlösser,
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So zu dem Wallfisch-Fang bestimmet war;
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Wie beid’, in stiller Farth, die Fluthen theilten,
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Und, Land- und Strand vorbey, gemählig See-werts
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eilten.
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Indem ich nun, von ihrer Reise
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Den weit entfernten Zweck erwege,
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Die, auf so manche Art und Weise,
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Sie drohende Gefahr, mit Grausen überlege;
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So fällt mir die Betrachtung bey:
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Ich dencke, wie es möglich sey,
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Daß diese Reisende, der schönsten Frühlings-Zeit,
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Die jetzo wiederkehrt,
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Und da der Erde Schmuck sich stündlich fast vermehrt,
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Da Wald und Feld bey uns in solcher Lieblichkeit
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Bey aufgeklährten Lüften blühen,
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So gantz gelassen sich entziehen,
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Um sich den ungestühmen Wellen
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Der unergründlich tieffen See,
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Des Winters Wuth, Reif, Hagel, Frost und Schnee
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Und Boreas Gewalt in Grönland blos zu stellen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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