Ist lieben seuche/ pest und gifft/

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Daniel Casper von Lohenstein: Ist lieben seuche/ pest und gifft/ Titel entspricht 1. Vers(1659)

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Ist lieben seuche/ pest und gifft/
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Das nattern tödten kan/ und scorpion entgeistert?
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Das gelbe molchen übertrifft?
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Ist lieben raserey/ die die vernunfft bemeistert?
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Ein nagend krebs/ der marck und bein frist aus?
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Ein wurm/ der aus den stauden edler jugend
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Nicht nur den kern/ die wurtzel reißt der tugend?
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Ein feuer/ das in asche/ staub und grauß
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Volckreiche städte leg't/ und länder stürtzt in grund/
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Daß itzo wilde buchen stehen/
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Und seegel-volle maste gehen/
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Wo weiland Troja war/ und vormahls Tyrus stund?

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So ists! diß würckt der liebe brand.
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Durch sie flog Sodoma geschwefelt in die lüffte.
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Und Loth/ der dort entronnen/ fand
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Auff seiner tochter schoß mehr als Gomorrens klüffte.
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Ja Samson muß/ den Rom doch und Athen
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Im Hercules zu einem Gotte machte/
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Als Omphale ihn in ihr netze brachte/
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Durch Delilen verächtlich untergehn.
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Als Gottes hertzens-mann kaum Batseben ersieh't/
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Und er auch aus der flut entglimmet/
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Wird Davids harffe so verstimmet/
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Daß sie für psalmen spielt ein geiles buhler-lied.

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Wer macht ihm nun nicht selbst den schluß?
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Daß wer den keuschen geist Gott rein und keusch will ehren/
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Der liebe götzen abthun muß/
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Und in der andachts-glut diß göldne kalb zerstören.
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Der weyrauch/ der in Venus tempel brennt/
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Reucht Gott nicht wohl/ die engel/ die uns dienen/
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Entfernen sich/ wie für dem rauche bienen.
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Die opffer/ die auch Paphos heilig nennt/
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Sind zu Jerusalem ein stinckend Gottesdienst.
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In die mit brunst sich unterstehen
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In Gottes heiligthum zu gehen/
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Bekommen fluch zu lohn/ und straffe zu gewinst.

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Wie ist denn er/ vertrauter freund/
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Der Gotte dienen muß und beym altare wachen/
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Nicht auch der süssen liebe feind?
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Schickt sichs/ ein priester seyn/ und gleichwohl hochzeit machen?
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Ja ja! gar wohl! was Gottes liebes kind/
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Was die natur den seelen eingesämet/
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Steh't auch für Gott in tempeln unbeschämet.
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Es schickt sich wohl daß priester väter sind/
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Die lieb in keuscher eh' entweyht kein opffer nicht.
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Das heiligthum wird nur beflecket/
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Wenn geile brunst im hertzen stecket/
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Die Gottes ordnung stör't/ und eh' und eydschwur bricht.

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Der schnöde mißbrauch böser brunst
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Ist unwerth/ daß er soll der liebe nahmen führen.
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Der lufft-gestirne falscher dunst
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Macht nicht/ daß stern und sonn' ihr wahres licht verliehren.
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Wenn jene fall'n zeräschert in den grund/
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So gläntzen die ins himmels güldnen zimmern.
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Denn schwefel kan nicht wie die sternen schimmern.
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Verkehret doch der schlangen geifer-mund
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In wermuth-bittres gifft gesunder kräuter safft/
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Woraus die bienen honig saugen:
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So kehrt der liebe tauben-augen
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Der boßheit zauber-kunst in basilisken-krafft.

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Der edlen rose perlen-haupt
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Wird/ ob die röthe sich schon ihrem schnee vermählet/
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Der reinen zierde nicht beraubt.
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Die jungferschafft hat sie für ihren krantz erwehlet/
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Bepurpert sie gleich Cythereens blut.
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Der keuschheit bild/ die lilje selbst/ empfindet
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Den süssen trieb/ der alle seelen bindet/
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Den anmuths-reitz/ des liebens reine glut.
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Und welche blume gläntzt/ die dieser geist nicht rühr?
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Der thau zeigt ihre liebes-thränen/
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Und ihr geruch das süsse sehnen/
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Die röthe bildet gar verliebte flammen für.

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So bleibet Abraham doch rein
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Und Gottes bunds-genoß auch in der Sara bette.
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Die kirche würde selbst nicht seyn/
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Wenn sie die liebe nicht zu ihrer mutter hätte.
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Die pflantzen die aus ihrem garten blühn/
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Die müssen kirch und paradieß erfüllen.
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Aus liebe ließ sich Gott ins fleisch verhüllen/
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Ja sie vermählt die gläubigen und ihn.
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Wo reine liebe glimmt/ zeucht Gottes Geist selbst ein.
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Des Heylands grosse wunderwercke
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Entwerffen selbst des liebens stärcke:
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Indem zu Cana quillt aus wasser-krügen wein.

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Heist diß nun Gottes weinberg bau'n/
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Wenn ein paar seelen sich in reiner ehe lieben/
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Aus der sie stauden wachsen schau'n/
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Die durch den glauben schon im himmel sind beklieben/
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Wenn sie gleich noch der mutter schooß umfaßt:
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So kan auch ihm nicht Gottes segen fehlen/
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Nun er ihm eine seele will erwehlen/
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Die tugend liebt/ und schnöde laster hasst.
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Wo doppel-andacht mehr als einfach opffer kan/
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Muß man von euch verlobten schlüssen:
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Eur seuffzen wird mehr würcken müssen/
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Nun nebst der priesterin der priester Gott rufft an.

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Der himmel weist sich selbst geneigt/
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Und regnet freud und lust auff die verknüpfften hertzen.
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Denn wo sich Gottes anblick zeig't/
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Bekräntzet eitel heil die frohen hochzeit-kertzen.
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Und seegen folgt den reiffen jahren nach.
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Mich dünckt/ ich sehe schon in einer wiegen
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Die frucht der eh' und Gottes gabe liegen;
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Hingegen fleucht verdrüßlich ungemach.
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Und wo hierinnen nicht mein festes urtheil fehlt/
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Hat/ ob wohl ehen hie auff erden
107
Vollzogen/ dort geschlossen werden/
108
Auch Martha dieses mahl das beste theil erwehlt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Daniel Casper von Lohenstein
(16351683)

* 25.01.1635 in Niemcza, † 28.04.1683 in Breslau

männlich, geb. Casper

deutscher Dichter des Barock und einer der Hauptvertreter der Zweiten Schlesischen Dichterschule

(Aus: Wikidata.org)

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