So leg indes den wohlverdienten Kiel

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Jakob Immanuel Pyra: So leg indes den wohlverdienten Kiel Titel entspricht 1. Vers(1729)

1
So leg indes den wohlverdienten Kiel
2
Vor Gottes Thron,
3
Die Bahn ist aus; und hier ist Kron und Ziel,
4
Erhole doch jetzt deine Kräfte wieder:
5
Und hör indeß in ehrenvoller Ruh,
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Der Harmonie von meinen Säyten zu.

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Mein Lautenspiel, mein Trost in Einsamkeit,
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Geschworner Feind von sclavisch falschen Heucheln,
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Du, das noch nie, aus Niederträchtigkeit,
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Die Laster-Brut, mit wohlbezahlten Schmeicheln
11
Und blindem Ruhm, durch einen Reim verehrt;
12
Und so den Krantz der Tugenden versehrt.

13
Ich stimmte nur der regen Därme Chor;
14
So oft als ich des Davids Psalmen hörte.
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Mein Geist schwung sich zu Sions Höh empor,
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Wo mich der Held die hohen Lieder lehrte,
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Die er gekrönt am Quell Silohens sang;
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So daß sein Schall durch Solima erklang.

19
Bald wafnet ich den tönend holen Bauch
20
Mit kühner Hand durch stärckre hohe Sayten
21
Und spielt entzückt: wie, unter Dampf und Rauch,
22
Die Drachen selbst mit Engeln rasend streiten.
23
Der Himmel bebt, es zitterte die Welt;
24
Bis daß ihr Schwarm gestürtzt zur Höllen fällt.

25
Bald folgst du mir in jenen krummen Thal.
26
Die Dichtkunst lehrt auf den begrünten Höhen
27
Der Hügel dort der jungen Dichter Zahl,
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Die um sie her voll Lehr-Begierde stehen.
29
Da irrten wir in jenen frommen Hain,
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In welchen ihr die Bäume heilig seyn.

31
Den tapfern Thon der Barden ahmst du nach,
32
Mit welchem sie das rauhe Heer erhitzet,
33
Daß es den Feind dem Tod zu Trotz durchbrach.
34
Du singst die Höh, wo das Gestirne blitzet,
35
Und einen Freund und dessen Rohr und Treu.
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So dienst du mir; doch ohne Schmeicheley.

37
Auf, stimme du auch diesesmal mit ein,
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Du mein Gefährt! ich will von
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Die Misgunst selbst soll unser Richter seyn.
40
Das reine Lob wird sie zum Beyfall zwingen.
41
Und wenn sie gleich auch mich zu tadeln weiß:
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So giebt sie ihm doch den verdienten Preiß.

43
Und Er ihn Dir, du Herr der Ewigkeit.
44
So fall auch ich vor deinen Altar nieder;
45
Und preise dich gerührt aus Danckbarkeit!
46
O! heilige, du Geist des Herrn! die Lieder,
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Du dessen Macht und Gottheit alles füllt,
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Von dem allein die wahre Andacht quillt.

49
Entdecke mir, was Sein Verstand gethan,
50
Wie Ihm das Werck durch deine Kraft gelungen.
51
Du führtest Ihn, daß Er auf deiner Bahn
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Ins Heiligthum der Wahrheit eingedrungen.
53
Mit dir hat er den Anfang nur gemacht,
54
Mit dir hat er es auch zum Schluß gebracht.

55
Es führte nie der Morgenröthe Hand
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Den Tag so früh aus ihrer Rosenpforte
57
Und röthete die Berge, Thürm und Land;
58
Du fandest Ihn doch schon bey deinem Worte,
59
Er wachte noch, wenn gleich die Finsterniß
60
Den Sterblichen das späte Licht entriß.

61
Der kurtzen Ruh gebraucht Er dazu nur,
62
Daß Er dadurch zur Arbeit muntrer würde.
63
Wir schauen zwar des Alters graue Spur;
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Doch sinckt die Kraft nicht von der heilgen Bürde.
65
Wir alle sehn die fromm und grosse Müh;
66
Doch wer erstaunt, wie viel bewundern sie?

67
Und so ist Er der schnellen Sonnen gleich,
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Die Glantz und Licht, mit dem beflammten Wagen,
69
Auf ihrer Bahn pflegt durch das blaue Reich
70
Der höhern Luft um unsern Ball zu tragen:
71
Sie leuchtet stets; doch fehlt ihrs nie am Schein.
72
Sie wird zwar alt; doch niemals schwach und klein.

73
Sie schenckt der Erd ihr fruchtbar reiches Licht,
74
Vollbringet stets die ungemeßnen Reisen;
75
Indem das Volck der Welt sein Werck verricht.
76
Ein jeder siehts und keiner will es preisen;
77
Allein sie ruht doch nicht von ihrem Lauf,
78
Und hört darum doch nicht zu scheinen auf.

79
Was fühle ich? Was kocht? Was rollt mein Blut?
80
O was durchfeurt die sterblich matten Sinnen,
81
Wohin reißt mich die göttlich hohe Glut?
82
Wo hört man mich der Wahrheit Lob beginnen?
83
Was spüre ich vor einen starcken Geist?
84
Der aus der Brust die eitlen Triebe reißt.

85
Wohin? Wohin? durch welchen Thal und Wald?
86
O welche Höh! zu der mein Flug sich schwinget,
87
Was ists? das mir von fern entgegen schallt,
88
So bin ichs nicht? der hier alleine singet.
89
O welch ein Glantz? Ich seh der Geister Chor,
90
Sie fliegen her. Ihr Lied entzückt mein Ohr.

91
Ich singe mit, ihr Kräfte jenes Lichts!
92
»ihr Himmel laßt des Vaters Lob erschallen,
93
Sein göttlich Wort bewegt, erschüttert Nichts;
94
Und sollte gleich der Bau der Welt zerfallen;
95
Und stürtzten gleich die grausen Stück herab;
96
Und würde gleich ihr wüster Schutt ihr Grab.«

97
Die Stimmen ruhn und ein Gewölck von Duft
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Fängt an den Berg durchbalsamt zu umgeben.
99
Was höre ich? was will sich durch die Luft
100
Vor ein Getön dort von der Erd erheben?
101
Seh ich nicht dort ein himmlisch singend Chor?
102
Und

103
»du dessen Wort die leere wüste Last
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Gehorsam war; das auch die Welt hieß werden,
105
Der du das Licht hervor gerufen hast,
106
Dein ewig Wort durchschallt den Kreiß der Erden,
107
So weit den Rand von der bewohnten Welt
108
Der goldne Glantz des grossen Lichts erhellt.«

109
Nun bücket sich und schweigt der fromme Mann;
110
Doch David rührt mit heilger Kunst die Sayten;
111
Und fängt alhier die Gegenantwort an:
112
»gott redet, hört! ihr unbegräntzten Weiten
113
Der Ewigkeit, sein Wort dröhnt aus der Nacht
114
Um seinen Thron mit göttlich starcker Macht.

115
Der Blitz trägt es durch die erschrockne Welt
116
Im Donner fort auf reissend glühnden Flügel.
117
Erschüttert, was sie in den Armen hält,
118
Zerschmettert selbst des ewgen Abgrunds Riegel.
119
Es sieht das Volck in tiefer Nacht den Strahl,
120
Es sieht und bebt im schwartzen Sitz der Qual.

121
Der Vater spricht. Gleich wird die Welt erfreut.
122
Es schweigt vor ihm das donnernde Getümmel,
123
Der Geister Heer preist ihn voll Seligkeit.
124
Es preisen ihn die hohen Stern und Himmel,
125
Daß Ruhm und Lob die weite Luft durchschallt,
126
In deren Kreis der Welten Hauffen wallt.«

127
Noch thönt der Schluß: und
128
Und preiset dich, der von den Donner Höhen
129
Des Sinai, bey zornger Blitze Schein
130
An sein Geschlecht ließ den Befehl ergehen.
131
Da hielt dein Knecht die Tafeln in der Hand,
132
Du lehrtest ihn, indem er vor dir stand.

133
»propheten sahn das selige Geschick,
134
Du zogest selbst des finstern Vorhangs Tücher
135
Von jenem Sitz der späten Zeit zurück,
136
Du schlossest selbst auch die geheimen Bücher
137
Der ewigen Fürsehung ihnen auf,
138
Drauf hört das Volck der fernsten Dinge Lauf.«

139
Nun regte sich der lehrend wahre Mund.
140
»dein Sohn, den du zum Heil der Welt erwählet,
141
Volbrachte es und that es selber kund.
142
Sein Geist hat es den Dienern vorgezählet,
143
Der aus der Brust die eitlen Sinnen stieß,
144
Und seiner Macht die Menschheit weichen hieß.

145
O Herr! dein Wort stürtzt zu der Höllen Kluft.
146
O Herr! dein Wort hebt wieder zu den Sternen.
147
O preiset ihn, ihr Menschen, Erd und Luft.
148
O fleht ihn an! es niemals zu entfernen.
149
Du zeigtest mir auch deinen wahren Sinn,
150
So nimm den Danck, mich, Kiel und Bücher hin.«

151
Nunmehr vereint der Thon der Chöre sich,
152
Die gantze Luft erregt ein Lustgetöne,
153
Es schüttert selbst der höchsten Wolcken Strich:
154
»bringt her dem Herrn, bringt her ihr starcken Söhne
155
Der Mächtigen, bringt in das Heiligthum
156
Im reinen Schmuck dem Herrn Preiß, Ehr und Ruhm.«

157
Sein göttlich Wort, das starcke Cedern fällt,
158
Saust auf der Fluth; und bleibt der Erden Wonne.
159
Gott redet selbst vom Himmel zu der Welt,
160
Vom Aufgang an biß an das Ziel der Sonne.
161
Er sitzt und ruft von seinem Wolcken Thron
162
Dem blassen Volck mit allmachtsvollem Thon.

163
Es blitzet schnell! werft euren Blick hinauf.
164
Ich sehe sich die blauen Wolcken theilen.
165
Auf einmal steigt der heilge Tempel auf.
166
Ein blinckendes Gewölck deckt halb die Säulen;
167
Und jede gläntzt gleich einem Edelstein
168
Wie, Gottes Stadt! dort deine Mauren seyn.

169
Mit Strahlen ist der ewge Bau umringt,
170
In welchem sich das Chor der Seraphinen
171
Mit gläntzenden bewegten Flügeln schwingt,
172
Die singend stets vor seinem Throne dienen.
173
Seht, wie das Thor sich in den Angeln dreht,
174
Woraus ein Strahl auf

175
Was blendet mich vor ein gewaltig Licht!
176
Wie wird mir, ach! es sincken meine Glieder,
177
Ein jeder fällt voll Furcht auf sein Gesicht.
178
O hört! es schallt aus jenem Tempel nieder:
179
»heil sey mit Dir, Du dientest wohl und recht:
180
Dein Lohn ist groß, du frommer treuer Knecht.«

181
Ein Donnerschlag erschüttert dieses Rund!
182
Gerechter Gott! was ist dein strenger Wille?
183
Was droht dein Arm der Erden faulem Grund?
184
Allein woher entsteht die grosse Stille?
185
Wie, seh ich recht? was ich bisher erblickt
186
Wird dort im fliehenden Gewölck entrückt.

187
Jetzt führet mich schnell, mit gesencktem Schuß
188
In jenes Thal mein sinckendes Gefieder.
189
Nun! nun setzt schon mein schwebend leichter Fuß
190
Den müden Tritt in jene Schatten nieder.
191
Ich grüße dich, mein stiller Aufenthalt,
192
Dich grünen Sitz, dich neu belebten Wald.

193
Du heller Brun! bey dir will ich jetzt ruhn,
194
Und deinen Rand mit bunten Kräntzen krönen,
195
Hier setze dich; und laß o Dichtkunst nur
196
Durch diesen Hain dein göttlich Spiel ertönen.
197
Da um uns her die Heerde blöckt und springt,
198
Und in der Luft das Chor der Lerchen singt.

199
Ergötze du hier meinen matten Sinn,
200
Der dort so sehr ist angestrenget worden,
201
Als ich so hoch entzückt gewesen bin.
202
Der lichten Spur von jenem heilgen Orden
203
Dort nachzugehn, ist sehr gefährlich zwar,
204
Doch ist es auch die herrlichste Gefahr.

205
Wen rühmest du? von wem ertönt die Luft?
206
Was vor ein Held? und wessen grossen Namen
207
Lernt Echo selbst in schallend holer Kluft,
208
Und jenem Busch so vielfach nachzuahmen.
209
Ihr Fürsten ruht in stoltzem Marmorstein:
210
Laß

211
Nicht bloß ein Held, der Stadt und Land verheert,
212
Und tapfer raast; noch blutbespritzte Waffen,
213
Und Kampf und Roß sind deiner Lorbern werth.
214
Nein, die der Welt gelehrten Vortheil schaffen.
215
Ein Haupt, so stets bey nutzbarn Wercken schnitzt,
216
Das stelle hin, wo Mond und Sonne sitzt.

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Was ziehet sich jetzt vor ein Nebel gleich
218
Von jenem Grund der fast verjahrten Zeiten?
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Empört der Krieg der Wissenschaften Reich?
220
Beginnet selbst ihr kluges Volck zu streiten?
221
So schwinget denn der Zwietracht wilde Hand
222
Die Fackeln auch um dieses stille Land?

223
O welch ein Kampf! in jener Wahlstat dort,
224
In welcher doch Eusebie regieret.
225
Nun zieht der Streit in jene Felder fort,
226
Worin den Stab die Weisheit selber führet.
227
Ich kenne dich, du Rüstiger im Streit,
228
Der voller Muth auch nicht die stärcksten scheut.

229
Erhebe du nebst mir im höhern Thon
230
O Poesie! die Namen dieser Helden;
231
Allein sie stürmt auf ihren Sayten schon,
232
Indem ich will die grossen Thaten melden,
233
Und ruft mir zu: vertraue deinen Kahn
234
Und Segel nicht dem stürmschen Ocean.

235
Doch seht den Held dort von dem Kampfplatz ziehn,
236
Die Wahrheit selbst führt Ihn auf ihren Wagen.
237
Der stille Sieg fliegt sicher über Ihn.
238
Ich sehe ihn errungne Zweige tragen.
239
Sein Fuß hebt Ihn zum Tempel jetzt hinauf,
240
Hier henget er die Waffen danckend auf.

241
Gott schencke dir in stiller Ruh den Lohn;
242
Doch wie? du übst ja die gelehrte Stärcke
243
Im Alter selbst aufs neue wieder schon.
244
Was sehe ich vor grosse Bibel Wercke?
245
Du zündest uns die hellste Fackel an
246
Und trägest sie den heilgen Weg voran.

247
Hier zeigt dein Arm, wo man leicht irrt und fällt,
248
Dein Fuß durchdringt die ungeheuren Küsten
249
Der glümigten noch ungebohrnen Welt,
250
Das Innerste von Chaos Reich und Wissen.
251
Du scheust den Kampf der Elementen nicht,
252
Die Gottes Wort mit schnellster Allmacht schlicht.

253
Gott spricht. Das Licht erhellt die dicke Luft,
254
Ein lebhaft Feur zieht weiter, und entdecket
255
Die Heimlichkeit der ungemeßnen Kluft,
256
So bald die Glut den Todten Zeug erwecket,
257
Sieht man den Stof zum Mittelpuncte gehn,
258
Und bald darauf viel neue Welten stehn.

259
So siehet sonst ein Wanderer vor ihn
260
In Lybien, durch die Gewalt der Winde,
261
Das fliegende Revier den Boden fliehn,
262
Zukünftige Gebürg und ihre Gründe
263
Durch finstere verdickte Lüfte wehn,
264
Und brausend sich in grausen Wirbeln drehn.

265
Auf einmal stürtzt die Welt voll Staub herab;
266
Darauf heben sich hoch aufgethürmte Höhen;
267
Und werden oft der Wandrer sandigs Grab.
268
Die Luft wird hell, nun kan er wieder sehen.
269
Er sieht erstaunt jetzt ein gantz neues Land
270
Und was er sieht, scheint ihm nur unbekannt.

271
Jetzt zeigst Du uns der Himmelskörper Licht
272
Und Erd und Meer und Berg und Wald und Felder,
273
Du lehrest uns Gebrauch und Danck und Pflicht,
274
Und Gottes Lob schallt durch die neuen Wälder.
275
Jetzt folgest Du den Vätern hin und her,
276
Und dir, o Volck des Herrn! durchs rothe Meer.

277
Nunmehr ziehst du mit fromm und weiser Hand
278
Die Decke selbst dem Moses vom Gesichte.
279
Du zeigst uns den, den schon sein Geist erkant
280
Und vorgesagt, in göttlich klarem Lichte.
281
Dein reiner Witz entdeckt der Bilder Sinn;
282
Doch wirfst Du auch die leeren Schalen hin.

283
Jetzt räumest Du, nicht mit geringerm Ruhm,
284
Des Spencers Wust, des Nils verlegne Sachen,
285
Mit starcker Faust aus Gottes Heiligthum.
286
Die Säulen, die er wolte wanckend machen,
287
Erhält dein Arm, der den gelehrten Trug
288
Womit er stritt, so glücklich niederschlug.

289
Ein hoher Held erscheinet dort von fern,
290
Er trägt ein Schwerdt, und Josua fällt nieder.
291
Ist dieser nicht der Fürst des Heers des Herrn?
292
Ja! dieser Held erlöst die Völcker wieder.
293
Er giebt Befehl. Jetzt hebt er sich hinauf,
294
Und Josua beut Gottes Lager auf.

295
Das Heer zieht aus, und läst die Zelte stehn.
296
Man sieht des Zugs unübersehnen Bogen
297
Um Jericho in stillem Pompe gehn.
298
Der Zirkel hat sich um die Stadt gezogen.
299
Der Heyden Volck, das auf den Mauren wacht,
300
Sieht gantz erstaunt der Reihen lange Pracht.

301
Hört! jetzo dröhnt der Haupt Posaunen Schall.
302
Das Kriegsgeschrey des Heeres schlägt den Himmel.
303
Seht Thurm und Maur wanckt, stürtzt mit grausem Fall
304
Durch Gottes Macht mit donnerndem Getümmel.
305
Die Mauer rollt zerschmettert auf den Grund.
306
O Jericho! dein Schutz liegt, wo er stund.

307
Nun stürmt das Heer zu allen Seiten ein.
308
Das blutge Schwerdt raast schon auf allen Gassen
309
Und überall herrscht Morden, Rach und Pein.
310
Nunmehr begint die Glut die Stadt zu fassen.
311
In heisser Luft tobt die erzürnte Glut,
312
Und Jericho raucht unter Asch und Blut.

313
Wer machet mir die Deutung doch bekant?
314
Ja
315
Den dort Johann an Patmos Ufern fand.
316
Ich sehe schon den grossen Engel schweben.
317
Er fliegt daher bey der Posaunen Thon.
318
Es schallt! Sie fällt die grosse Babylon.

319
Wo ist mein Held? Seht dort den harten Streit,
320
In dem sein Arm mit Blitz geschwinden Streichen
321
Der Feinde Schwarm erleget und zerstreut,
322
Nun jaget er durch Waffen, Blut und Leichen
323
Den flüchtgen Trup, durch den sein Eisen brach.
324
Der schnelle Sieg eilt ihm mit Keuchen nach.

325
Hör auf o Held! es sinckt der Sonnen Lauf.
326
Allein umsonst! Er ist zu starck erhitzet:
327
Sein mächtig Wort hält selbst die Sonne auf.
328
Die Welt erstaunt, die da erschrocken sitzet.
329
Und siehet wohl, daß sie ein Gott bezwingt,
330
Die Zügel hält, und sie zum warten dringt.

331
Wie? zog der Fürst des Tages sein Gespan
332
Wohl dort zurück, dem Lauf des Pols entgegen?
333
Wie? oder hielt der Erdball vor ihm an?
334
Du
335
Es hat Dein Arm im Mittel unsrer Welt
336
Den hohen Thron der Sonnen fest gestellt.

337
Schaut Gideon! den man als Fürst und Held
338
Und Priester sieht bey dem Altare stehen.
339
Durch ihn ist uns ein Vorbild dargestellt,
340
An welchem wir das Mitleramt ersehen.
341
Des Jephtha Kind führst du vom Opferstein
342
Und schliessest sie zu steter Keuschheit ein.

343
Wie komt dort nicht in gräulich wilder Tracht
344
Ein Zauberweib Thessaliens gegangen?
345
Das ihre Gründ einst fürchterlich gemacht.
346
So sah sie aus, wenn scheußlich grüne Schlangen
347
Ihr Haar geschnürt; wenn sie mit Knochen spielt,
348
Und in dem Wust der faulen Leichen wühlt.

349
Um ihren Kopf fliegt das zerstreute Haar,
350
O was macht sie vor gräßliche Geberden?
351
Sie murmelt, hört! O sie beschweret gar.
352
Ein kaltes Hertz soll wohl entflammet werden.
353
Vielleicht wird jetzt bey hellem Sonnenschein
354
Ein falscher Blitz und Donner schrecklich seyn.

355
Soll ihre Faust den Mond selbst aus der Luft
356
Zur Erd herab von seinem Wagen neigen?
357
Wie schaut sie schon der Höllen ofne Kluft
358
Und mit Geheul beschworne Geister steigen,
359
Ein heilig Grab zerreißt vielleicht ihr Arm,
360
Wird faulend Blut in morschen Körpern warm.

361
Es starrt ihr Haar, sie schäumt, sie raast, sie heult,
362
Ihr grasser Thon schallt durch der Erden Klüfte,
363
Sie sieht vor sich den bangen Grund zertheilt;
364
Und Samuel steigt durch die schwartzen Grüfte.
365
Sie reist ihn dir aus deiner Macht, o Tod,
366
Seht, er erscheint, als wenn er Unglück droht.

367
Hört aus der Gruft ein dumpfiges Gebrüll.
368
O Saul, du hörst dein traurigs Schicksal schallen.
369
Der Geist verschwindt. Wie bald wird alles still?
370
Ja selbst mein Muth erwacht, der mir entfallen:
371
Denn,
372
Und machst, daß sie uns nicht mehr schreckbar ist.

373
Saul flieht und fällt; und der Philister siegt.
374
Sein eignes Schwert muß rächend ihn ermorden.
375
Inzwischen ist, da er im Blute liegt,
376
Ein beßrer Fürst zum Thron erhoben worden.
377
Auch der wird stoltz. Er zählet; und so gleich
378
Vermindert er durch zählen Volck und Reich.

379
Gott siehts und straft zur Besserung mit Macht.
380
Der Geist, der dort am fruchtbarn Nil geschlagen,
381
Fliegt von der Höh erschrecklich, wie die Nacht.
382
Ein giftiges Gewölcke muß ihn tragen;
383
Und faule Luft durchstreicht vor ihm das Land,
384
Ein feurig Schwerdt schwingt die erzürnte Hand.

385
Worüber nur sein Schreck-Gefieder saußt,
386
Folgt ihm der Tod nebst der ergrimmten Seuche.
387
Das arme Volck fühlt, wie die Strafe haußt,
388
Wie tödlich Gift in seinen Adern schleiche,
389
Der Ackersmann sinckt ausgequält aufs Feld,
390
Wie sein Gespan, da er das Land bestelt.

391
Dem Krieger hilft jetzt weder Muth noch Wehr.
392
Die schnelle Pest ereilt die schnellsten Boten.
393
Du,
394
Du zählest selbst die eitervollen Todten.
395
Indem ein Theil sich wältzt, theils quälend streckt;
396
Und Pest und Tod das weite Land bedeckt.

397
Ich zittre noch für Eckel, Pest und Grauß;
398
Doch breitet dort nicht eine neue Bühne,
399
Die prächtigen erhabnen Scenen aus?
400
Ists Solima, das dort vor mir erschiene?
401
Ja, ja sie ists; doch in weit grösserm Flor.
402
Stat Hütten stelt sich Schloß und Tempel vor.

403
Ach lernte jetzt mein lyrisch Rohr von Dir
404
Und deinem Kiel, o
405
So zeigte ich den Wunderbau alhier
406
Der neuern Welt in prächtig gleichen Bildern.
407
Doch wer Dich ließt, sieht fast, was Du beschreibst;
408
Indem du es zur grösten Klarheit treibst.

409
Du leitest uns durch jeden Vorhof hin,
410
Du zeigest uns, was hier und da geschehen.
411
Mir dünckt, daß ich selbst gegenwärtig bin,
412
Und Kunst und Pracht bewundernd kan besehen.
413
Drauf lehrst Du uns, wie diese Schilderey
414
Dem Christenthum und Christo ähnlich sey.

415
Hier sehe ich mit Kron, Helm, Stab und Schwerdt
416
Der Fürsten Reich den Schauplatz nun bestreiten,
417
Doch da dein Kiel der Thaten Meng erklärt,
418
Muß ich indeß bloß mit den Namen streiten;
419
Weil dieser sich dem Reime wiedersetzt
420
Und jener Vers und Thon zu hart verletzt.

421
Wer singet hier? gepriesener Homer!
422
Bist du es? Nein! ein göttlicher Prophete
423
Erfüllt, entzückt das menschliche Gehör,
424
Durch die Gewalt der heiligen Trompete,
425
Sein prächtiger, sein rührend starcker Thon
426
Verdient den Krantz vor Dir, o Maons Sohn!

427
Ich seh durch ihn im Himmel vor dem Herrn
428
Den Satan selbst mit Gottes Söhnen kommen.
429
Auf Erden wird in ungemeßner Fern,
430
Des Höchsten Wort, des Teuffels List vernommen.
431
Des Vaters Mund preist einen frommen Mann;
432
Und Satan schwärtzt die weisse Tugend an.

433
Der Höllen Fürst fährt von dem Himmel her,
434
Empört und reitzt die räubrischen Chaldäer,
435
Die flüchtigen unstäten Araber,
436
Die specereybereicherten Sabäer
437
Auf diesen Held und seines Hornviehs Zahl.
438
Ihr wilder Schwarm beraubt ihn auf einmal.

439
Nun schleudert er mit der verfluchten Hand
440
Ein fressend Feur auf seine fetten Heerden.
441
Der Sturm durchbricht der Riegel Widerstand,
442
Stürzt sein Geschlecht und Hauß vermengt zur Erden.
443
Jetzt stürmen bloß auf diesen Held allein
444
Die keichenden betrübten Boten ein.

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Erstaunt! da steht der Held gantz unbewegt:
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So wie ein Fels, wenn mit vergebnen Toben
447
Sturm, Guß und Fluth den starcken Rücken schlägt.
448
Doch nicht genug! Er trotzt noch härtern Proben.
449
Sein Höllenfeind setzt der gelaßnen Ruh
450
Durch Seuchen, Weib und Feinde fruchtloß zu.

451
Wo bleiben hier, du blinder Dichter! nun
452
Geduld und Lob des irrenden Ulyssen?
453
Der fromme Held des Maro mag nur ruhn:
454
Sie sind zu klein von eurer Hand gerissen:
455
Weil einer weint, der andre öfters trügt.
456
Sein wahrer Glantz hat ihren Schein besiegt.

457
O Poesie, du seyst auch, wer du seyst,
458
Die du diß Werk dem Dichter eingegeben,
459
Wenn mich mein Trieb einst Helden singen heißt,
460
Laß deine Kraft auch meinen Sinn erheben.
461
Gib, daß mein Held stets diesem Helden gleicht;
462
Und mein Gesang auch den Gesang erreicht.

463
Begeistre mich, damit mein Heldenlied
464
Voll Gottesfurcht und Tugendlehren blitze.
465
Du weißt es wohl; ich lebe stets bemüht,
466
Daß einst mein Rohr der Welt ergötzend nütze
467
Doch hör ich nicht, daß
468
Ja er beweißt; und diß ist kein Gedicht.

469
Indessen sol o Geist! durch deine Kraft,
470
Doch mein Gedicht stets der Geschichte gleichen.
471
Und wenn mein Geist gleich neue Bilder schaft,
472
So laß ihn doch nie von der Tugend weichen.
473
Ein Dichter weiht der Lügen nie sein Rohr,
474
Die Wahrheit stralt aus seiner Fabel vor.

475
Ihr, die ihr nur Homers Gelahrtheit preist,
476
In ihm allein das gantze Wissen findet:
477
Kommt her und seht, was unsers
478
In Hiobs Buch vor Weisheits Schätz ergründet,
479
Er lehrt aus ihm die Sitten der Natur;
480
Und zeigt in ihm der wahren Lehre Spur.

481
Ich höre jetzt! ich hör Isais Sohn!
482
Mein Ohr erkennt des bessern Pindars Sayten,
483
Sein Psalm hebt sich mit einem höhern Thon
484
Und kühnerm Flug ins Reich der Ewigkeiten.
485
Sein Herr und Sohn muß stets der Inhalt seyn:
486
Jetzt hör ich ihn begeistert prophezeyn.

487
Mir dünckt, ich seh in frommer Sänger Schaar,
488
In Assaphs und in Elams, Ethans Mitte
489
Den David dort am räuchenden Altar;
490
Und ihr Gesang schallt aus der heilgen Hütte.
491
Da
492
Wird überall der Heiland dargestellt.

493
Ihr Menschen schaut ein neues Wunder dort,
494
Ein König selbst will euer Lehrer werden,
495
Es führet mich sein prächtig hohes Wort
496
Weit aus der Luft der scheinerfülten Erden.
497
Mein Geist, der nun des Körpers Last verschmäht
498
Schwebt höher noch, als das Gestirn sich dreht.

499
Mein prüfend Licht kan von den hellen Höhn
500
Durch allen Dunst der tiefen Heimlichkeiten
501
Der Eitelkeit mit freyen Blicken gehn.
502
Wie klein dünckt mir die gantze Welt von weiten;
503
Die Erd; ihr Volck und aller Güter Pracht
504
Verschwindet nun; und wird von mir verlacht.

505
Jetzt reisset mich ein kühner Oden Schwung!
506
Welch plötzliches jesseisches Entzücken
507
Vermag so schnell in freyer Unordnung
508
Mich von der Höh in Thal und Wald zu rücken?
509
Dort stellt sich mir ein Feldtheater vor,
510
Hier singt und spielt der Schäferinnen Chor.

511
Ich höre schon die braune Sulamith
512
Und ihren Freund und ihr verliebtes Klagen,
513
Sie eilt ihm nach, indem er vor ihr flieht.
514
Sie seufzt, daß sie die Liebe wund geschlagen.
515
Doch ihre Lieb ist nicht von dieser Welt,
516
Ein höher Feur wird uns hier aufgestellt.

517
O Amarill! O Thirsis! weichet nur
518
Mit eurer Brunst beschämt in dicke Wälder,
519
Poeten! folgt des weisen Dichters Spur,
520
Besuchet hier die sonnenreichen Felder
521
Und das Gebüsch, wo man die Sulamith
522
Und ihren Freund in Rosen weiden sieht.

523
Allein indem die Poesie verweilt,
524
Sich in dem Thal und Garten zu ergehen;
525
So bist du schon, o
526
Ich seh um dich die heilgen Seher stehen.
527
Sie reichen selbst Dir, den sie längst gekannt,
528
Wie der Prophet von Patmos, Licht und Hand.

529
Ja! es zergeht die blinde Finsterniß;
530
Indem durch Dich die Fackel angeglommen.
531
Mir dünckt, ich seh die Völcker schon gewiß
532
Aus der Gewalt des Aberglaubens kommen.
533
O sehet doch! die mehr als güldne Zeit
534
Steht schon zum Lauf in ihrem Kreis bereit.

535
Was schaue ich vor eine weite Bahn
536
In meiner Fahrt noch vor mir zu vollbringen?
537
Du kontest zwar durch diesen Ocean
538
Biß in den Port mit vollen Segeln dringen:
539
Allein die Od, o
540
Sie bebt und läßt auf halbem Wege nach.

541
So wie ein Mensch, der auf die blaue Höh,
542
Zu kühn sich wagt; nur Wasser Luft und Himmel
543
Rings um sich sieht; die ungemeßne See
544
Schreckt ihn benebst dem brausenden Getümmel;
545
Und auf einmal sinckt Ruder, Muth und Hand:
546
Drauf spühlt die Fluth den leichten Kahn ans Land.

547
Die Ode hebt zwar ihren Flug,
548
Verwegen schnell bis zu des Himmels Zinnen;
549
Allein sie ist doch noch nicht starck genug,
550
Solch eine That und Reise zu beginnen.
551
Der Wunder sind, o Heiland! ihr zu viel.
552
Die Lehren sind zu wichtig für ihr Spiel.

553
Sie ruht und legt die schlaffe Sayten hin.
554
Ihr! höret nun, wie
555
Daß Gottes Geist nach aller Schriften Sinn
556
Nur einen Geist, der Sünde flieht, verkläret.
557
Daß unser Thun nie die Gleichgültigkeit
558
Von dem Gesetz und seinem Zorn befreyt.

559
Ihr stutzt und fragt, kan eines Menschen Macht
560
Der Schriften Zahl zu solcher Höhe treiben?
561
Wer lange viel gelesen und gedacht,
562
Kan viel, und wohl in kurtzer Zeit auch schreiben.
563
Wird er jetzt ruhn? Nein,
564
Der Trägheit gleich; weil Er kan gutes thun.

565
Er rüstet sich schon wieder in das Feld.
566
Ein Geist vom Herrn bringt Ihm des Glauben Waffen.
567
Gott stärcket Ihn, durch Ihn in dieser Welt,
568
Dem grossen Sohn sein heilig Recht zu schaffen.
569
Ich seh, wie Er voll frommen Eifer glüht,
570
Er macht sich auf, ihr Feinde! eilt und flieht.

571
Glück zu! auf streit für Christus Ehr und Preiß.
572
Ich sehe schon! ich seh die Ehrenbogen;
573
Und wenn Du nun voll wohlanständgen Schweiß
574
Vor Deinem Herrn, dem Sieger, hergezogen;
575
So will auch ich so dann am Wagen seyn,
576
Und oft, Triumph, mit froher Zunge schreyn.

577
Schweigt! Neider schweigt, wem
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Den bin ich noch zu wenig zu erheben.
579
Was brauchst Du mehr, da Dich Dein
580
Als von dem Herrn ein kraftvoll langes Leben.
581
Dis wünschen wir von Ihm für Dich sehr oft.
582
Das übrige wird nur von Dir verhoft.

583
Mich, der auf Dich nebst tausenden gemerckt,
584
Mich, soll auch nichts von Deinem Pfade führen.
585
Wo sich der Geist in höhern Lehren stärckt,
586
Wo Wahrheit uns durch Dich pflegt zu regieren;
587
Da findet man bey ihrem Himmelsschein
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Durch Dich den Quell der Gottsgelahrtheit rein.

589
Doch wenn mir Zeit und Glück noch Musse gönnt;
590
So will ich sie, Dir, fromme Dichtkunst, weihen.
591
Dir, gegen die mein Hertz ohn Absicht brennt;
592
Darf ich mich nicht umsonst der Gunst erfreuen,
593
Mit der Du mir des Tempels Höh gezeigt,
594
Zu welcher nie des Bavens Anhang steigt.

595
Dann führe mich, von Deiner Glut entbrannt,
596
Mit Dir vertraut in die geheimen Grotten
597
Und lehre mich, was unsers
598
Und
599
Das Satans List von Wertheim ausgestreut.
600
Erzähle mir auch

601
Entdecke mir die Kunst, wodurch Virgil
602
Mit wechselnden und nachdrucksvollen Thönen
603
Den Vers beseelt, der dort gantz Rom gefiel;
604
Und solte mich der Pöbel gleich verhönen.
605
Dem leeren Reim und unsrer Verse Zahl,
606
Die lebloß fließt, entsag ich noch einmal.

607
Drum laß du mich, nur Dir allein getreu,
608
Den blöden Schwarm gemeiner Reimer meiden;
609
So kan mich einst der grossen Dichter Reih,
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Dein kühler Wald und Tempel unterscheiden;
611
So henge ich, nach einen längern Lauf,
612
Zuletzt mein Spiel dem Herrn zu Ehren auf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Jakob Immanuel Pyra
(17151744)

* 25.07.1715 in Cottbus, † 14.07.1744 in Berlin

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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