Was seh ich über mir, die Wolcken fliehen fort

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Jakob Immanuel Pyra: Was seh ich über mir, die Wolcken fliehen fort Titel entspricht 1. Vers(1729)

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Was seh ich über mir, die Wolcken fliehen fort,
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Die Luft wird klar und schnell voll Strahlen, Blitz und Feuer,
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Es donnert, hört! erstaunt! Der Himmel thut sich auf,
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Der Ewige erscheint auf seinem grauen Throne:
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Ein schreckliches Gewölck, das brennend über ihn,
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Sein grauses Richthaus wölbt, steht um ihn her wie Mauren,
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Das unzählbare Volck des Reichs der Ewigkeit
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Liegt vor dem strengen Stuhl voll Ehrfurcht auf dem Boden,
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Die tiefste Stille herrscht. Des Richters Ausspruch schalt,
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Der, wenn sein Haupt sich regt, die Feste selbst erschüttert,
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Sein Mund verdamt die grund verderbte Welt.
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Nunmehr giebt er Befehl den Dienern seiner Rache;
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Ein neuer Schlag bestärcket den Befehl,
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Und dreymal schläget er mit seinem eisern Scepter
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Die gantz verworffne Erd, und ihr zerschelter Grund
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Muß bis zum heissen Kern erschüttern und zerbersten.
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Des Abgrund Brunnen thun auf sein Geheiß sich auf,
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Und stossen überall die tief verborgnen Wasser
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Aus ihrem Schlund hervor, Süd, West, Ost, Nord tobt, stürmt
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Auf das erregte Meer voll Wuth von allen Seiten,
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Rührt aus der Tiefe selbst die stillen Wasser vor,
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Wältzt über allen Strand gantz ungeheure Wellen,
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Und überschwemt die Welt. Sein donnernd starcker Arm
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Führt durch die weite Luft indessen gantze Meere,
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Nun stürtzt er sie herab mit Feuer untermengt;
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Es braust ein steter Guß durch die pechschwartzen Lüfte,
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Die steigend zornge Fluth durchströmet alles Land,
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Mord, Zeter, Ach und Weh steigt schon von allen Gräntzen.
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Das jammervolle Volck, das heulend Rettung sucht,
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Ringt, schlägt die Hände nun verzweiflungsvoll zusammen,
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Und läuft, vergeblich doch, auf steile Berge zu:
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Die Fische liegen nun auf hohen Ulmen Bäumen
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Wo sonst die Taub allein ihr leichtes Nest gebaut.
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Der scheuen Gemsen Heer, das auf Gebürgen klettert,
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Schwam in der tiefen Fluth. Die prächtig grossen Städte
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Bedeckte jetzt ein Meer, das ohne Ufer war.
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Es flogen durch die Welt des Höchsten Zornes Diener
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Und stürtzten überall die Völcker in die See;
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Kein Retten ist nunmehr, was lebet, muß verderben,
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Die Arche nur allein schwimt triumphirend her
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Auf schaumerfüllter Fluth. Die schützend guten Geister
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Begleiten deren Farth, und schweben rings umher;
43
Der fromme Noah läßt dem Herrn ein Dancklied schallen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Jakob Immanuel Pyra
(17151744)

* 25.07.1715 in Cottbus, † 14.07.1744 in Berlin

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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