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Die Nacht war da. Die Ruh zog durch die stille Stadt.
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Der Träume leichtes Volck flog hin und her im Schatten,
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Es gaukelte und schwung die braunen Fittige
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Um manches Bett und Haupt und äfte viele Seelen.
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Es strahlte schon der Mond dort unter dem Gestirn,
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Das schnell, doch unvermerckt, am hellen Himmel rollte,
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Sein stilles Silberlicht drang in mein Schlafgemach,
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Und dadurch mahlten sich die Scheiben an den Boden.
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Die Lampen schliefen ein, die Fenster wurden schwartz,
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Da denen, die noch spät der Weisheit Opfer brachten,
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Das Buch aus ihrer Hand, der Leib aufs Lager sanck,
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Weil der verwachte Fleiß vom Schlaf gefesselt worden.
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Die Stille herrschte nun; man hörte nur allein
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Bey jedem Glockenschlag die muntern Wächter rufen:
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Als meine Wohnung noch von meiner Sayten Ton
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Und nächtlichen Gesang bey später Andacht schalte.
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Ich sang, fast gantz entzückt, in dunckler Einsamkeit
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Zu meinem Saytenspiel des grossen Davids Psalmen,
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Der sich den Dichterkrantz um sein gesalbtes Haar
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Und königliches Gold durch seine Lieder flochte.
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Ich sang, was dort von ihm der Jordan oft gehört,
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Als er noch Blumen laß und seine junge Locken
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In bunte Kräntze schloß; wenn er so Tasch als Stab
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Ins feuchte Gras gelegt, worauf die Schaafe schweiften.
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Die Engel stimmten selbst in seine Lieder ein,
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Wenn er die Harfe schlug, daß Wald und Thal erklungen;
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Wenn er voll Lust erzählt, wie sein Jehova ihn
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An einen frischen Quell auf süsse Weide leite.
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Bald dringt sein hoher Geist lobsingend Himmel an,
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Und siehet Gott in Pracht und Herrlichkeit und Ehre;
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Sein Kleid ist Licht und Glantz, die Winde tragen ihn
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Auf ihren Flügeln fort, die Wolcken sind sein Wagen.
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Wie des Gefieders Fürst, den dort Arabien
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Auf hohen Felsen zeugt, um die bemoßten Klippen
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Sich an der Fische Reich, an Bäch und Seen nährt,
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Auf ihren Wassern schwebt, der Federn Spitzen netzet,
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Und bald durch starcken Flug weit über Hermons Haupt
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Und alle Wolcken steigt, und in den lichten Tempel
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Der hohen Sonne dringt, wo er in Glut und Glantz
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Die goldne Majestät mit starcken Augen schauet.
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Oft brennt sein tapfrer Muth. Er bricht mit seinem Gott
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Durch Waffen, Heer und Streit, springt über alle Mauren,
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Und stürtzet sie, und geht durch Leichen, Schutt und Grauß;
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Und so thut er mit Gott die grösten Wunderthaten.
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Itzt schreyt er in der Noth der trüben Zeit zum Herrn,
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Doch bald wird er getrost und führt mit seiner Harfe
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Des Höchsten heiligs Volck, das freye Israel,
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Vom Götzenvollen Nil durch die zertheilten Wasser.
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Die Fluth erschrickt und tobt, der Blitz fährt durch die Welt,
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Des Himmels Donner kracht, der Grund der Erden bebet,
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Da der erzürnte Gott durch grosse Wasser geht
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Und Wagen, Roß und Mann in tiefer Fluth vertilget.
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Bald leitet er die Braut zu ihrem Könige
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Aus einem prächtigen Pallast von Elfenbeine;
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Ihr Kleid strahlt gantz von Gold und streut der Myrrhen Duft;
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Der Fürsten Töchter gehn in stoltzem Schmuck zur Seiten.
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Er sieht und prophezeyt den Heiland aller Welt,
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Er bricht mit ihm durchs Thor, zerstört der Höllen Kerker;
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Er folgt mit Jauchzen ihm an seinem Wagen nach
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Und zieht im Siegsgepräng mit hundert tausend Schaaren.
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Dieß sang ich nach. Gleich ward auf einmal alles hell,
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Die Wände zitterten; schnell stand vor meinen Augen
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Ein göttlich schönes Bild in vollem Lichte da.
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Ein kalter Schauer lief durch die erschrocknen Glieder.
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Voll Ehrfurcht sah ich hier die heilge Poesie,
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Um ihren Scheitel brennt ein Krantz von lichten Sternen,
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Und eine himmlische und ewge Jugend lacht,
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So wie die Morgenröth aus ihrem Angesichte.
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Sie war sehr prächtig, groß, und so, wie sie sich sonst
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Den Söhnen jenes Lichts, den Engeln, pflegt zu zeigen.
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Ein perlenweisses Kleid floß von den Schultern ab,
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Und ihre Rechte trug die hochgestimmte Harfe;
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Die Tugend und Natur und Anmuth folgten ihr,
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Als wie drey Gratien, mit fest verschlungnen Händen;
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Das reinste Sylbenmaß rauscht, wie ein sanfter Bach,
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Mit schönster Harmonie von den beredten Lippen.
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Sie selber blickte mich mit heiterm Lächeln an,
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Und öfnete den Mund mit diesen Anmuthsworten:
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Ich weiß, mein Sohn, ich weiß, daß du die hohe Bahn
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Der wahren Dichtkunst suchst. Du hörst des Flaccus Lehren,
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Und steigst mit munterm Fuß zu ihrem Heiligthum,
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Das er mit kluger Hand den Dichtern aufgeschlossen.
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Du siehst dem Römschen Schwan mit starren Augen nach,
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Wenn er die Welt verläßt, und sein erhabner Scheitel
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An das Gestirne stößt. Dein Trieb reißt öfters dich
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Durch Waffen, Mann und Streit in Marons blutge Felder;
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Du wendest in der Hand das Buch des Scaligers,
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Du fliehst des Pöbels Staub und gehst des Vida Wegen
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Zum höchsten Gipfel nach. Ich tadle dis zwar nicht;
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Doch meide nur den Tand verworfner Götzenfabeln:
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Itzt aber folge mir, vergiß nun auf einmal
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Den lorberreichen Sitz des fabelhaften Pindus,
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Wo Phöbus, wie man träumt, sich in der Castalis
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Die goldnen Locken wäscht, wo die Camönen tantzen.
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Zwar Sion ist entweiht, worauf ich sonst gespielt;
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An dessen grünem Fuß Siloens Wasser rieselt,
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Um den der Barbar schweift, und ihn zu trüben pflegt.
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Doch komm durch jenes Reich zu meinem neuen Tempel.
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Sie reichte mir die Hand, ich folgte, doch mit Furcht,
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Und nicht mit gleichem Schritt; doch gleich drung Muth und Feuer
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In die erschrockne Brust; sie aber ging voran,
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Und mischte bey dem Gehn die Stimme in die Sayten.
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Bald flog ihr hohes Lied an den bestirnten Sitz
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Und prieß der Seelgen Ruh; bald wältzte sie die Worte
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Durch das verdammte Reich, wo um die blasse Schaar
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Die Bäche Belials mit Schwefel Fluthen brausen.
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Und also schreiten wir mit dicker Luft umhült,
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Die doch ihr reiner Schein rings um uns her erhellet:
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Die Blumen sprossen vor und schmücken ihre Bahn,
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Wo ihre Solen nur die Erde sanft berühren.
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Das Federvolck sang sie wie ihren Phönix an,
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Die Bäume neigten sich mit den belaubten Häuptern,
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Und hielten einen Tantz, das Wild verließ den Wald,
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Die Löwen strichen sie, der Bär vergaß sein Wüten,
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Die Tyger folgten zahm und hörten ruhig zu.
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Die Hirten sprungen auf und meinten noch im Traume
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Ein nächtliches Gesicht, halb voller Schlaf, zu sehn,
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Der wache Wiederschall sang spielend alle Sylben.
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Nun führte uns der Weg in einen Fichten-Wald,
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Wo fast um jeden Stamm ein Schwarm mit rauher Kehlen
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Nur Hochzeitreime jauchtzt und todte Lieder heult.
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O! rief sie, hasse stets den Pöbel toller Reimer.
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Wie, wenn die Nacht die Welt in feuchte Schatten hült,
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Ein später Wandersmann bey halben Monden Scheine
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In finstern Büschen irrt und Raben, Eule, Krähn
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Erbärmlich krächzen hört, so war mir hier zu Muthe.
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Zwey Wege zeigten sich da, wo der Wald sich schloß,
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Der eine war umpflantzt mit Myrthen und mit Lorbeern,
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An seinem Eintritt stand die falsche Poesie
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Die in dem eitlen Schmuck unechter Steine prahlte,
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Das dünn gewebte Zeug des weiten Kleides schwoll
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In tausend Falten auf. Mit übermahlten Rosen
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War ihr Gesicht geschmückt, die Glieder schienen starck,
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Doch war es lauter Schwulst und ein verstelltes Wesen.
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Zu ihrer Lincken war ein prächtig Opernhaus,
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Und mitten drauf ein Thron auf einer stoltzen Bühne.
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Die Wollust brüstet sich darauf in geilem Schmuck
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Und ein verführtes Volck trinckt ihren Zauberbecher.
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Zu ihrer Rechten zog ein buntes Pfauenpaar
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Die Ehrsucht voller Stoltz auf einem goldnen Wagen
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Und breitete den Schweif wie ein beaugtes Rad.
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Sie rief und suchte mich durch falschen Ruhm zu locken.
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Der reiche Geitz schloß selbst die vollen Schätze auf,
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Er zeigte mir sein Gold, mich dadurch anzureitzen,
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Daß ich der Laster Brut mein Spiel verkaufen soll.
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Die falsche Dichtkunst fing mich also an zu locken:
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Komm, lerne hier die Kunst, wie man recht hurtig reimt,
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Es soll mein Gnadenwind in deines Geistes Segel
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Auf allen Meeren wehn, die Gift und Neid beschäumt,
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Jedwede Zeile soll nach Mosch und Ambra riechen.
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Dein Reim wird lauter Gold und Diamanten streun,
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Mein grosser Anhang wird dein goldnes Lied bewundern.
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Komm zu mir in mein Reich, es soll dich nicht gereun.
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Du solst in einem Thal bey schönen Nymphen spielen.
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Laß die bedornte Bahn: denn, glaub, es wird so seyn,
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Daß du oft weinen mußt, eh du wirst singen können.
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Darauf erschalte gleich die weichlichste Music,
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Gleich tantzt und sang in Creiß ein reitzend Chor Syrenen;
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Doch meine Führerinn entriß ihr allen Schmuck,
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Und rief: weich, Lasterbrut! so gleich verschwand auch alles.
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Nicht anders, als wenn sonst der Sonnen sinckend Licht
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Die Abendwolcken mahlt, woran man sich Palläste,
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Und Schlösser, Thürme, Thier und Menschen bilden schaut,
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Da, eh man sichs versieht, schnell alles wieder schwindet.
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Der andre Weg war da, wo sich der Berg entzog,
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Und nach dem Thale sanft und Stufenweise senckte.
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Hier schwärmten manchmal auch noch Lüste, Reizungen
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Und der Begierden Schwarm in mancherley Gestalten;
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Fast alle Augenblick sah ich ein neues Bild,
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Das immer schöner ward, vor meinen Augen flattern.
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Ich hörte manchen Ruf und manche Lockungen
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Und viel Syrenen hier betrügrisch reitzend singen;
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Jedoch der Dichtkunst Lied besiegte diese Brut,
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Und dämpft in meiner Brust die Kraft der Zauber-Lieder.
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Indessen kamen wir bis an des Berges Grund,
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Doch kont ich meinen Schritt nicht sicher weiter setzen,
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Denn alles lag vor mir in Wolcken eingehüllt,
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Die aber liessen nichts, so nah es war, erkennen;
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Wie, wenn den Creiß der Luft ein Nebel trübe macht,
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Man kaum den nächsten Baum und Thurm kan dunkel schauen.
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Und gleich vor meinem Fuß sah ich mit Furcht und Graun,
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Wie eine tiefe Kluft den ungeheuren Rachen
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Entsetzlich aufgesperrt, ihr grauser Abgrund sanck
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Voll Rauch und Dampf hinab bis an das Thor der Höllen.
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Viel schwartze schroffe Stein und Felsen hingen hier
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An den abschüßigen und aufgeborstnen Seiten,
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Kaum fiel mein Blick hinab, so stieg mein Haar empor;
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Die Zunge klebte mir vor Schrecken an den Gaumen,
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Ein Schwindel fing mein Haupt mit Sausen an zu drehn.
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Die gantze Gegend schien mit mir herum zu gehen,
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Ich taumelte, und schnell verging Gefühl und Sinn,
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Und eine schwartze Nacht zog über meine Augen.
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Ich weiß nicht, wie mir ward und was mir da geschah.