Was vor ein neuer Jubeltag

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Jakob Immanuel Pyra: Was vor ein neuer Jubeltag Titel entspricht 1. Vers(1729)

1
Was vor ein neuer Jubeltag
2
Gläntzt von der Ostsee Purpurwogen,
3
Verklärt der trüben Lüfte Bogen,
4
Zerstreut die Nacht, so auf der Erden lag:
5
Ich seh die Wolcken sich zertrennen!
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O welch ein Licht bricht durch ihr helles Thor?
7
Wer kommt von den beglückten Brennen
8
Mit einem neuen Glantz in unsern Kreis hervor?
9
Des Aufzugs Pracht, mit Lust und Glück vereinet,
10
Ist würdig, daß ein Gott erscheinet.

11
Wer ist der junge hohe Held?
12
Wen bringt der fliegend-stoltze Wagen
13
Erhöht in Herrlichkeit getragen,
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Die alles rings um ihn herum erhellt?
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Wen führt das jauchzende Gedrenge?
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Es walt mein Blut, es springt mein Hertz vor Lust.
17
Ja
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Um wem ist sonst der Himmel auf der Erden?
19
Wer macht, daß Länder glücklich werden?

20
Das Volck strömt überall herzu.
21
Es sieht
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Und sucht vol Lieb
23
Entzückt und froh durch
24
Seht das Gewimmel in der Fernen!
25
O hört und seht! sie heben Stimm und Hand
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Mit Danck und Freuden zu den Sternen.
27
Die Wälder stimmen ein, es jauchtzt das gantze Land.
28
Daß Feld und Thal und Hügel lachen.

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Wie eine Braut sonst unverweilt
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Auf ihres Liebsten blossen Namen,
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Ihm ungeschmückt von ihren Ramen
32
Mit ofnem Arm entzückt entgegen eilt.
33
Sie kommt in ihrem leichten Kleide.
34
Es schüttert itzt zwar nicht auf Haar und Brust
35
Mit Kunst geordnetes Geschmeide:
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Doch ihr Verlobter sieht mit inniglicher Lust
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Der Wangen Glut, die Unordnung der Triebe,
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Und die Nachläßigkeit der Liebe.

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So kommt
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Voll Ungeduld auf allen Wegen
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Gantz unbesorgt aus Lieb entgegen.
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Sie sehen
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Die Wercke ihrer Arme liegen.
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Sie sorgen nicht um ihr versäumtes Korn.
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Sie denken nur an ihr Vergnügen,
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Denn es umschließt
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Ja! kommst
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So kommt mit

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Von dem durch
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Im Glantz der selbst verdienten Krone,
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Und wiegt das Gold des Zepters in der Hand.
52
Des Höchsten Lust, des Landes Wunsch und Glück.
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Vor
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Und hinter
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Wo
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Nur Ueberfluß und Wonne spriessen.

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Nur Heil und Pracht ist
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Und wo das Land den Zoll versaget,
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Gehorcht, so bald
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Die willige, verschönerte Natur.
61
Der Himmel ehrt fast
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Und Regen, Thau, und Luft und Sonnenschein
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Vermehren schon der Furchen Schätze.
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Die Tage scheinen selbst weit heiterer zu seyn.
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Man siehet sich das reife Feld vergulden,
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Und Tellus zahlet ihre Schulden.

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So fuhr der Sohn der Semelen,
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Der schönste unter allen Göttern,
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Bekräntzt mit breiten Rebenblättern,
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Mit zahmen Tygern in Sicilien
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Durchs hohe Korn der reifen gelben Fluren,
72
Die seine Gottheit segnete,
73
Das Volck folgt jauchzend
74
Und Honig, Milch und Wein strömt von der Hügel Höh.
75
Er sieht voll Lust statt Wüsten, wilder Wälder,
76
Itzt lauter Elisäer Felder.

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Du Tag der Krone! goldner Schein!
78
Du König
79
Das schönste Fest der späten Nachwelt seyn.
80
Der Tage, so die Sonne selber führt,
81
Durch
82
Das ihr stets wechselnd Chor, vor allen gläntzend, ziert.
83
Die Bahn dem Heile zu bereiten.

84
Kaum liessest
85
Verkündigten es die Metalle
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Mit ihrer Donner frohem Schalle.
87
Die Nacht entflieht. Das gantze weite Reich
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Erwachet unter Danckgesängen.
89
Nun siehet man in Feyerkleidern schon
90
Das Volck sich in die Tempel drengen.
91
Ihr heiliges Gewölb erschalt vom Jubelton.
92
Der Weihrauch steigt, vermischt durch Danck und Lieder.
93
Und Gott sieht voller Gnaden nieder.

94
Die Andacht dringt zum Himmel auf,
95
Und schallet aus dem regen Lande
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Von dem beblümten nahen Strande,
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Und eilt zugleich schnell mit der Wasser Lauf
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Der jauchzenden vergnügten Pregel
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Bis zu dem Belt, der mitten aus der Pracht
100
Der stoltzen aufgespanten Segel,
101
Die ein weitläuftiges Amphitheater macht,
102
Sein Haupt erhebt. Sein Winck gebeut den Fluthen,
103
Und die bezähmten Wellen ruhten.

104
In einer stillen Majestät,
105
Und in gedanckenvollen Schweigen
106
Hört er das stete Jauchtzen steigen,
107
Das weit umher in sein Gebiet ergeht,
108
Bewundert seiner Nachbarn Glücke,
109
Und heftet stets nachsinnend unverwand
110
Der großen Augen starre Blicke
111
Auf den durch seinen Schatz gezierten stoltzen Strand,
112
Und ruft zuletzt mit halb verstörten Mienen:
113
Ja Zeit du bist nunmehr erschienen.

114
Es zitterte das gantze Meer
115
Vor seines strengen Herrschers Munde.
116
Sogleich verbarg sich in dem Grunde
117
Der sprudelnden Meerwunder schrecklich Heer.
118
Kein Zephyr waget, sich zu rühren,
119
Es läst sich nichts, so weit sein Reich sich streckt,
120
Als eine tiefe Stille spüren,
121
Die fürchterlich umher die nasse Fläche deckt.
122
Drauf höret man von seiner Stimme tönen
123
Der Meere öde Wüste drönen.

124
Ich seh, ruft er, es ist anitzt
125
Die goldne Zeit schon angebrochen,
126
Die einst des Himmels Huld versprochen.
127
Ich seh, wie dort ihr Morgenroth schon blitzt.
128
Ich seh den jungen Adler steigen,
129
Und sich gekrönt mit seiner Väter Muth
130
In seiner hohen Herrschaft zeigen,
131
Die Klauen glühen schon von seines Donners Gluth.
132
Er schützet schon die Völcker, Thäler, Hügel
133
Im Schatten der gestreckten Flügel.

134
Er schwung sich von dem höchsten Strich
135
Der Himmel aus dem Glantz der Sonne,
136
Wo er gereitzt von ihrer Wonne
137
In seinem Flug nie ihrem Feuer wich,
138
Und in dem Lichte, das er liebte,
139
Des kühnen Blicks stets mehr gestärckte Kraft
140
Und die begläntzten Schwingen übte.
141
Er kommt herab von dem, der alles ordnet, schaft,
142
Von dem die Macht und wahre Weisheit stammen,
143
Als der Bewahrer seiner Flammen.

144
Hier sieht man sich ein frohes Chor
145
In Feldern voller Ernten schwingen,
146
Und dort in sichern Büschen singen.
147
Erstaunungsvoll sieht alle Welt empor,
148
Und
149
Worunter
150
Wohin seh ich
151
Seht, wie in ferner Luft
152
Ein neu Geschrey erschalt von allen Orten,
153
Und stöhrt den Lauf von

154
Die grosse Sonne voller Glut
155
Hebt sich beym jauchtzenden Getümmel,
156
Zerstreut ihr Licht im gantzen Himmel,
157
Und trift die blanck und marmorglatte Fluth.
158
Sie eilt den Gipfel zu gewinnen,
159
Und siehet stets von ihrer blauen Bahn
160
Auf Königsbergs erhabne Zinnen.
161
Es scheint, sie stutzt, sie hält am Himmel schwebend an,
162
O Fürst des Lichts! was hat dein Aug erblicket
163
Und dich bezaubert und entzücket.

164
Du siehst, was sich dir nirgends zeigt,
165
Das gröste Wunder dieser Erden,
166
Wodurch die Völcker glücklich werden,
167
Wenn Gottes Huld zum höchsten Gipfel steigt.
168
Das, was die Weisen und Poeten,
169
Wenn sie den Held, den nur ihr Geist gebar,
170
Bis zur Vollkommenheit erhöhten,
171
Gedacht, doch nicht gesehn. Was sonst unglaublich war,
172
Ein weises Haupt auf einem Königs-Throne.
173
Kurtz, unsern

174
Sprich! und sprich ohne Schmeicheley,
175
Ob wol in den bewohnten Reichen,
176
Die du pflegst täglich zu bestreichen,
177
Ein bessres Haupt als
178
Und wer will unser Zeugniß schelten.
179
Was wir gehoft, trift mehr als völlig ein.
180
Soll die Erfahrung selbst nicht gelten?
181
Und was ist
182
Er suchet auch allein um unsert willen,
183
Die Königspflicht gantz zu erfüllen.

184
Das tausendzüngige Gerücht,
185
Die Heroldin wahrhafter Helden,
186
Erhebt sich,
187
Die Sonne rolt, sie überholt ihr Licht
188
Vor dem sie ihr Gefieder schwinget,
189
So weit als es der Länder Rand begläntzt,
190
Und stets die Tage mit sich bringet.
191
Ihr Haupt ist durch die Hand der Billigkeit bekräntzt,
192
Sie ruft, daß Luft, und Erd und Meer ertönet:
193
Der beste König ist gekrönet.

194
Hier, wo das blasse Licht der Nacht
195
Die schimmernden beschneiten Matten,
196
In den gefrornen langen Schatten
197
Der grossen Nacht, bescheint und helle macht;
198
Und dort, wo in der heissen Zonen
199
Der Tage Glut verbrannte Felder drückt,
200
So weit, als rechte Menschen wohnen,
201
Schalt ihr Geschrey zurück, sie stutzt und bleibt entzückt,
202
Denn sie hat mehr zu hören als zu sagen,
203
Und muß fast selber Fremde fragen.

204
Ja,
205
Da sich
206
Wo
207
Must
208
Und wie glückselig wir sind, zeigen.
209
Was ist so groß, daß nicht von
210
Ja! ja!
211
Mit Macht der Ewigkeit entgegen.

212
Du, dessen Huld die Welt umarmt,
213
Du höchster Vater aller Dinge,
214
Vor dessen Vorsicht nichts geringe,
215
Du, dessen Sinn sich aller gleich erbarmt,
216
Sind wir das bessere Geschlechte,
217
Daß du auf uns läßt allen Segen ruhn?
218
Gott! wir bewundern deine Rechte.
219
Was sollen wir, o Herr! und unser König thun?
220
Er, daß du Ihn so groß gewolt erheben,
221
Wir, daß du Ihn uns hast gegeben.

222
Ihr Völker, die der Wächter Schluß
223
Dem weisen Zepter längst bestimmet,
224
Den des
225
Begleitet
226
Der Bahn, wo
227
Seyd weis und fromm, kurtz, so, wie
228
Und würdig, daß
229
Verkündigt stets, so lang ein Tropfen Blut noch rinnt,
230
Mit heiligem und danckbarem Gemüthe
231
Die Mildigkeit der höchsten Güte.

232
Blick auf, o
233
Sieh da in jenem heilgen Lichte,
234
Wohin kein lasterhaft Gesichte
235
Den schnöden Blick getrost zu werfen traut.
236
Sieh da die ewge Liebe selber,
237
Der sanfte Glantz der Güt und Majestät
238
Durchstrahlt die himmlischen Gewölber
239
So weit, als ihr Bezirck ins Reich des Nichtes geht.
240
Es fält ihr Licht auf
241
Und strahlet von der Erden wieder.

242
Er ist es, dessen Almachtsarm
243
Die Welten und die Sonnen lencket,
244
Und allem Seyn und Wesen schencket.
245
Beb und verstum du toller Lästrerschwarm!
246
Gott fordert,
247
Du giebst sie ihm, bereit und überzeugt,
248
Aus reinem ungezwungnem Triebe.
249
Wie anders: Denn
250
Liebt das, wodurch wir glücklich werden können,
251
Wie solt es gegen Gott nicht brennen.

252
Du betest seine Hoheit an,
253
Die Hoheit ohne Gräntz und Ende.
254
Für
255
Seht da den Mann nach Gottes Hertzen.
256
Verdammte Spötter, wagt ihr euch,
257
Mit Gott und Königen zu schertzen!
258
Herrscht dann die Gottesfurcht nicht in der Tugend Reich?
259
Ihr Rasenden, ist sie für einen König
260
Selbst zu verächtlich und zu wenig.

261
Was macht denn
262
Als daß
263
Und dennoch sind wir, die
264
Wir,
265
Nur Menschen, Söhne dieser Erden.
266
Gott ist vollkommen, Gott ist gut.
267
Wie groß muß unser
268
Da
269
Bis dahin kan nur wahre Weisheit streben.
270
Wer aber kan

271
Und ist uns denn von Gottes Hand
272
Nicht diese Wohlfart wiederfahren?
273
Wie? oder habt ihr Undanckbaren
274
Noch, mit Bedacht, nie
275
Wer anders, als das höchste Wesen,
276
Der Gütigste, die Weisheit nur allein,
277
Konnt uns ein solches Haupt erlesen.
278
Der
279
Nein,

280
Ihr, die ihr euch auch ohne Gott
281
Die Welt getrauet zu regieren,
282
Und seine Zügel selbst zu führen,
283
Ihr, die ihr euch, doch eurem Stoltz zu Spott,
284
Weit über seinen Thron erhebet;
285
Bis ihr zuletzt durch den verlachten Fall
286
Der Thorheit eure Namen gebet,
287
Was weiß mein
288
Des Gantzen Höh, das Gott auf Nichts gebauet,
289
Und sein Gesetze durchgeschauet.

290
Besuchte sein durchlauchter Fuß
291
Nicht auch die ungeheuren Gräntzen
292
Der grossen Welten, die dort gläntzen,
293
Trug ihn denn nicht auch seiner Flügel Schuß
294
Dort hin, wo sich die Sonnen drehen?
295
Hat
296
Die grossen Triebwerck angesehen?
297
Verbarg denn die Natur der weisern Lehrbegier
298
Der Räder Gang, die Ketten, Ordnung, Weise?
299
Folgt

300
Was machst
301
In jenen unbetretnen Sphären,
302
Dort mitten in der Geister Chören,
303
Wo alles nur den grösten Herrscher preißt?
304
Die Himmel, seiner Hände Wercke
305
Erzählen
306
Die Veste seiner Hände Stärcke.
307
Die Schaugerüst und Welten ohne Fehler,
308
Erstaunliche Gedächtnißmähler.

309
Der hohen Einsicht längst gewohnt,
310
Bewunderst
311
Wie in unendlich stiller Dauer
312
Der ewige Monarch erhaben thront,
313
Und auf einmal mit einem Blicke
314
Sein ungemeßnes Reich entdeckt, durchsieht,
315
Und seiner Unterthanen Glücke,
316
So weit sich ihre Reih durch beyde Pole zieht,
317
Und tief und hoch durch Erd und Himmel klimmet,
318
Nach seiner Weisheit Rechten stimmet.

319
In seiner heilgen Gegenwart,
320
Vor seinem hohen Angesichte
321
Nährt sich
322
Das er allein den Weisen vorgespart.
323
Und reiner als das Licht der Sonne,
324
Ergötzend, starck, wahrhaftig, ewig, klar
325
Füllt es
326
Die stets der wahre Lohn der Weisen Mühe war.
327
O welch ein Schatz von göttlichen Gedancken,
328
Zum Lauf in den durchlauchten Schrancken.

329
Der Geist des Herrn kommt über
330
Du beugest
331
Der Vater nebst dem ewgen Sohne
332
Gewähren
333
Ihr Völcker, nehmet es zu Ohren!
334
Mein
335
Der grosse Bund ist dort beschworen.
336
Ihr Unterthanen jauchtzt, ihr Feinde hört und bebt!
337
Mein
338
Wohl uns; ihr aber stürtzt zu Grunde.

339
Wohl uns,
340
Der dort die allerhöchsten Lehren
341
Gewürdigt wurde anzuhören.
342
Auf
343
Wer ist, der nicht sein Glücke schauet?
344
Worauf er unsre Wohlfart bauet.
345
Jedwedes Wohl aus dem gemeinen Heile,
346
Und stimmt das Gantze und die Theile.

347
Ermesset
348
Der stets, weil
349
Und so sich fast allgegenwärtig weist,
350
Wie
351
Den
352
Ja,
353
Und wem kan man wohl sicher Gut und Leben,
354
Als dir, o

355
Ja,
356
Seyd sicher, ihr geliebten Heerden,
357
Nein!
358
Weil GOTT der Grund von seiner Tugend ist.
359
Der falsche Wütrich sah betrübet
360
Der Bösen Blut, und Güter voller Lust,
361
Weil er die Bosheit schon geliebet.
362
Doch
363
Der Bösen Blut mit Weisheit anzuwenden,
364
Und

365
Wir sind ja auch
366
Der HERR hat, da er
367
Dis schützest
368
Im Schatten
369
Gerechtigkeit und Rache wird vor
370
Den Weg stets zu dem Siege bahnen.
371
Dein wohlgeübtes Heer ist so zum Schutz als Zier,
372
Und was man noch muß vor ein Wunder schätzen,
373
Kan auch so leicht in Schrecken setzen.

374
Man siehet, wenn die Lüfte glühn,
375
Des Abends in den heissen Zeiten
376
Am Himmel oft von beyden Seiten
377
Das blaue Heer der Wolcken aufwerts ziehn,
378
Da es im Ost der Mond bestrahlet,
379
Und in dem West der Sonnen sinckend Licht
380
Ihr brennend purpurn Lager mahlet.
381
Ihr stoltzer Aufzug ziert des Himmels Angesicht;
382
Da unterdes, die Hitze abzukühlen,
383
Unschädlich helle Blitze spielen.

384
Des Himmels Freund und Feinde sehn
385
Der Lüfte Strahlen in dem Dunckeln
386
Mit untermischten Wittern funkeln.
387
Was sonsten schreckt, scheint ietzo schön:
388
Und weil ihr Feuer nicht versehret,
389
Bewundern sie vergnügt des Himmels Pracht;
390
Doch ein geheimer Schauer lehret,
391
Daß der, so diese Glut zur Lust hervor gebracht,
392
Im Zorn auch leicht den Donner finden könne,
393
Der von gerechter Rache brenne.

394
Doch
395
Der Sieger Schreyn, Besiegter Klage,
396
Ist nicht ein Schauspiel dieser Tage;
397
Da
398
Schaut dort die segensvollen Grentzen,
399
Und hier durchs Feld die blancken Pflüge nur,
400
Nebst den geschwungnen Sensen gläntzen.
401
Seht! hört! wie dort vor euch in jenes Thales Flur,
402
Das überall die weissen Heerden füllen,
403
Die fetten Rinder irrend brüllen.

404
Der
405
Die Künst und Wissenschaften kommen.
406
Ihr Tempel ist schon eingenommen,
407
Die Tugenden ziehn allesammt hinan.
408
Der gantze Himmel kommt hernieder.
409
Wer aber ist die schöne Führerin?
410
Der majestätsche Glantz der Glieder,
411
Ihr Wesen, Blick und Gang verräth die
412
Man höret sie, wer will sie nicht erkennen?
413
Von allen freudig Mutter nennen.

414
Die Juno schien den Göttern nicht
415
So schön, so würdig der Altäre;
416
Da sie in der Göttinnen Heere
417
Als Königin nunmehr, nach dem Gedicht,
418
Im Himmel in der Kron erschienen,
419
Als Du, o
420
Das Land in vollem Segen grünen.
421
Die Nachwelt, die gewiß kaum glaubt, was hier geschehn,
422
Wird
423
Des goldnen Alters Namen geben.

424
Wo sind der Musen neue Höhn?
425
O Maro! stimme mir die Leyer,
426
Mit
427
Was hör ich schon vor sanfte Flöten
428
Auf jener Höh in jenen Lorberwald.
429
Fahrt fort, ihr feurigen Poeten!
430
Ihr thut, was euch geziemt, wenn
431
Wir werden stets in
432
Die Tugend und die Weisheit preisen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Jakob Immanuel Pyra
(17151744)

* 25.07.1715 in Cottbus, † 14.07.1744 in Berlin

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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