Du Sohn der Großmuth und der Treue

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Jakob Immanuel Pyra: Du Sohn der Großmuth und der Treue Titel entspricht 1. Vers(1729)

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Du Sohn der Großmuth und der Treue,
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O Damon, meine Lust, und ewig meine Zier,
3
Du würdiger Bewahrer meines Hertzens,
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Du durch die Huld des Vaters aller Liebe
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Für mich allein bestimmter Freund,
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Sieh da das Bild des gantz entzückten Geistes,
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Durchschau das ofne Heiligste
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Des dir gewiedmeten Gemütes.

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Bis in den stillen Grund der Seelen,
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Vom allerreinsten Licht erhabner Zärtlichkeit
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Durchaus erhellt, verkläret und durchdrungen,
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Entzückst du mich, voll himmlischer Gedancken,
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Mit dir von der unwürdgen Welt,
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Vom Schwarm des Staubs, in ewig heitre Sphären.
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O göttlich schöne Einsamkeit!
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Nichts ist um mich, als du und Doris.

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Ich höre dich, still, ruht ihr Lüfte,
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O Doris höre drauf, du süsse Freundlichkeit,
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Der Unschuld Bild, der Tugend reine Tochter,
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Mein Damon singt von dein und meiner Liebe;
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Der gantze Himmel wird verklärt;
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Mein Hertz, beklemmt von innigstem Vergnügen,
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Schöpft Luft, bey deiner keuschen Lust,
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Erleichtert sich, durch fremde Zähren.

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O Freund, wer giebt dich meinem Arm?
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Was hält, was hält dich auf? was, bist du noch nicht da?
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O Zeit! warum verweigerst du so lange
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Der Brust den Trost, dem Wunsche die Vergnügung?
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Mein Auge weicht nicht von der Höh,
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Wovon der krumme Weg sich zu uns niederdrehet.
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Nun, nunmehr kommen sie hervor.
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Ach! nicht mein Damon, meine Doris.

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Kein Gang in noch entlaubten Schatten
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Des rieselnden und schmahlen Schmerlenbachs
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Kan meinen Fuß in die begrünten Thäler
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Zu sich herab von eurem Wege locken,
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Der steil und voller Sand und Kies
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Für meine Schenckel jetzt allein ein Lustgang bleibet,
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Wo selbst mein niemals müder Schritt
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Noch einen neuen Fußsteg zeichnet.

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Dann steh ich einsam auf der Höhe
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Bey gantzen Stunden still, voll sehnlicher Begier;
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Der Wind pfeift mir durch die zerstöhrten Haare,
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Doch irrt mein Blick durch alle Weg und Felder
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Und über Thürm und Berge hin.
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Oft waffn ich auch die allzublöden Augen;
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Doch Damon, Doris, kommen nicht;
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Und Abends kehr ich traurig wieder.

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Die unverzärtelt muntre Lerche,
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Wenn sie den Morgenthau, gantz frostig, wie bereift,
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Von den geschütterten beperlten Federn sprützet,
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Dringt durch die Macht unschuldig heisser Triebe
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Bis unters rothe Thaugewölck;
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Schaut unter sich Berg, Thäler, grüne Felder,
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Wann die verjüngte Sonn erscheint,
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Und wieder in die Wolcken sincket;

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Bald flittert sie mit regen Schwingen,
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Bald steigt sie schnell empor, bald ruht sie wiederum,
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Und hänget hoch an unbewegten Federn;
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Bald lehret sie hoch aus den blauen Lüften
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Die Welt das Lob des Ewigen;
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Bald singet sie, die Gattin zu erfreuen;
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Und bald ruft sie ihr kirrend zu;
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Zuletzt sinckt sie stillschweigend nieder.

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Dieß sah ich, wenn ich nach dir sah,
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Und fand mit halbem Trost ein gleich betrübtes Bild.
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O fesselte mich nicht das Band der Pflichten,
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Die meiner Treu allein vertrauet worden,
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So flög ich schon in deinen Arm:
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Ich dränge durch die brausend wilden Strudel
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Der Stürm in der durchwühlten Luft,
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Die Dächer, Feld und Wald bestürmen.

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Ich müßt euch sehn, dich und die Doris,
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Die Doris, gegen die mein Hertz ein Feuer nährt,
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Das in der stärksten Loh doch keinen Dampf erzeuget,
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Und die mir selbst das Zeugniß soll ertheilen:
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Ja Thirsis war ein edler Freund,
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Der mich, so sehr, so zärtlich er mich ehrte,
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Nie, wie Tibull des Freundes Weib,
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Durch ein verwehrtes Wort beschämte.

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Dieß soll, o Freund, die Nachwelt wissen,
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Die unsre Lieder liest. Der Jugendzunder liegt
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Zwar in dem Blut und Hertzen auch verborgen,
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Allein die Majestät von ihrer holden Tugend
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Bewafnet auch die meinige
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Durch jeden süssen Blick der ehlich reinen Lichter.
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Die Hydra schnaubet Glut und Dampf,
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Umsonst, die schwartzen Flammen fallen.

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Das kan die Tugend edler Seelen.
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Du kanntest deinen Freund, des Mistrauns tolle Brut
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Bemeisterte sich nie des grossen Geistes,
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Du schaltest nie der ofnen Freundschaft Zeichen,
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Wir lebten, wie Geschwister thun.
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Wie froh war ich, o Freund! bey euren Küssen?
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Vergnügt mit eurer Freundlichkeit,
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O solt ich ewig mit euch leben!

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Begraben in der Ruh der Liebe,
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Von keinem hochgeehrt, von dir allein geschätzt,
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Wollt ich bey euch mein Dach mit Zweigen decken,
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Wenn Gott mich nicht zu andern Diensten rufte,
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Und ich dir nicht zur lieben Last,
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Mir selber zum Verdruß um deinetwillen würde.
103
Die Armuth wär ein Ueberfluß,
104
Ich hätte gnug. Gott, dich, und Doris.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Jakob Immanuel Pyra
(17151744)

* 25.07.1715 in Cottbus, † 14.07.1744 in Berlin

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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