Des Thirsis Ruhe in Damons Freundschaft

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Jakob Immanuel Pyra: Des Thirsis Ruhe in Damons Freundschaft (1729)

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Schätzbarste Stütze meines Wohls,
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Mitleidender Gefehrt, trostreichster, liebster Zeuge
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Der stillen Sorgen banger Tage,
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Du unbestechlicher Bewahrer meiner Treu,
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Und der, in deinem edlen Busen
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Ernährten, ewgen Gluth der Redlichkeit.
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Ach Freund, ach Damon, laß mein Hertz
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In deinem mir stets ofnen Hertzen
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Die Freystatt für den Kummer suchen.
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Ja, ja, du öfnest deinen Arm!
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Ich flieh ins Heiligthum von deinem ofnen Hertzen.
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Hier leg ich meine Lasten nieder,
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Und mein beklemmter Geist erholt sich, schöpfet Luft.
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O welch ein Einfluß süsses Trostes!
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O welche Linderung, o welch ein Meer voll Lust
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Ergiesset sich in meine Brust!
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O glückliche, o hohe Stärckung!
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O theure Freundschaft sey gesegnet!
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Ja, Freund, sonst find ich nirgends Ruh,
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Als nur in Damons Brust, und dort in Gottes Himmel,
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Gestärckt durch mein und deine Tugend;
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Die Tugend, die nur jetzt der Weisheit stilles Licht,
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Von Gott geschenckt, im Nebel führet.
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Ich fühle das Gewicht von der Beängstigung,
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Ich walle oft in trüber Nacht,
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Wie mitten in dem Sturm der Wellen,
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Jedoch ihr Schimmer theilt die Schatten.
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Ich gebe keine Großmuth vor,
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Die aus der Felsen-Brust der Menschen ausgestossen;
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Gott wills, ich fühle meine Sorgen;
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Ein Hiob geht bey mir zehntausend Catons vor.
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Der tobet wider Welt und Himmel;
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Der trägt die Last und seufzt, doch murrt er nicht dabey.
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Jedoch, das eitle Zeitliche
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Ist wohl vielleicht des Pöbels Sorge?
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Freund, kan sonst was die Tugend drücken?
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Doch Damon fühlet es ja auch.
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Ja, Freund, dein Beyspiel ist das Zeugniß dieser Wahrheit.
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Der Tugendhaftige, der Pöbel,
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Stehn unter einer Last, doch himmelweit entfernt.
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Des Pöbels Unglück sind die Laster,
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Des Tugendhaftigen nichts, als sein Unglück selbst.
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Der Pöbel mehrt sich seine Quaal
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Durch Niederträchtigkeit und Klagen.
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Hier seufzt der Mensch, die Tugend tröstet;
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Wie, wenn der Sturmwind den Orest
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Von seinem Pylades in eine Wüste schmeisset;
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Der an dem Ufer gantz verlassen,
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Der mitten aus der Fluth die Hände ringt und streckt,
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Doch, selbst vom Wetter fortgerissen,
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Ihn in der Wüsteney mit Jammer lassen muß.
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Dann irret jener an dem Ufer,
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Und rufet seinen Freund, sein Nam erfreuet ihn,
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Mit Angst und Zärtlichkeit erfüllt.
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Doch mitten in der weiten Wüste
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Reicht Gott und Tugend ihm die Arme.
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Du höchster Vater aller Welt,
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Gott auch des kleinsten Wurms, laß uns in Schweiß und Sorgen
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Die gantze Last der Tugend tragen;
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Nur aber laß mich nie in Niederträchtigkeit
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Der schwartzen Bosheit dienstbar werden.
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Verbleibe du mir stets, o meine Poesie,
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In deiner hohen Reinigkeit.
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Las sie zum Dienst der schnöden Seelen,
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O Himmel, nie erniedrigt werden.
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Was vor ein anmuthsreicher Strahl
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Durchschimmert meine Nacht und mahlt die finstern Nebel,
68
Aus welchem freudenvollen Himmel – – –
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O, Doris, bist du es, du lächelst, und es taget.
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Dein Blick erheitert unsre Tugend,
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Und du lachst auch, du kleine Munterkeit,
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Du, der verschwundnen Tage Lust,
73
O Hilas, auf der Doris Schoosse.
74
Ja schertzt vergnügt. Dieß tilgt mein Sorgen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Jakob Immanuel Pyra
(17151744)

* 25.07.1715 in Cottbus, † 14.07.1744 in Berlin

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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