Heil mit dir, du theurer Knabe

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Jakob Immanuel Pyra: Heil mit dir, du theurer Knabe Titel entspricht 1. Vers(1729)

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Heil mit dir, du theurer Knabe,
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Anmuthsvolles holdes Kind,
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Hoffnungsreicher Hilas, wachse!
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Sprossend blühend edler Zweig,
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Eines Gottgeweihten Stammes,
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Unter dessen süssen Schatten
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Thirsis, der getreue, sang:
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Steige glücklich in die Lüfte.

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Du befeuchtend heilger Segen
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Thaue auf sein grünend Haupt,
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Aus dem schattenleeren Himmel.
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Und du Sonne ewger Huld,
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Breite die geweihten Strahlen
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Ueber seine junge Blätter.
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Ja die Vorsicht wache selbst
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Für dein Wachstum, dein Gedeyen.

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Freude deines edlen Vaters,
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Eintzger Trost der treuen Brust,
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Ja du wächsest, ja du blühest,
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Mein Gelübde wird erhört.
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Freude, Lachen, Schertzen, flattern
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Rund um dich auf allen Seiten.
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Und wer führt dich an der Hand,
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Ists Aglaja, oder Doris?

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Ja sie ists, sie führt ihn lächelnd,
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Und ihr Hertz hüpft, wie ihr Söhnchen.
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Aber alle Gratien
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Tantzen um sie her im Kreise,
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Und bestreuen sie mit Blumen,
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Doris lächelt, spielt und singt.
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Ihr vergnügensvoller Blick
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Macht die trüben Lüfte heiter,
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Machet lauter Rosen wachsen,
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Und der Lentz herrscht überall.

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Unterdessen sitzet Damon
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Freudig, doch in ernster Stille,
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Und sein Ernst ist Hilas Spiel.
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Alles Lachen, Springen, Schertzen,
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Die Lebhaftigkeit der Freude,
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Die Entzückung in der Lust,
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Munterkeit in den Geberden,
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Saltz in ungesuchten Worten,
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Seines Geistes Schildereyen,
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Prüft dein philosophscher Blick,
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Untersucht, mit frohen Schlüssen,
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Dein wahrsagendes Gemüthe.

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Ja von deiner muntern Jugend
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Siehest du das Lustspiel hier,
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Von der Unschuld aufgeführet.
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Und die frohe Weisheit selber
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Mischt sich unter das Geleite
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Der vergnügen Kindheit ein.
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Ja sie führt ihr lachend Chor
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Selbst zum Tantze, an den Reihen.
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Hilas hüpft in ihrem Circkel,
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Dessen junges Haar ein Kräntzgen
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Von den Gratien durchbalsamt,
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Und die Mutter singt zum Tantze.

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Aber, welch ein neuer Aufzug!
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Welch ein Glantz zertheilt die Wolcken!
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Sieh hinauf, des Himmels Thor
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Oeffnet seine goldne Flügel,
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Und die Kinder jenes Lichtes
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Steigen mit begläntzten Schwingen
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In den nahen Hain herab.

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Sie umringen meinen Hilas,
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Und die heilig holden Hüter
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Wachen über jeden Schritt.
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Unbesorgt spielt er mit ihnen,
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Einem kleinen Engel gleich.
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Himmlisch reine Harmonien
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Schallen durch die nahen Büsche,
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Und gewöhnen schon sein Ohr
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Zu unsterblichen Gedichten.

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Aus der unsichtbaren Schule
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Kömmt er einst in deine Hand;
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Dann wird sich von deinem Geiste
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Ein gelehrter Einfluß stets
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In des jungen Dichters Brust,
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Der dir nachgeflogen, giessen.
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Ja mich dünckt, wir sehen ihn
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Schon mit deinen Flöten spielen.

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Strenges Schicksal, könnt ich doch
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Dann um meinen Hilas seyn,
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Wann sein Mund den nahen Wald,
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Seine zitternd erste Töne
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Wiederschallen lehren wird.
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Damon, Doris, Hilas, ach!
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Sollt ich doch an eurer Seite
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Einst mein Schwanen-Lied noch singen!
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Und du, o mein liebster Freund,
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Thränend einst mein Grabmal krönen!
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Hier sprach mein Hertz; hier schwieg die Kunst.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Jakob Immanuel Pyra
(17151744)

* 25.07.1715 in Cottbus, † 14.07.1744 in Berlin

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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