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Die Kinder der Natur, die Blumen
kommen mir;
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So oft ich solche seh, als klare Zeu-
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Die wie mit einem Mund zum Ruhm
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Erweget sie nur recht ein aufmerksam Gemüth;
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So kommen sie uns vor, als Sprossen seiner Güt,
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Die er uns Hauffen-weis an allen Orten giebet,
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Weil er den Menschen hold, und sie als Kinder liebet.
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Die Blumen zeigen uns des Schöpfers Gütigkeit,
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Weil ihr gefärbter Schmuk das Auge sehr erfreut;
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Die Menge zeiget uns wie sehr er uns gewogen,
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Weil er mit ihrer Zier Feld, Wiesen, Wald be-
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Die Gärten ausgepuzt: indem das grüne Land,
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Mit einem sammtnen Tuch von Graß gewirkt, be-
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Und mit der Blumen Gold recht herrlich ausge-
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Mit Silberfarbnen Glanz recht kostbar ausgestik-
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Und andren Farben mehr die die Natur gemahlt,
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Woraus des Höchsten Güt uns stets ins Auge
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Der Schauplaz steht uns frei, daß wir die Lust
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Die Düfte schenkt er uns, die ins Gehirne fliessen,
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Und den Geruch erfreun, der ihre Lieblichkeit,
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Begierig in sich zieht zur holden Frühlings-Zeit.
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Des Schöpfers Meinung ist, daß wir an seinen
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Die jedem unverwehrt, so Aug als Herze laben:
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Und darum hat er auch in Wald und freien Feld,
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So vielen Blumen-Schmuk zum Zierrath aufge-
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Die Menschen haben auch die Augen dran ergöz-
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Und aus der fremden Welt sie hie und da versezzet,
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Und Gärten angelegt, durch ihrer Lust Bemühn,
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Der schönsten Blumen Art vor sich selbst aufzu-
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Da wählen sie die aus, die sie als Königinnen,
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Von einer jeden Art vor andern lieb gewinnen.
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Sie schaffen Saamen an, und Zwiebeln draus der
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So mancherlei erzielt, die roth, gelb, grün und
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Und die vor andern schön nach ihrer Meinung
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Die pflegen sie mit Ruhm vor andern zu bekrän-
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Wird eine theur geacht; als eine Seltenheit:
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So muß des Höchsten Güt den hämisch bittren
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Gar oft Gelegenheit zu einer Sünde geben,
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Die schändlich für uns ist, wenn wir als Menschen
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Es ist bei einigen, die man Blumisten heist,
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Daß sie dieselbe Blum, die man als herrlich preißt,
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Nicht leichtlich einen Freund in seinen Garten gön-
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Sie wollen nur davon sich als Besizzer nennen.
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Und wenn sie von der Art den grösten Ueberflus,
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So theilen sie doch nicht mit andern den Genus;
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Ein andrer sol sie nicht in seinem Garten haben,
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Und sich nicht an den Glanz, den man bewundert
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Man wirft sie lieber weg, und läßt sie untergehn,
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Damit sie nur nicht auch bei andern sei zu sehn.
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Das ist der Mißgunst Art, der pflegt es zu ver-
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Wenn andere mit ihr ein gleiches Gut geniessen;
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Ich weis die Neidischen, die wenden dabei ein,
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Sonst würde ihre Blum und Schönheit zu gemein.
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Was schön ist bleibet schön, und kan uns doch ver-
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Und solte auch die Art in allen Gärten liegen.
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Man merkt die Einbildung, was selten, das sei
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Die kan nach der Vernunft nicht gar zu wol be-
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Die Meinung die regiert; nach ihres Wahns Ge-
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Pflegt man der Dinge Preis und ihren Werth zu
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Die Eigenliebe will die Blume sol allein,
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Die kostbar wird geschäzt, in ihren Garten seyn:
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Darum zerreisset man des gütgen Schöpfers Ga-
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Die seltne Art vor sich zur Augenlust zu haben.
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Die ewge Gütigkeit, die uns die Blumen giebt,
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Zeigt uns im Beispiel an, daß sie ja alle liebt,
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Und wenn sie uns mehr schenkt, als wir davon ver-
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So ist es nicht erlaubt, damit allein zu prangen.
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Man lasse andern auch der Blumen seltnes Schön
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Zu ihres Schöpfers Ruhm, mit uns zugleich be-
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Das schadet keinen nicht, und wären gleiche Arten,
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Die uns so angenehm, in jeden Blumen-Gar-
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Es nimmt der deinen nicht der Farben Mannifalt,
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Noch seine Lieblichkeit, Geruch, Form und Ge-
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Und sage was du wilt, es wird dir dein Gewissen
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Des Neides Bitterkeit auch hierin zeigen müssen.
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Wer andern das nicht gönnt, was
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Der ist des Guts nicht werth, das
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Wer so die Blumen liebt, der ist den Dornen-
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Die schöne Rosen nähren, hierinnen zu vergleichen.
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Wer von ihm Rosen nimmt, sich zum Vergnügen
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Dem wird gar oft der Dorn, in seine Hand ge-
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Der Busch der kan doch nicht die Rosen vor sich
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Und dennoch pflegt er sie so stachlicht zu beschüzzen.
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Wer ein Blumiste ist, und hat das in Gebrauch,
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Daß er was schön versagt, der ist ein Dornenstrauch
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Der ungern Rosen giebt: Der Strauch läst sie ver-
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Und ein Blumiste läst sie lieber untergehen.
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Wer als ein Mensche liebt, der gönnt dem andern
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Der Blumen schönen Schmuk derselben süssen
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Und wer so neidisch ist, der hätte wol verdienet,
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Daß seine Lust vergeh, die ihm alleine grünet.