»dies war die Stelle«, sprach ein greiser Krieger

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Franz von Dingelstedt: »dies war die Stelle«, sprach ein greiser Krieger Titel entspricht 1. Vers(1847)

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»dies war die Stelle«, sprach ein greiser Krieger,
2
»wo wir im Winter über sind gesetzt;
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Hier haben wir zum ersten Mal als Sieger
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Auf ihrer Schwelle unser Schwert gewetzt.
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Herr – Eine Lust! Der Alt' auf seinem Schimmel,
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Dort sprengt' er in die eisbedeckte Flut,
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Und in den Wellen spiegelte der Himmel
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Hell seine Sterne ab und unsren Mut.«

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Nachdenklich sah ich in das dunkle Wasser,
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Das träumend durch die stille Talschlucht zog.
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Die Bilder alle der Franzosenhasser,
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Friedlich zu Fuße und zu Rosse hoch,
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Die zahmen, die mit Wort und Reimen streiten,
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Die wilden, die der Kampf ins Feuer trug,
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Ich sah gespenstig sie hinüberschreiten,
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Gen Westen zu ein langer Pilgerzug.

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Grau nickten die zerbrochnen Ritterschlösser
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Hernieder an den »freien, deutschen« Strand ...
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War jene Zeit, so fragt' ich, deutscher, besser
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Und freier, da ihr stolzes Haupt noch stand,
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Da Sang und Klang von ihren Söllern tönte
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Und Jammer aus dem dunklen Burgverlies,
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Da frech der Edle die Vasallen höhnte
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Und Wanderer am Wege niederstieß?

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Und jene Zeit, da mit dem Fürstenschwerte
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Der Krummstab eines mächt'gen Pfaffen focht?
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Und jene, da die freie, deutsche Erde
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Ein kühner Römer spielend unterjocht – ? –
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»frei« war der Rhein, da er durch öde Steine
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Noch unbewohnt sich selbst die Bahnen brach,
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»deutsch« war der Rhein, da hier im Eichenhaine
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Ein wildes Volk auf Bärenhäuten lag!

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Geht mir mit Euren Liedern für und wider!
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Geduldig ist das lumpige Papier,
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Gleichgiltig strömt und kühl die Welle nieder,
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Taub für der Menschen Zank um Mir und Dir,
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Dem Franzmann beut sie schmeichlerisch den Rücken
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Und trägt den Deutschen, wirft er sich hinein:
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Der Rhein, wie Ihr, läßt sich von jedem drücken,
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Drum heißt er auch der freie deutsche Rhein.

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Dumpf grollend ging die Woge mir zu Füßen,
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Als wüßte sie, was meine Lippe schalt.
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Da tauchte abwärts, unter Böllerschüssen,
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Ein Nachtbild auf von riesiger Gestalt;
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Dem Strom entgegen wälzte sich im Düstern
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Mit Donnerton der Dämpfer her von fern,
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Und Rauch und Schaum entsprühte seinen Nüstern,
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Und hoch am Maste hing es wie ein Stern.

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Stern einer neuen Zeit! Sei mir willkommen!
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Du gehst zur richtigen Minute auf,
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Heran mit Deinen Wundern komm geschwommen,
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Entgegen dem gewohnten Wellen-Lauf,
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Erwecke sie, die hier am Ufer träumen,
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Und reiß sie fort mit Deiner Räder Kraft!
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Ja, brausen muß, wie Du, die Zeit und schäumen,
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Eh' sie den neuen Geist lebendig schafft!

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Strom-auf und nieder schwinge Deine Fahnen,
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Trag hin und her Dein Feuer durch die Welt,
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Sei mit den eisernen Gedanken-Bahnen
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Der Blitz, der uns die graue Nacht erhellt,
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Das Band, das uns Geschiedene vereinet,
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Die Hand, die uns durch Rad und Ruder lenkt –
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Dann wird er »frei«, doch freier, als Ihr meinet,
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Dann wird er »deutsch«, doch deutscher, als Ihr denkt!

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Auf, frommes Köln, auf, heitres Mainz, erwache,
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Du, junges Mannheim, mache Dich bereit;
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Von Stadt zu Stadt, den wachsenden, entfache
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Sich die Aurora einer neuen Zeit!
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Und Ihr, die uns von deutscher Lebensader
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So viel geschwatzt, – daß sie zu reich nicht quillt!
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Ihr schürtet drin und draußen an dem Hader,
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Wie, wenn er,

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Ihr habt's beschworen, seht nun, daß Ihr's zwinget,
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Sonst wächst das Kind Euch alten übers Haupt;
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Dort fliegt es hin, ein Vogel leicht beschwinget,
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Unhemmbar, stark, am Ziel, eh Ihr es glaubt.
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Der freie Rhein – Ja, frei nicht bloß von Franken,
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Der deutsche Rhein – Ja, deutsch nicht bloß zum Spaß ...
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Gut' Nacht! Ich will dem alten Herr-Gott danken,
80
Daß er – Genug, ich weiß noch nicht für was!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz von Dingelstedt
(18141881)

* 30.06.1814 in Halsdorf (Wohratal), † 15.05.1881 in Wien

männlich, geb. von Dingelstedt

deutscher Dichter, Journalist und Theaterintendant

(Aus: Wikidata.org)

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