Hier laßt ihn bleiben in der kühlen Halle

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Franz von Dingelstedt: Hier laßt ihn bleiben in der kühlen Halle Titel entspricht 1. Vers(1847)

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Hier laßt ihn bleiben in der kühlen Halle,
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Im Vorhof freier Kunst und Wissenschaft;
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Stellt ihn nicht hin, ein Schaugericht für alle,
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Ihn, der dem Pöbel stets sich stolz entrafft!

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Wer nach ihm sucht, wird ihn zu finden wissen,
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Steht er auch nicht auf offnem Markte aus,
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Nur gebt ihn Eurer Nächte Finsternissen
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Nicht preis und Eurer ew'gen Winter Graus!

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Ihr lest es klar in diesen Marmorzügen,
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Im Lächeln, das die Grazien geweiht:
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Allein den Besten seiner Zeit genügen,
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Das war ihm Trost und das Unsterblichkeit.

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O du, der Deinen Liebe kaum erreichbar,
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Wie drückst du in den Staub wer dir sich naht!
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Wie herrlich, dem Olympier vergleichbar,
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Thronst du in deinem Hohenpriesterstaat!

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Seht dieser Glieder Füll' und Mannesstärke,
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Die Wölbung dieser lebensreichen Brust,
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Die breite Stirn, die Wiege seiner Werke,
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Des Nackens Hoheit, frei und selbstbewußt,

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Des Mundes Anmut, selbst im Steine lebend,
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Des Heldenleibes selig-feste Ruh';
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Noch flattern, leicht wie Schatten um ihn schwebend,
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Gedanken diesen vollen Schläfen zu.

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So dachte ihn, so malte ihn die Liebe
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Und fügsam folgte Künstlers Meißel ihr;
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Ja, wenn uns nur dies eine Bildnis bliebe,
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Wir hätten doch das treueste von dir.

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Wie anders aber, da ein wirklich Leben
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In Schritt und Blick und Wort dies Bild noch trug,
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Da dieser Geist noch schuf in mächt'gem Weben,
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Da dieses Herz in warmen Pulsen schlug!

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O daß ich damals mich mit Flügelschnelle
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Zur Pilgerfahrt nach Mekka nicht geschickt,
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Daß nie mein Knie an deines Zimmers Schwelle,
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Der heiligen Kaaba sich gebückt!

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Ein Knabe war ich, als die Trauerkunde
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Von deinem Tode durch die Lande scholl,
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Noch weiß ich, wie ich sie mit bangem Munde
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Nachlallte, Herz und Auge übervoll.

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Nun kann ich vor dein totes Bild nur treten,
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Freudlos strömt meiner Liebe Schatz sich aus,
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An deiner Fürstengruft nur darf ich beten
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Und weinend gehn durch dein verwaistes Haus.

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Ach wie ein Kind, ein müdes, lehn' ich neben
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Dem Marmorblock, der deine Züge trägt,
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Und meine Lippe drückt mit stummem Beben
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Auf deine Hand sich, heiß und tiefbewegt.

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Ein Schauer rieselt aus des Steines Kühle
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Durch Hirn und Blut mir, wie ein kalter Schlag,
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Und aufgerührt mit wechselndem Gefühle
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Zuckt meine Seele dieser Strömung nach.

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Was in mir war, Unlauteres und Wildes,
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Ward fortgeflößt von diesem Geisterkuß,
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Ein neues Leben rinnt, ein reines, mildes,
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Durch meiner Adern friedlicheren Fluß.

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Du bist mir nahe, ich empfand dein Walten,
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Beschwichtigt schwieg der Drang der Welt in mir,
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Ein lichter Kreis verheißender Gestalten
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Grüßte, wie Zukunftsträume, mich von dir.

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Die Stätt' ist heilig – Löset mir die Schuhe,
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Hier fall ich nieder, wo ein Gott geweilt;
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Als sein Vermächtnis säuselt sel'ge Ruhe
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Durch diesen Tempel, allen mitgeteilt.

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Nun laßt mich mit dem Dichterschwure scheiden,
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Den ich ihm gab als dieser Stunde Pfand!
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Ist er gelöst durch Taten und durch Leiden,
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Dann wieder küss' ich meines Meisters Hand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz von Dingelstedt
(18141881)

* 30.06.1814 in Halsdorf (Wohratal), † 15.05.1881 in Wien

männlich, geb. von Dingelstedt

deutscher Dichter, Journalist und Theaterintendant

(Aus: Wikidata.org)

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