In diesen Zellen schlafen sie

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Franz von Dingelstedt: In diesen Zellen schlafen sie Titel entspricht 1. Vers(1847)

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In diesen Zellen schlafen sie,
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Die Mittelding' von Mensch und Tiere,
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Behandelt wie das liebe Vieh,
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Wie dies gestreckt auf alle Viere.
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Wie dumpf, wie dunstig rings ums Haus
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Und drin welch Toben, Stampfen, Schreien!
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Hier Lieder voller frohem Graus,
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Dort irrer Glieder Selbstkasteien!

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O Wahnsinn! Schreckliches Gespenst,
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Die Geißel in entfleischten Händen,
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Wenn du bald frech vorüberrennst,
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Bald lauernd schleichst an unsern Wänden,
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Wer bürgt dafür, daß deine Faust
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Nicht plötzlich unsren Scheitel treffe,
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Und daß, der bei den Tollen haust,
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Der Geist nicht längst uns selber äffe?

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Die kranke Lieb', den kranken Stolz,
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Wir sperren sie in ehrne Stäbe,
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Um unser Maß aus dürrem Holz
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Ziehn wir jedwede Wucherrebe,
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Was nicht so denkt, wie wir, und nicht
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So fühlt, das zählen wir zu Kranken,
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Und ob nicht just Gesundheit spricht
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Aus ihren taumelnden Gedanken?

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So sperrst du auch den Löwen ein,
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Du zeigst ihn keck in deinen Gittern,
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Und fühlest doch bei seinem Schrei'n
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Das Herz im Leibe dir erzittern;
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Nennst du ihn toll, nennst du ihn frei,
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Wenn er zerreißt, der ihn gehütet,
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Und seinem Zwingherrn stolz vorbei
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Blutlechzend durch die Gassen wütet?

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Pocht auf das Monopol »Vernunft«
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Nicht allzufest in Euren Sitzen,
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Groß ist der Narren heil'ge Zunft,
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Dies Haus stets offen für Novizen.
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Die dort am letzten Fenster, war
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Vor Jahren eine schmucke Dirne,
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Demanten blitzten ihr im Haar
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Und Anmut von der schönen Stirne.

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Um ihres Mundes Lächeln rang
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Ein Heer von albernen Gesellen,
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Jetzt lacht sie, daß den Gang entlang
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Die Töne schrecklich widergellen;
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Einst kniete man vor diesem Weib,
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Jetzt sieh', wie sie sich schamlos windet
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Und gierig den entweihten Leib
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Dem Knechte beut, des Hand sie bindet.

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Ich fühlte, wenn ich nächtig schritt
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Wohl oft so was von Wahnsinns Nähe,
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Dicht hinter mir ein plumper Tritt,
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Im Ohr Gelächter und Gekrähe;
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Es packte mich im Nackenhaar
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Und raunte schauerliche Weisen,
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Und aus dem Dunkel starrte klar
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Ein Aug' mich an mit Flammenkreisen.

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Das ist, wovor mir bangt und graust:
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Nur nicht in dieses Hauses Schrecken,
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Nicht unter jener Henker Faust,
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Nicht in das Schrei'n und Zähneblecken!
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Und doch zu diesem Tore zieht
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mich immerfort ein heimlich Harren ...
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Hinein, hinaus? ... Mein Fuß entflieht,
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Sobald die schweren Riegel knarren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz von Dingelstedt
(18141881)

* 30.06.1814 in Halsdorf (Wohratal), † 15.05.1881 in Wien

männlich, geb. von Dingelstedt

deutscher Dichter, Journalist und Theaterintendant

(Aus: Wikidata.org)

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