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Jm Garten hört ich jüngst den süß'- und scharffen
Schall
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Der feurig schlagenden verliebten Nachtigall.
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Ich ward dadurch gerührt, gereitzt, ergetzet
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Und, durch den reinen Klang, fast aus mir selbst gesetzet.
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Ich horcht’ aufmercksam zu, wie lieblich, süß und hell,
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Wie scharf, wie rein, wie rund, wie hohl, wie tief, wie
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Sie Stimm’ und Ton formirt, verändert, theilet, fügt,
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Und, durch unzähliche Verändrung, uns vergnügt.
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Oft weiß sie Schnarren, Flöten, Zischen,
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In unbegreiflicher Geschwindigkeit, zu mischen.
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Oft fängt sie einen Ton mit hellem Flöten an,
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Fällt in ein Zwitschern, schlägt, lockt, winselt, jauch-
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Und alles fast zugleich: oft bricht sie ihn, oft dehnt,
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Oft drehet sie den Ton, oft wirbelt sie den Klang,
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Und ändert tausendfach den frölichen Gesang.
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Indem ich nun, bey einer dicken Hecken,
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Zu Ende der bewachsenen Allee,
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Erblick ich ungefehr an einer Ecken
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Ein gleichsam buntes Licht. Es legte mir,
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In einer mehr als güldnen Zier,
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Ja, die sich von Smaragd, Sapphier
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Und anderm Edelstein kaum unterscheidet,
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Ein über-wunder-schöner Pfan,
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In prächtigen Talar von güldnem Stück gekleidet,
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Der Federn bunten Glantz und Herrlichkeit zur Schau.
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Ich stutzt’ und meine Seel’ empfand, wie diese Pracht
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Für Anmuth halb verwirrt, fiel mir hierüber bey:
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Wie doch in der Natur so mancherley
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Veränderung und Pracht, an Lust und Schönheit, sey.
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Man spürt es sonderlich an diesem Vögel-Par.
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Ein unsern Geist bezaubernd Singen
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Läßt von der gantzen Vögel-Schar
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Der Unansehnlichste, zu unsrer Lust, erklingen;
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Und ein verdrießliches und rauh Geschrey erschallt
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Aus eines Vogels Hals, der Himmlisch an Gestalt
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Fast mehr, als irdisch, ist. Diß kan ein Beyspiel seyn,
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Dacht ich, daß einer alle Gaben
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Nicht leichtlich soll beysammen haben.
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Kaum aber hatt ich dieß gedacht,
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Als mir, in Purpur-farbner Pracht,
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Ein frischer Rosen-Busch schnell in die Augen fiel.
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Der aber ward nicht nur allein der
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Die beide sich daran recht zu ergetzen taugen.
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Wodurch ich denn, mit Uberzeugung, fand,
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Wie eine doppelte vergnügend’ Eigenschaft,
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In dieser Blume, sich, zu unsrer Lust, verband.
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Dem Dencken gab ich ferner Raum,
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Und fand von ungefehr an einem Kirschen Baum,
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Der eben, voller Frucht, in süsser Röthe glühte,
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Ein Gegenwurf von allen Sinnen war.
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Sein sanft Geräusch dem
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Wer kann des Schöpfers Huld genug zu rühmen
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Da er nicht nur in unserm Leben,
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In den fünf Sinnen, uns, zu so verschiedner Lust,
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Verschiedne Thür- und Oefnungen gegeben;
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Da er nicht nur, zur Anmuth unsrer Brust,
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Solch’ eine Cörper-Meng, und Millionen Sachen
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Zum Gegenwurf der Sinnen wollen machen;
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Da er so gar verschiedne Cörper schaft,
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Die, mit so wunderbar vereinter Kraft,
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Nicht nur durch einen Sinn uns in Vergnügen
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Nein, durch verschiedene, ja gar durch all’ ergetzen.
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Ach, laßt uns denn hierdurch aufs neu’ in seinen Wercken
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Die Proben seiner Macht und weisen Liebe mercken!
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Ach, lasst zu seinen heil’gen Ehren,
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Bey stets vermehrter Huld, auch unsern Danck sich mehren!