56. De Sokratische Method'

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Fritz Reuter: 56. De Sokratische Method' (1842)

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De Schaulrat Ix ut Ixenstein,
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De süll de Schaulen mal nahseihn
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Un kamm denn ok nah Ohserin
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Tau den Schaulmeister Rosengräun.
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Na, nu ward grot Examen sin.
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De oll Schaulmeister hett in Nöten
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Un sihr in Angst un Bangen seten!
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Doch helpt't em nich, hei möt heran
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Un wisen, wat hei lihren kann.
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Dat deiht hei nu, un kolle Sweit
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Deiht em von dat Gesicht 'raf lecken.
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Denn wat hei sünst so prächtig weit,
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Dat is hüt allens in de Hecken,
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Un de verdammten Jungs, de weiten nix,
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Un unse gaud Herr Schaulrat Ix,
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De sitt so vörnehm un so still
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In sinen Lehnstaul achteräwer leggt,
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As wenn hei all'ns sick marken will,
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Wat hir vör dummes Tüg ward seggt.
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Doch gung dat beter, as hei dacht,
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Denn de Herr Schaulrat hadd vergangen Nacht
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Ganz prächtig rauht,
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Ok gaud verdaut,
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Sin Unnerliw was in de Reih,
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Un frühstückt hadd hei hüt vör twei.
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Hei seggt denn also blot: »Mein lieber Freund,
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Sie unterrichten noch nach alter Mode,
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Warum nicht nach Sokratischer Methode?«
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»ich weiß nich, woans diese seind«,
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Seggt Rosengräun, »wenn Sie's mich weisen wollen,
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Denn will ich gerne Schul nah hollen.«
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»nichts leichter ist als das.
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Komm her, mein Sohn, und sag mal, was
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Ist das wohl für ein kleines Flüßchen,
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Das dicht hier fließt am Dorf vorbei?
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Nun, nun! Besinne dich ein bißchen!
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Du weißt es nicht? – Nur keine Scheu!
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Nun sag mal, wenn man Böses hat getan,
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Was muß man später dafür leiden?
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Du, meine Tochter! Bu – Bu? Wer weiß es von euch beiden?«
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»denn tun wir Buße«, seggt Fik Thran.
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»ganz richtig! Und statt 'Buße' sagt ihr 'Busse',
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Denn habt den Namen ihr vom Flusse. –
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In welchen Fluß fällt nun die Busse?
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Nun, Kinder, nun! Besinnt euch wieder!
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Was fällt wohl all's vom Himmel nieder?
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Nun?« – »Regen.« – »Weiter!« – »Snei.« – »Was weiter?« – »Dak.«
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»was weiter sonst?« – »Ick weit't«, seggt Hanne Knak.
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»nun denn, mein Söhnchen?« – »Hagel.« – »Recht!
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Und wenn ihr nun statt 'Hagel' 'Havel' sprecht,
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So habt ihr's ja heraus, ihr findet
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Den Fluß, in den die Busse mündet.
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Und nun die Havel! Sagt, wie ist ihr Lauf?
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Und welcher Fluß nimmt wohl die Havel auf?
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Nun? Nun? – Ihr werd't ihn sicher kennen.
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Wer kann von euch den Fluß mir nennen? –
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Nicht? – Nun, denn tret mal einer vor, ihr Lieben,
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Damit ich auf den Weg ihm helfe.
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Nun zähle mal!« – »Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben.«
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»nun, weiter!« – »Achte, neune, zehne, elfe.«
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»halt an! Statt 'elfe' saget ihr nun 'Elbe';
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Ihr seht, es ist beinah dasselbe. –
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Nun aber ...« – »Herr«, seggt Rosengräun,
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»dies Stück hätt ich Sie schon afseihn,
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Das könnt ich auch. Wenn Sie das wollen,
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Denn müggt ick woll 'ne Prauw afhollen.«
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»jawohl, jawohl, mein lieber Freund,
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Das würd' mich ganz besonders freun.«
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»na, denn man zu!« seggt Rosengräun,
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»da wir nun bei der Elbe seind,
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So woll'n wir sehn, wo selbe bleibt.
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In's erst geht sie nach Hamborg ran,
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Wo sie sehr starke Schiffohrt treibt
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Un wo man wieder sehen kann,
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Wie weise Gott es ingerichtet hat,
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Daß bei 'ner jeden großen Stadt
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Ein großer Fluß fließt auch vorbei,
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Damit die Schiffohrt möglich sei.
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Nu sag' mich aber, Jochen Plasten,
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Wo bleibt nu woll die Elbe nahsten,
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Wo mündet sich die Elbe rein? –
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Dat weißt du nich? – Na, Körling Heinz,
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Komm du mal her, un zähl mal eins!»
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»eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun,
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Zehn, elf, zwölf ...« – Halt!« seggt Rosengräun,
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»wo mündet nun die Elbe rein?
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Fällt keinem denn der Name ein? –
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Nun, 's ist doch so'ne leichte Sach'!
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Denkt doch bei 'zwölfe' etwas nach!
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'zwölf' – 'zwölfe'! – Tut's euch überleggen! –
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Seid ihr denn alle in den Däs'?
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Da stehn sie nu, die Dämelkläs'!
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Stats 'zwölfe' müßt ihr 'Nordsee' seggen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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