46. Verachtung der Welt

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Fritz Reuter: 46. Verachtung der Welt (1842)

1
Tau Hamborg steiht en oll Gebüd',
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Dor schenken s' gauden Drunk;
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Ledweik un döstig sünd de Lüd',
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Wenn s' rinne gaht, doch frisch un jung
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Kamt s' rute ut den käuhlen Keller.
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Herr Heerlein hadd en Wingeschäft,
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En orndlich Wirtshus frilich höll'e
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Grad nich, doch för sin besten Kunnen,
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De sick tau Middagstid infunnen,
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Würd achtel-, virtel-, buddelwis verköfft.

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Nich wid von't Hus stahn up den Damm
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Hannes un Peiter bi de Ramm,
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Un Peiter seggt: »Dor möt dat moy sin;
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Stiw as de Pal gaht sei herin,
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Un kamt sei rute up den Damm,
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Denn lat s', as wullt sei bi de Ramm
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Anfaten glik, so bräsig sünd de Lüd',
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So pust s' un liggt sei up de Sid;
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Den Sünndag gah ick ok mal rin.«
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Na, Hannes seggt, hei, Peiter, künn
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Dat woll, hei hat kein Fru un Kinner,
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Hei, Hannes, künn nich mit em rinner,
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Hei müßt sick woll de Sak entslagen.

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De Sünndag kümmt nah wenig Dagen,
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Un Peiter is denn vull bereit,
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In sinen nigen blagen Rock,
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De up de Hacken runne geiht,
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In sine Büx von stripig Linnen,
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Tau Hand den witten Widenstock,
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Herrn Heerlein ok mal wat tau günnen.
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Den Mann sin Anstalt schint em gaud.
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Hei nimmt nu noch den nigen Haut,
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Den'n up de Judenbörs' in en Geschäft,
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De tweite Elbstrat, linker Hand,
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Hei mal vör drei, vir Johren köfft,
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Un bult em ut un bögt den Rand
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Un set't em sick dreivirtel up,
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Steckt mang de Tähn 'ne Rosenknupp
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Un geiht de Straten stramm hendal,
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Herrn Heerlein fründlichst tau beihren.
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Hei kümmt herin in dat Lokal,
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Wo all de ollen Kunnen wiren.
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»kellnär, Kellnär! Oh, geben Sie mich mal
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For'n duwwelt Schilling von den witten Weißwein!«

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De Kellner kickt, de Gäst, de kiken,
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Sei hadden Peitern sinesgliken
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In ehr Gesellschaft noch nich eins seihn.
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Indeß de Kellner bringt en Glas,
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Wat för den Pris ganz nüdlich was,
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Un Peiter drinkt: »Gesundheit, mine Haarn!«
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Ein von de Gäst, de drinkt un nickt,
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Doch will't kein Unnerhollung ward'n,
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Un Peiter stellt sick hen und kickt
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Ut't Finster rut: »Scheun Weder, mine Harrn!«
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Na, einer giwwt em dorin recht,
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Un Peiter dreiht sick üm un seggt:
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»wahrhaftig, scheunes Weder, mine Harrn!«

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Doch all'ns ist still
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Un keiner will
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Wat von sin Unnerhollung weiten.
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Dit argert denn nu unsen Mann,
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Un hei fängt an
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Up eigen Hand sick wat tau fläuten
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Un geiht de Wand entlang in't Timmer
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Un kickt dor an de Biller rümmer.
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De Gäst, de warden ümmer stiller.
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»kellnär, was sünd das hier for Biller,
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Die beiden linksch hier an den Ofen?«
69
»das sind zwei griech'sche Philosophen,
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Der eine, der belacht die Welt,
71
Der andre, der beweint die Welt.«
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»un so'ne Kirls hangt Sei hier an?
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Denn hangt Sei mi dor ok mit ran,
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Denn ward de Sak vullständig ward'n,
75
Denn
76
Un hir, Kellnär, hir is min Geld!
77
Un nu gu'n Morgen, mine Harrn!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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