37. Du dröggst de Pann weg

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Fritz Reuter: 37. Du dröggst de Pann weg (1842)

1
Wenn einer sick 'ne Fru hett fri't,
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Denn kümmt tauirst 'ne schöne Tid,
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Un »Stutenwochen« nennt man sei;
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Doch wohrt dat gor nich all tau lang,
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Mit einmal is de Pott intwei,
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Un ein kümmt in so'n Äwergang,
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Wo Mann un Fru dat beid probieren,
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Dat Rug' nah buten rut tau kihren,
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Un wo sick dat d'rüm handeln deiht,
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Wer woll de Hosen anbehöllt,
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Un hett sick
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Denn kümmt, wenn't gaud geiht, Einigkeit.
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De junge Schaustermeister Hank
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Un sine Fru, geburne Brümmer,
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De wiren in den Äwergang
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Un streden sick recht nüdlich rümmer.
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»korlining«, seggt de Schauster, »hüt
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Künnst uns woll mal Pannkauken maken,
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Ick heww dorup so'n Appetit«,
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Un ward dorbi ehr äwerstraken.
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Doch Lining schüwwt sin Hand taurügg.
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»dat geiht hüt nich,
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Du quälst di nich un hest gaud snacken;
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Worin sall ick den Kauken backen?
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Ick heww kein Pann.«
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»ih«, seggt de Mann,
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»du kannst jo nah Fru Schulten gahn,
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De hett uns ehr jo ümmer dahn.«
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»un wer bringt s' ehr denn wedder rümmer?«
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Fröggt em Korlin, geburne Brümmer,
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»oll Schultsch, de lurt dor orndlich up
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Un seggt, dat sei nahgradens einen
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Pannkauken kreg för't Pannenleinen.
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Ne, du kriggst hüt Pantüffelsupp.«
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Sei striden sick, sei kiben sick
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Un schellen sick twei breid, twei lang,
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Un schadt ok nich, so helpt ok nich,
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Denn sei sünd in den Äwergang.
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Na, endlich, as s' nich anners kann,
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Dunn geiht de Fru un halt de Pann;
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Doch bi dat Backen brummt sei ümmer
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För sick: »Ick bring' s' nich wedder rümmer.«

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De Kauken is nu t'recht, schön knusperig;
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De Schauster frett denn lästerlich,
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Doch as hei bi den letzten kümmt,
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Dunn röppt sin Fru: »Holt! Desen einen,
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Den kriggt oll Schultsch för't Pannenleinen.«
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»ih, wo«, seggt Schauster Hank, un nimmt
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Den Kauken sick, »Korlining, segg!
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För de oll Zanzel ok noch Kauken?
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Ne, ganz allein upfreten dau'ck en.«
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Un putzt den letzten ok noch weg.
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»so«, seggt Korlin, »nu kannst du s' rüm besorgen,
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För mi steint s' hir bet äwermorgen.«
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»för minentwegen steiht s' en Johr.«
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»för minentwegen steiht s' en por.«
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»för mi in alle Ewigkeiten.
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Nu holl din Mul, ick will nicks wider weiten.«
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»min Mul? Min Mul? Hest du mi reden heiten?
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Wo? Du willst mi den Mund verbeiden?«
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»wiw! Du entfamtes! Willst du swigen,
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Sall ick mi irst den Spannreim kriegen?«
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»ick swigen? Oh, ick kann woll swigen,
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Doch du möst ümmer zaustern, snacken;
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Wenn ein di ok all unner hett
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Un sinen Bein up't Mul di set't,
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Denn bittst du em noch in de Hacken.«
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»dat will'ck di wisen«, seggt de Mann,
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»ick wis' di, dat ick swigen kann.
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Ick künn nich swigen? – Dat wir slimm!«
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»schön«, seggt Korlin, »de Wedd, de gelt!
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Un wer tauirst dat Mul nich höllt,
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De bringt oll Schultsch de Pann herüm.«
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Un halt ehr Spinnrad sick hervör
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Un lacht ingrimmig vör sick her –
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»haha, haha!« – un spinnt un deiht
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All'ns in de schönste Zornigkeit.

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Un nu de Schauster, wo hei treckt!
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As müßt't em doch tauletzt gelingen,
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Mit Pickdraht sinen Grimm tau dwingen.
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Doch kein von ehr ein Würdken spreckt.
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Nu fängt Korlining an tau singen:
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»ra-derida lallal-lallal-lallah!«
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Un lacht denn wedder: »Haha, haha!«
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Dat lett de Schauster sick nich beiden,
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Hei fängt nu lustig an tau fläuten:
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»fü-terü-terü tütü-tütü-tütüh!«
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Un't ward dor in de Schausteri
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Nu so en idel lustig Lewen,
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As hadd't mindag nich Strid dor gewen.
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Korlining lacht un singt un deiht,
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Dat Spinnrad snurrt, de Schauster fläut't
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Un kloppt den Takt mit sinen Hamer,
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Hui! pfeift de Pickdraht hell dortwischen,
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Un't is 'ne Lust dor in de Kamer!
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Un ümmer wedder los von Frischen!

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De Dör geiht up, ein Herr kümmt rin.
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»mein lieber Meister Hank, ich bin
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In gräßlicher Verlegenheit,
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Ich hab den Stiefel mir zerrissen,
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Sie werden mir ihn flicken müssen,
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Doch, Meister, gleich, ich hab nicht Zeit.«
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De Schauster lett sin Schausteri –
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»fü-terü-terü tütü-tütü-tütüh!« –
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Un winkt den Herrn, dat süll gescheihn,
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Hei wull den Stäwel runne teihn.
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De Herr, de seggt: »Antworten Sie,
108
Woll'n Sie mir
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De Schauster fläut't sin Melodi:
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»fü-terü-terü tütü-tütü-tütüh!«
111
Nickt mit den Kopp un ward sick bücken
112
Un kriggt den Herren bi den Bein,
113
Den Schaden irst mal nahtauseihn.
114
»na, dauert's mir auch wohl zu lang?«
115
De Schauster äwer bliwwt dorbi:
116
»fü-terü-terü tütü-tütü-tütüh!«
117
»mein Gott, mein lieber Meister Hank,
118
Was heißt denn dies? Was haben Sie?«
119
De Schauster kickt, de Schauster nickt,
120
Sitt up den Hüker, pickt un flickt,
121
Doch Antwurt, ne, de giwwt hei nich,
122
Doch fläuten deiht hei meisterlich.
123
De Herr up sinen einen Socken,
124
De wend't sick nu an uns' Korlin:
125
»süll hei verrückt woll worden sin?«
126
Korlin steiht up un schüwwt den Wocken
127
Bi Sid un lacht: »Haha, haha!
128
Ra-derida rallal-lallal-lallal-lah!«
129
De Herr, de seggt, de Herr, de fröggt,
130
Ob sei em woll kein Antwurt gew?
131
Doch all ümsünst, je ja, je ja!
132
Sei kloppt sick von de Schört de Schäw.
133
»ra-derida rallal-lallal-lallal-lah!«
134
De Herr, de weit nich, wat dat heit,
135
Hir de Gesang, un dor de Fläut.
136
Na, endlich fängt hei an tau lachen.
137
»was«, seggt hei, »ist dabei zu machen?
138
Hier herrscht ja solche Lustigkeit,
139
Da wird gepfiffen, hier gesungen,
140
Warum nicht auch herumgesprungen?«
141
Korlin, de was en smuckes Wiw,
142
Hei sleit den Arm ehr üm dat Liw,
143
Un nu geiht't los, hest nich geseihn!
144
Up Socken mit den einen Bein.
145
De Schauster reistert, neiht un neiht,
146
Un ümmer düller geiht sin Fläut:
147
»füterü-terü-tütü tütü-tütüh!«
148
Un sine Fru, de singt dortwischen:
149
»raderida rallal-lallal-lah!«

150
Un wedder danzen s' rüm von Frischen,
151
De Schauster kickt in Arger nah,
152
Doch hett hei noch kein Würdken spraken.
153
Nu ward de Herr Korlinen straken,
154
Wo brennt de Hüker unsen Schauster!
155
Wo nörrickt hei herüm, wo haust'e!
156
Wo smitt hei mit dat Warktüg rüm
157
Vör luter Arger un Verdruß!
158
Swabb! giwwt de Herr Korlin en Kuß,
159
Dunn springt de Schauster up in Grimm.
160
»dor sall en Dunner rinne slagen!«
161
Dunn dreiht sin leiwe Fru sick üm:
162
»du möst de Pann herümmerdragen!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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