11. Wer is kläuker?

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Fritz Reuter: 11. Wer is kläuker? (1842)

1
Wi hadden hier tau Lan'n en Preister,
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Dat was en sihr olt snurrig Mann,
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Doch in sin Predigt was hei Meister,
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Hei predigt so, dat jedermann
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Sick licht dorut vernemen künn;
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Un, wat sin Text ok grad müggt sin,
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Hei wüßt sin Thema so tau dreihn,
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Dat hei kamm rinne in den Sadel,
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Von wo ut hei sin leiw Gemein
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Mit spitze Würd' un dristen Tadel
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So recht tau Water riden künn.
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Na, einmal würd sin Text denn sin,
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Wo uns' Herr Christus äwer't Water führt
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Un wo de Sturm den See uprührt.
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Dit deilt hei sick nu nüdlich in:
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De irste Deil was »Gott im Sturm«,
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De tweite was »Der Mensch im Sturm«,
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De drüdd »Der Mensch des Morgens nach dem Sturm«.
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So kamm hei denn up't Bramwindrinken
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Un von den Bramwin up de Deiweri
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Un würd denn sin Gemein – verstehst mir? Wie? –
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Gehürig mit den Tunpahl winken.
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Sei hadden em sin Wisch uthött,
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Un't würd ehr utenanner set't,
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Dat nich allein des Nachts Inbreken
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Un heimlich Musen Stehlen wir.
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»nein, meine Freunde«, würd hei spreken,
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»'s ist Diebstahl auch, wenn einer mir
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Die Wiese, ohn' es zu vergüten,
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Mit seinen Pferden läßt aushüten.«

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Na, dat is gaud! De Predigt is nu ut,
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De Lüd' gahn ut de Kirch herut,
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Un de Herr Paster sitt recht schön
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In'n Lehnstaul in sin Stuw', dunn kloppt dor wen.
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»herein!« – 'rin kümmt de Schult un säben Buren.
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»wi kamen tau den Herrn Pasturen,
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De Predigt was uns doch tau hart. –
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Na, red nu du mal, Vadder Swart!«
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»ja, Herr Pastur«, seggt Swart, »Sei säden,
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Dat wi Ehr Wisch uthäuden deden.
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Dat's nich an dem, dat's woll nich so. –
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Na, nu red du mal, Ramelow!«
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»ja«, seggt denn Ram'low, »nich de Mähren,
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De Gäus', Herr Paster, sünd dat west;
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De Tun is nich de allerbest,
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Un de oll zackermentschen Gäus' –
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Na, nu red du mal, Vadder Heys'!«
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»ja, Herr«, seggt Heys', »dat sünd de Gäus'!«
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»dat sünd de Gäus'«, segg'n s' alltausamen,
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»de sünd in Ehre Wisch rin kamen,
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De krupen allentwegen dör,
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Un, Herr, dor kän wi ok nich vör.«
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»je«, seggt de Paster, »dat sünd all so'n Saken;
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Indessen jitzt is nicks dorbi tau maken.«
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De Buren segg'n »Adjüs!« un gahn,
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Doch buten bliwen sei bestahn
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Un stöten sick enanner an.
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»hei's süs so'n ollen klauken Mann,
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Un let sick hüt doch so beluren!«
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»ja, Kinnings«, seggt de Schult, »wi Buren,
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Wi sünd denn doch en ganz Deil kläuker;
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Hei is woll klauk up sine Bäuker,
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Indessen doch ...« – »Ja«, lacht oll Heys',
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»hei glöwt wohrhaftig, 't sünd de Gaus'!«

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Den negsten Sünndag stunn de Herr Pastur
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In sinen swarten Rockelur
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Up sine Kanzel wedder dor;
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Doch was't, as wenn em sin Tolor
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En beten dick un vüllig satt,
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As hadd hei in den Bussen wat!
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Hüt kanzelt denn mal uns' oll Paster!
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»das Lügen«, seggt hei, »ist ein Laster.
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Wir strafen es mit Recht an Kindern
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Und geben ihnen derb die Rute.
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Was tun wir aber alten Sündern,
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Die, überlegt, mit kaltem Blute
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Uns in das Angesicht belügen?
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Die könn'n die Rute nicht mehr kriegen,
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Und Strafe muß doch sein! – In solchen Fällen
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Muß man den Lügner an den Pranger stellen.
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Schult«, seggt hei, »Swart un Ramelow un Heys'
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Un denn ji annern vir, ji sädt,
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Von Pird wir in min Wisch kein Red';
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›herr Paster, ne! – dat sünd uns' Gäus'.‹
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As freche Lägner staht ji dor!«

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Un langt herin in den Tolor
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Un halt wat rut un smitt taum Schreck
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Von uns' veninschen dummen Buren
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Pirdappel ehr an ehre langen Uhren.
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»ich frag euch, ist dies Gänsedreck?«
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Un ward sin Bauk tausamen slahn
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Un ut de Kirch herute gahn.
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Un buten up den Kirchhof stahn
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Tausamen wedder unsre Buren
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Un kratzen sick de langen Uhren
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Un holl'n so'n rundes Ding in Hän'n
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Un dreihn un wenn'n
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Un dauhn dat linksch un rechtsch betrachten,
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Bet Schultenvadder endlich seggt:
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»hei is doch kläuker, as wi dachten!
101
Ja, de Herr Paster, de hett recht:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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