61. De Unnerscheid

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Fritz Reuter: 61. De Unnerscheid (1842)

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»na, hür Hei, Bräuker, hüt kann Hei
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Mal up den Ossenhandel gahn.
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So as mi seggt, so sälen twei
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Bi Kählern tau Voigtshagen stahn,
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Un twei hett noch oll Bur Möller«,
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Seggt Herr von Lanken taum Stathöller
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Un seggt em dunn genauer noch Bescheid,
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Un Bräuker nimmt den Haut un Stock un geiht.
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Pirdhandel is 'ne swere Sak,
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Doch Ossenhandel – un noch tau bi Bur'n,
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Dat glöw't mi tau, dat's düller noch as dull,
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Dor krigen s' jug so eklig in de Mak,
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Sei pumpen jug dat Liw so vull
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Von Bier un Bramwin, dat de Kirchenturn
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Jug as en Pipenpurrer laten deiht,
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Ji 'n Himmel för en Dudelsack anseiht,
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Dat jug so ward tau Maud, as wir
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Jug beten Grips spazieren gahn,
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Dat ji nich känt up juge Beinen stahn,
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Un von »up Ritzen gahn« is keine Red nich mihr,
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De ganze Handel kümmt dorup herut,
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Wer as de letzt föllt up de Snut.
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Un wenn ji einen kennt, de so'n por Mandel
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Von Sluck un Buddel Bier kann runnerströpen,
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Den'n, rad ick jug, den'n schickt up't Ossenköpen,
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Denn de versteiht sick up den Ossenhandel.

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Oll Bräuker hadd en fasten Bregen,
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Hei satt so grad un stiw un drünk so frisch,
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As em de Buren mang sick kregen,
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Dat hei sei drünk all unner'n Disch.
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As nu was farig dat Geschäft
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Un sei sick hadden so verstännigt,
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Dunn hadd uns' Oll vir Ossen köfft,
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So 'n rechte Schüwer, rechte Riter;
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De ein twors würd irst angebännigt,
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Was eigentlich man noch Auditer,
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Indessen was hei doch nich äwel,
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Un drei von ehr, dat wiren backs'ge Knebel.
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Oll Bräuker driwwt mit sine Ossen furt
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Un is in ganzen gaud tau Schick,
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Doch de oll Bramwin hett sin Nück,
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Un as't en beten länger durt,
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Ward em tau Sinn so swerenotschen,
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Em is, as fang'n de Ossen an tau danzen
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Un danzten vör em einen Schott'schen.
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Un wat dat Düllst noch is: up einmal warden't acht.
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Wo Deuwel! Ne! Wer hadd denn dit woll dacht!
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Wo is dat mäglich! Ne! – Ganz dütlich süht'e s',
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Söß Ossen danzen dor un twei Auditers.
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Hei fängt nu an von hühl! un hott! tau schrigen,
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Doch kann hei s' nich in Ordnung krigen,
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Hei redt französch mit ehr, wil hei ens wir
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Nah Frankreich west. Dat helpt nich mihr
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As all sin Hühlen un sin Hotten.
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Hei flucht: »Verfluchte Paterjotten!
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Sche wöh wuh, Deuwelstüg, kuranzen!«
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Dat helpt em nicks, de ollen Ossen danzen.
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Na gaud! Tauletzt so duhn, as einer warden kann,
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Kümmt hei tau Hus mit sine Ossen an.

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De Herr von Lanken steiht just vör de Dör,
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Un Bräuker driwwt sin Ossen vör
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Un geiht nah sinen Herrn heran
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Un will em up soldatsch mal grüßen
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Un will em doch mal recht bewisen,
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Wo gruglig fin hei wesen kann,
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Un as hei nu up em geiht los,
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Dunn kriggt hei't so as mit en Swindel
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Un liggt dor dal grad as so 'n Flickenbündel.
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»holt!« röppt hei, »drösche wuh, seggt de Franzos'!
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Dat heit up dütsch: Holt! Heb dir in der Höhe!«
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»er ist besoffen, wie ich sehe«,
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Seggt Herr von Lanken, »Er ist duhn,
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Was soll ich mit so'n Schweinhund tun?«
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»je, gned'ge Herr, dat seggen Sei woll,
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Dat sünd so'n Saken«, seggt de Oll,
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»wenn unserein mal grad nich steiht
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Un sick mal einen tügen deiht,
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Denn heit dat glik: Er Schweinhund, Er!
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Doch wenn so'n vörnehm, gned'ge Herr
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Sick mal en rechten Dücht'gen tügt,
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Denn heit dat blot: Wir waren sehr vergnügt.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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