28. As du mi, so ick di

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Fritz Reuter: 28. As du mi, so ick di (1842)

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»fritz Lemk! Fritz Lemk! Oh, ein por Würd!«
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»wat sall ick, Jud'?« seggt Lemk und höllt sin Pird.
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»nu, dat is schön, dat ick di hir getrefft.
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Kannst führen mi hüt abend nah Penzlin?
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Heww ick doch dor en lütt Geschäft
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Mit minen Swager Salomon Levin.«
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»hüt abend noch? Bi so'n Weg? In'n Düstern?
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Dat is so'n Sak! Wenn wi man nich verbistern.
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Un denn de Weg, de kann nich slichter sin,
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Dat geiht bet an de Schinken rin.
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In'n Düstern un so'n Weg! Dat sünd so'n Saken,
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Bi so'ne Fohrt riskiert man jo sin Lewen.«
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»na nu! Wat sall ick dauhn? Wat sall ick maken?
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Ick will acht Gröschen mihr di gewen.«
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»de Weg, de is tau mörderlich!
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En Daler giwwst du mihr, süs führ ick nich.«
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»wie haißt? En Toler mehr? Ai waih!
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Das ganz Geschäftche is en Toler drei.«
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»du giwwst en Daler mihr, will ick di seggen.«
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»wat sall ick dauhn? Wat sall ick maken?
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Heww ick doch minen Swager dat verspraken,
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Möt ick den Daler tau woll leggen.«

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De Reis' geiht los. Dat was en Weg!
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De Pird, de künnen knapp den Wagen teihn,
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Un düster was dat, na, ick segg!
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Man kunn kein Hand vör Ogen seihn.
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Den Juden würd't mit Grundis gahn,
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So lang' hei lewt, dacht hei an dese Nacht.
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Fritz Lemk ward up de Mähren slahn,
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Un gung't nich dull, so gung't doch sacht;
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De Wagen lag jo noch nich rümmer,
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Un'n beten wider gung't doch ümmer;
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Penzlin, dat müßt doch endlich ran.
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Doch horch an't En'n! seggt Kotelmann.
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So kamen s' endlich gegen Möllen,
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Wo dunnmals noch en engen Hollweg was,
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As beide Mähren nah en Lock rin föllen.
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»nu rohr!« röppt Lemk, »nu rat, Scheif-As!«
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De Jud, de kreg en dägten Schreck:
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»ai waih! Wos üs? Wos üs denn gepassiert?«
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Fritz Lemk, de deiht, as wenn hei gor nicks hürt,
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Un springt mit beiden Beinen in den Dreck
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Un will sin Pird' tau Höchten bringen;
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Doch will em lang' dit nich gelingen.
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Un as hei so sick dor noch afmaracht,
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Dunn kümmt den Hollweg rup en annern Wagen.
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De Fuhrmann röppt: »Dau! Platz gemacht!
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Wi will'n hüt abend noch hen nah Stemhagen.«
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»ih, Brauder, sett di doch kein Rupen in den Kopp«,
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Seggt Lemk, »nimm dine Lin und zopp
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Den Hollweg 'run. Taurügg mit di!
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Hir is't tau eng; hier geiht dat nich vörbi.«
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De anner äwer will den Weg entlang;
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Un't ward en Schimpen un en Schellen.
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Uns' Jud, de ward sick ok noch mellen
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Un schimpt und ßackeriert mit mang.
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De anner Jud, de lett sick ok verluden,
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Denn de Penzliner führte ok en Juden,
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Un schimpt herute ut den Wagen:
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»bei die Gerichten will er sie verklagen!«
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Nu kümmt uns' Moses ganz in Wut
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Un eselt den Penzliner ut
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Un schellt von Snurrer, Lumpenhund.
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Dit ward den annern Fuhrmann doch tau bunt,
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Hei halt sick unsern Moses denn tauletzt
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Woll äwern Ledderbom heräwer
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Un makt sick mit de Swep doräwer
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Un strigelt em nu nah't Gesetz.

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Fritz Lemk süht sick de Sak bedächtig an;
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Dat Ding em woll gefallen kann.
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Irst kratzt hei sick 'ne Tidlang acht're Uhren.
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»ih«, seggt hei, »wat sall ick noch länger luren!«
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Kriggt d'rup den annern Juden bi den Kragen
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Un fängt ganz ruhig an, up desen lostauslagen.
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»sall slahn hir warden, denn slag' jeder sinen,
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Sleihst du mi minen Juden, slag ick dinen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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