8. De Ümgang mit Damen

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Fritz Reuter: 8. De Ümgang mit Damen (1842)

1
Schriwerbengels, dat is wiß,
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De sünd unplumpsch von Natur,
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Wat so 'n rechten Schriwer is,
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Dat's 'ne grave Kreatur.

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Utnahm mak ick girn mit Freuden,
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Un nich ümmer paßt de Fall!
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Männigein, de is bescheiden;
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Un ick mein sei ok nich

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Ne, ick mein de Grotmulsprekers,
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Mein de rechten, echten Sloms,
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Mein de rechten, echten Bräkers;
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För gewöhnlich heiten s' Stroms.

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Wenn des' Ort so up en Hof is,
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Ach wat sünd sei denn so dünn!
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Wenn de Herr man 'n beten groww is,
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Krupen s' nah en Muslock 'rin.

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Ach, wo männigein hett seten
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An 'n Bedeintendisch un et,
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Ebenso as't Stuwenmäten,
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Wat de Herrschaft äwrig let.

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Wenn hei äwerst denn einmalen
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Kümmt tau Stadt 'rin, na, denn geiht't,
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Grad as wenn so'n jöhrig Fahlen
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Vörn un hinnen utslahn deiht.

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»süh dor, Brauder, büst du hir?
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Is de Voß dor buten
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Heda! Hir! Markür! Markür!
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Bring mi mal 'ne Buddel Win.«

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Mit de Dalers smiten s' rümmer,
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Grad as wir dat Geld man Dreck,
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Un »Markür!«, so geiht dat ümmer,
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Un »Markür!« in einem weg.

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»bräuding, kumm, nu will w' mal danzen!
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Hir is baben hüt en Ball.
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Will'n de Dirns mal 'rümkuranzen,
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Dat ehr glik dat Wedder sall!«

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In den Saal, dor kamen s' 'rinner.
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(ach, wo nüdlich büst du, Strom!)
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»na, Muskant, geswinn, geswinner!
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Dat geiht just as in en Drom.«

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Wenn sei sick 'ne Dam denn halen,
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Sünd sei zierlich as en Oß;
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Führen sei den Saal hendalen,
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Just as leddten s' ehren Voß.

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Sei schenier'n sick nich en Happen,
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Ehr gehürt de ganze Saal,
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Un sei springen 'rüm un trappen,
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Talpsen ümmer up un dal.

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In sin Fett is nu en jeder.
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»brauder, hüt danz ick mi dod!«
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Pedden de Damen up de Kleder,
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Geiten Win ehr in den Schot.

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»kumm, wi will'n mal drinken, Brauder!
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Un Champagne möt dat sin.
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Un, Markür, wat giwwt för Fauder?
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Bring' mal 'n gauden Arm vull 'rin.

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Na, nu, Brauder, will'n wi supen! –
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Giww mi mal de Ahntenbrad –,
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Bet wi nich mihr känen krupen,
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Bet wi nich mihr sitten grad.

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Ja, un Prügel möt't noch gewen,
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Ogen, Puckel, brun un swart.
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Ball ahn Prügel is kein Lewen,
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Is grad as en Hund ahn Start.«

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Doch, as ick segg, so sünd s' nich all.
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De weck, de weiten up den Ball
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Un ok in allen andern Fällen
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Sick uterorndlich fin tau nehmen,
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De bruken nahrens sick tau schämen.
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Un so 'n Geschicht will ick jug jetzt vertellen.
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Ick hadd mal einen Strom, en rechten finen,
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De redt nich anners as »zu dienen«,
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Un denn ok mal »ich danke Ihnen«,
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Un wenn hei so recht höflich wesen wull,
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Säd hei tau mi: »Heww'n S' doch de Ihr, Herr Krull!«
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Na, desen Strom, den'n müßt dat mal mallüren,
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Dat hei sick müßt mit min Mamsell vertüren,
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Un 't müßt em so unglücklich gahn,
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Dat hei sin Finheit ganz verget
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Un up dat Mäten anfung lostauslahn,
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Bet ick sei utenanner ret.
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Na, de Mamsell, de lep nu nah't Gericht.
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»hei slog mi äwer'n Puckel, äwer'n Bregen,
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Un 'n Stück'ner drütteihn heww ick kregen«,
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So slöt sei ehre Klag'geschicht.
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De Amtmann ded nu minen Ströming fragen:
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»mein lieber Herr, Sie sind verklagt,
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Die Wirtschaftsmamsell Müller sagt,
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Sie hätten schändlich sie geschlagen
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Und dreizehn Hiebe ihr gegeben,
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Ich frag Sie nun, ob solches Sie getan?«
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»herr Amtmann, ne, dat nenn' ick äwerdrewen,
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Dat nenn ick utgestunk'ne Lägen!
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Ick strid dat nich, ick heww sei slahn;
95
Doch
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Ick weit mit Damens ümtaugahn.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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