6. De Bullenwisch

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Fritz Reuter: 6. De Bullenwisch (1842)

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Na, Vadder, as ick di so'n Jung' noch was,
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Dunn hadd ick mal en ganz kaptalen Spaß.
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Ick was so gegen föfteihn Johren,
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Min Vader wahnte dunn in Wohren
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Bi einen Schauster in, mit Namen Bull.
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De hadd 'ne Dochter, de heit Fiken.
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De Dirn hadd nahrens ehres Gliken,
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Un hadd denn ehren Kopp so vull
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Von Bäukerkram un von Romanen,
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Dat sei tau nicks tau bruken was.
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Fik Bullen ded nicks Slimmes ahnen,
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Dat ick up ehr gaww ümmer Paß,
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Wenn sei bald hir, bald dor, so as sick 't funn,
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Mit einen Kirl tausamen stunn.
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De Kirl, de was, as mi bekannt,
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Von Profeschon en Kemediant;
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Un as noch keiner doran dacht,
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Dunn was uns' Fiken in 'ne schöne Nacht
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Mit dissen Kirl taum Deuwel gahn.
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De Oll fung an nu Rad tau slahn.
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Doch Fiken was nu einmal flügg,
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Un Fluchen bröcht sei nich taurügg.
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Kum was en halwes Johr vergahn,
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Dunn würd an alle Ecken slahn,
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Wo man en Zettel hacken künn,
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Dor sall 'ne grot Kemedi sin;
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Un Fiken was 'e ok mit bi.
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Na, hür mal, Vaddermann, nu kannst du di
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Den ollen Schauster Bullen denken:
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Bi em wull schir sick wat verrenken.
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Doch durt nich lang', dunn kamm de ein,
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De stellt em vör, dat wir sin Fleisch un Bein.
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Dunn kamm en annern gauden Fründ,
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De stellt em vör, dat wir sin einzigst Kind,
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Hei süll doch man Vernunft annehmen.
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Un endlich ded de Schauster sick bequemen
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Un ännert gänzlich sinen Sinn
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Un gung ok sülwst nah de Kemedi 'rin.
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Ick hadd mi mit dat Kinnermäken
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Von den Burmeister 'rinne sleken
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Un sach den Schauster; vören stunn'e,
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Un vör em hung en wittes Laken 'runne,
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Und vör dat Laken satt oll Zoch,
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De Stadtmuskant, ick seih em noch.
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Un bi em satten sine Jungens neben
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Un fidelten ut Leibesleben.
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Wo towten s' mit de Fidelbagen!
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Dunn würd dat Laken 'ruppe tagen,
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Un dunn güng't los, hest du mi nich geseihn.
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Tauirst kamm einer ganz allein,
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De redt un ded un makt sin Sak,
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Doch wull dat noch nich recht mit sine Sprak,
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Hei redte man en beten eben,
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Doch as de tweite kamm, dunn gawwt en Lewen,
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So stellten sei sick hen un wirkten un hantierten,
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Dat wi uns alltausam verfirten.
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Mi würd tau Maud, as hadd ick't Fewer,
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Ick kreg't mit Hitz un denn mit Frost,
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Un dörch dat ganze Liw kreg ick den Bäwer.
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De ein, de slog sick vör de Bost,
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De anner slog sick vör de Mag,
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Dat was en Wirken un Geslag!
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Un ümmer düller gung dat furt.
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Doch hett dat gor so lang nich durt,
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Dunn kamm de drüdd, dit was ehr Mäter,
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De künn dit noch en beten beter.
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Na, hür! Ick segg di, Vadder Jochen,
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Wat makt de Kirl för glupsche Ogen!
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So gung de Kirl di up de annern in,
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As sühst mi woll, as müßt't so sin.
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So höll hei sine Fust ehr unnr'e Näsen!
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Mi würd wohrhaftig orndlich gräsen.
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Nu gung dat los, nu gaww dat en Spektakel,
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Un schellen deden s' sick, as't düllste Takel.
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Sei slagen sick, denk ick, der Deuwel hal!
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Dunn föllt mit eins dat Laken dal.
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So was denn dat vörbi mit Slagen;
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Oll Zoch grep nah den Fidelbagen,
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De Jungs, de fidelten dortau,
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Un allens was in gaude Rauh.
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De Sak, de was nah minen Sinn;
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Ick steg nu nah 'ne Bänk herup,
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Dormit ick beter seihen künn.
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Taum tweiten Mal gung nu dat Laken 'rup.
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Na, de Geschicht, de gung von vören an:
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Irst kamm de ein, dunn kamm de tweite Mann,
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Dunn gung de irste wedder furt,
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Dunn kamm de tweite an dat Wurt,
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Dunn gung de tweit', dunn kamm de drüdde wedder:
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Ümschichtig ümmer, ümmer up un nedder.
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Na, äwerst dunn mit einenmal,
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As ick so denken dauh: Nu föllt dat Laken dal,
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Wil sei sick wedder schändlich schullen,
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Dunn kümmt herinner Fiken Bullen,
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Vel hübscher, as sei was, vel netter
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Un ogenschinlich vel kumpletter.
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Wo sick dat Dirt verstellen kann!
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So denk ick, doch dunn fängt sei an.
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So peddt sei up, as hest mi nich geseihn,
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As güngen twei up ehr twei Bein,
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So redt s' un ded s', so fung sei an tau rohren,
102
As wir sei gor nich her ut Wohren.
103
So schreg dat Minsch, so gung s' tau Kihr,
104
So ret dat Dirt sick in de Horen,
105
As wenn sei gor nich Fiken Bullen wir.
106
Verlangs smet sei sick up de Ir.
107
»o Vater«, schreg s', »verzeihe mir!«
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Dat was en Stück! ick segg di, Jochen!
109
Oll Schauster Bull, de drögt sick sine Ogen,
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Fat't sick en Hart, sprung nah ehr 'rup,
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Stödd Zochen un de Lampen 'runn,
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Un as hei bi sin Fiken stunn,
113
Böhrt hei sei ut den Kneifall up:
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»min Döchting, nicks hir von Vergewen!
115
An di kann ick blot Ihr un Freud erlewen!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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