»gu'n Morgen! Vadder Schult, ick kam heran

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Fritz Reuter: »gu'n Morgen! Vadder Schult, ick kam heran Titel entspricht 1. Vers(1842)

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»gu'n Morgen! Vadder Schult, ick kam heran;
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Mi geiht 'ne Sak in minen Kopp herümmer,
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Worut ick keinen Vers mi maken kann;
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Je mihr ick doran denk, je dümmer
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Un dämlicher ward mi in minen Kopp.
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Ick kam also tau di un frag di, ob
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Du mi nich seggen känen dauhen deihst,
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Wat unner Obserwanz du woll versteihst.
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De Amtmann hett mit dat entfamte Wurd
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Uns gistern ümmer 'rümmer tahrt
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Un mi un minen Nahwer Kurt
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Dat Geld ut unsre Taschen nahrt.«
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»je, Obserwanz, Gevadder Schröder,
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Dat is en Wurd, süh, dat versteiht nich jeder.
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Dat is en schrecklich sweres Wurd,
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En ekliches, entfamtes Wurd,
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Un ick glöw nich, dat hir in unsen Urt
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En einziger dat ganz genau
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Di seggen kann, ick trug dat keinen tau;
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Denn sülwsten ick, de doch so veles weit,
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Weit mit de Obserwanz nich recht Bescheid.
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Indessen, wenn ick ok nich allens utstudiert,
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So kann ick doch up allen Fällen
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En lustig Stückschen di vertellen,
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Wat mi in mine Jugend is passiert
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Un wat mit Obserwanz hett wat tau dauhn.
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Na, dat was dor taumalen, weitst de,
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As wi noch hadden unsen ollen Preister.
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Gott lat den ollen Mann jetzt selig rauhn!
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Hei was en gauden Preister, tru un iwrig,
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Doch up dat Nehmen was hei 'n beten giprig,
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Un 'n beten hürt hei tau de Nägenklauken.
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Na, unse Buren wiren't dormals so gewennt,
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Dat sei den Preister, wenn dat Johr sick end't,
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Tau Wihnacht schenkten einen Kauken,
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Mit Zucker äwerstreut, so vel dor wull up hacken;
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Min Mudder müßt em ümmer backen.
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Min Vader un noch ein, de güngen denn
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In ehren Sündagsstat von wegen
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Dat ganze Dörp nah unsen Paster hen,
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Un ick, ick müßt den Kauken drägen. –
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Na, einmal was dat wedder an de Tid,
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Ick weit dat noch, as wir dat hüt,
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Dunn güng dat wedder nah dat Preisterhus.
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Min Vader makt en schönen Gruß
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Un makt 'ne wunderschöne Red.
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Ick weit just nich mihr, wat hei säd,
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Doch prächtig was sin Prat gewiß,
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Den hei em makt. Wo hadd de Preister süs
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So fründlich lacht? Hei drunk just Kaffe
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Un stippt en drögen Semmel in.
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Den Dunner! Na! wat was hei swinn
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Von sinen ollen Sofa 'raffe!
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'oh!' säd'e un rew sick de Hän'n
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Un böhrt de Salwejett tau Höcht,
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'min leiwen Frün'n, dit is am En'n
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So'n wunderschönen Kauken wedder,
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As ji vergangen Johr mi bröcht.
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Na, set't jug doch en beten nedder!'
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Un dunn halt hei Poppier un Fedder
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Un fängt dor an wat uptauschriwen.
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Ih, denkt min Oll, wat mag hei dor bedriwen?
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Un wil hei schrewen Schriwwt gaud lesen künn,
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Kickt hei den Preister up de Knäwel,
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Wat in de Schriwwt woll schrewen stünn.
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'min leiw Herr Paster, nemen S' nich vör äwel'
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Dat is man, dat ick dornah frag',
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Wat heww'n Sei in de Schriwwt dor schrewen?'
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'mein lieber Schulze, nichts, gar nichts; ich trag'
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Das Datum mir ein bißchen ein,
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An welchem Sie den Kuchen mir gegeben.
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Es würde sonst vergessen sein,
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Und ist nur um die Observanz.
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Ihr könnt es selber lesen, seht, hier steht's:
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Die Bauern waren heute hier und brachten
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Mir wieder einen Kuchen zu Weihnachten.'
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'hm!' brummt de Oll un kratzt sick in den Däz
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Un grint den Preister as en Pingstoß an,
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'min leiw Herr Paster, oh, denn schriwen S' man
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Dor achter Ehren Satz noch dit:
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Die Bauern brachten ihn mir woll,
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Doch nahmen sie ihn wieder mit. –
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Un nu adjüs, Herr Paster', seggt de Oll.
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Un packt den Kauken in. – 'Holt!' röppt de Preister, 'sacht!
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Wat heit denn dat? Wo so? Wo ans?'
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'ih, Herr', seggt unse Oll un lacht,
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'dat is man üm de Obserwanz!'«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Fritz Reuter
(18101874)

* 07.11.1810 in Stavenhagen, † 12.07.1874 in Eisenach

männlich, geb. Reuter

plattdeutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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