Von acht Rossen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ferdinand Freiligrath: Von acht Rossen (1843)

1
Fährt im Land 'ne Staatskarosse;
2
Ziehn sie acht famose Rosse,
3
Feurig, ein beherzt Gespann!
4
Eines ward am Rhein geboren,
5
Hebt das Haupt und spitzt die Ohren,
6
Zieht vor allen mutig an.

7
Beißt ein andres in die Stange,
8
Wo der Fischer mit Gesange
9
Froh den goldnen Bernstein fischt;
10
Kräftig schnaubt es mit den Nüstern.
11
Die es lechzend in den düstern
12
Ostseewellen sich erfrischt.

13
Ist das dritte aufgewachsen
14
In dem guten Lande Sachsen,
15
Tritt den Boden fest und stark.
16
Dies hier stammt aus Schlesiens Talen,
17
Jene zwei sind aus Westfalen
18
Und der Brandenburger Mark.

19
Seht alsdann mit breitem Nacken
20
Noch den Pommern und Polacken –
21
Auch ein derb und stattlich Paar! –
22
Also ziehn die acht trotz einem;
23
Frisch und mutig – doch an keinem
24
Ist auch nur ein falsches Haar!

25
Wollt' es glauben nur der Lenker!
26
Doch der denkt: »Hol' euch der Henker!
27
Immer mehr schwillt euch der Kamm!
28
Wahr ist's, ihr seid brav und wacker!
29
Doch ein paar von euch sind Racker!«
30
Hält somit die Zügel stramm.

31
Tönt herauf zu ihm ein Schnauben,
32
Spricht er: »Was sich die erlauben!«
33
Ruckt mit Zürnen am Gebiß.
34
Schallt ein Huf recht dreist metallen,
35
Gleich erregt es sein Mißfallen –
36
Ja doch, es gefällt ihm miß!

37
Wollen sie sich eines neuen
38
Peitschenreglements nicht freuen –
39
Ei, wie straft sie da sein Pfiff!
40
Ei, wie fällt ihm da vom Munde
41
Ander Wort, als zu der Stunde,
42
Drin die Zügel er ergriff!

43
Wolln mit ehrerbiet'gem Wiehren
44
Flehn sie oder Klage führen,
45
Solches gilt als Schabernack!
46
Vollends wird der Stab gebrochen
47
Über gar ein zweites Pochen
48
Um denselben Habersack!

49
Ziehn darum, die gerne flögen,
50
Stolz und brausend gern ihn zögen,
51
Langsam jetzo sein Gefähr!
52
Stets des rechten Vorwärts harrend,
53
Stampfend nicht, doch dafür scharrend
54
In der Stille desto mehr!

55
Immer ruhig, immer sachte,
56
Ihr getreuen, lieben Achte!
57
Eines glaubt und bleibt dabei:
58
Steckt der Karrn einmal im Drecke,
59
Hui, dann geht es rasch vom Flecke,
60
Und die Zäume fliegen frei!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ferdinand Freiligrath
(18101876)

* 17.06.1810 in Detmold, † 18.03.1876 in Bad Cannstatt

männlich

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Lyriker, Dichter und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.