Die Freiheit! das Recht!

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Ferdinand Freiligrath: Die Freiheit! das Recht! (1843)

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O, glaubt nicht, sie ruhe fortan bei den Toten,
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O, glaubt nicht, sie meide fortan dies Geschlecht,
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Weil mutigen Sprechern das Wort man verboten
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Und Nichtdelatoren verweigert das Recht!
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Nein, ob ins Exil auch die Eidfesten schritten;
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Ob, müde der Willkühr, die endlos sie litten,
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Sich andre im Kerker die Adern zerschnitten –
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Doch lebt noch die Freiheit, und mit ihr das Recht!

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– Die Freiheit! das Recht!

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Nicht mach' uns die einzelne Schlappe verlegen!
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Die fördert die Siege des Ganzen erst recht;
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Die wirkt, daß wir doppelt uns rühren und regen,
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Noch lauter es rufen: Die Freiheit! das Recht!
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Denn ewig sind eins diese heiligen Zweie!
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Sie halten zusammen in Trutz und in Treue;
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Wo das Recht ist, da wohnen von selber schon Freie,
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Und immer, wo Freie sind, waltet das Recht!

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– Die Freiheit! das Recht!

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Und auch das sei ein Trost uns: Nie flogen, wie heuer,
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Die freudigen Zwei von Gefecht zu Gefecht!
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Nie flutete voller ihr Odem und freier,
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Durch die Seele selbst brausend dem niedrigsten Knecht!
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Sie machen die Runde der Welt und der Lande,
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Sie wecken und werben von Strande zu Strande,
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Schon sprengten sie kühn des Leibeigenen Bande,
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Und sagten zu denen des Negers: Zerbrecht!

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– Die Freiheit! das Recht!

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Ja, ihr Banner entflattert und weht allerorten,
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Daß die Unbill gesühnt sei, die Schande gerächt!
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Ja, und siegen sie hier nicht, so siegen sie dorten,
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Und am Ende doch siegen sie gründlich und echt!
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O Gott, welch ein Kranz wird sie glorreich dann zieren!
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All die Läuber, die Völker im Fahnentuch führen!
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Die Olive des Griechen, das Kleeblatt des Iren,
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Und vor allem germanisches Eichengeflecht!

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– Die Freiheit! das Recht!

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Wohl ruhn dann schon manche, die jetzo noch leiden –
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Doch ihr Schlummer ist süß, und ihr Ruhn ist gerecht!
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Und licht an den Gräbern stehen die beiden,
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Die wir
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Die da stritten und mutig ins Elend drum schritten,
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Die das Recht uns verfochten und Unrecht drum litten!
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Hoch ewig das Recht – und die Freiheit durchs Recht!

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– Die Freiheit durchs Recht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand Freiligrath
(18101876)

* 17.06.1810 in Detmold, † 18.03.1876 in Bad Cannstatt

männlich

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Lyriker, Dichter und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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