Guten Morgen!

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ferdinand Freiligrath: Guten Morgen! (1843)

1
Stand ich droben auf der Eifel Kämmen,
2
Als der Vollmond durch die Wolken brach;
3
Breit und blendend sah ich überschwemmen
4
Seine Lichter See und Kloster Laach.

5
Leiser Windhauch wehte durch die Tale,
6
Laub und Rohr umflüsterten den Strand,
7
Und der Flut entreckte sich die schmale,
8
Jene schmale, weiße Nonnenhand.

9
Anzuschaun wie eine Blum' von ferne,
10
Mit den Wellen flog sie auf und ab;
11
Rings gespiegelt schwamm das Heer der Sterne: –
12
Raffte sie's vom Himmel herab?

13
Winkt' und winkte mir sodann die reine!
14
Wie sich schüttelnd rauscht' empor der See;
15
Durch die Waldung huschten eigne Scheine;
16
Übern Kreuzweg sprang entsetzt das Reh.

17
War's die Hinde, die in ihren Tränen
18
Genoveven weiland sich gesellt?
19
Ach, mich faßte schmerzlichsüßes Sehnen
20
Nach der sel'gen alten Märchenwelt!

21
Und beinahe jenem bleichen Finger
22
Wär' gefolgt ich durch ihr offnes Tor;
23
Doch erwachend, mit mir selbst ein Ringer,
24
Rafft' ich stark und mutig mich empor!

25
See und Kloster, Türm' und Felsenspitzen,
26
Wald und Schlucht, wo Genoveva litt –
27
Einmal noch im Mondschein sah ich's blitzen,
28
Und dann wandt' ich herzhaft meinen Schritt!

29
Drauf verwirrend noch der Mondschein lag;
30
Ging dem Morgen und dem Rhein entgegen,
31
Ging entgegen aus der Nacht dem Tag!

32
Ließ die Schatten dämmernder Gesichte
33
Jubelnd fahren für die Wirklichkeit! –
34
Sieh, und vor mir hell im Sonnenlichte
35
Zog der Rheinstrom, tief und grün und breit!

36
Zog der Rhein und rührte sich das Leben –
37
Ja, ins Leben riß mich
38
Nicht erhob er, mir den Gruß zu geben,
39
Bleich und zitternd eine Totenhand!

40
Doch den Handschlag bot er mir, den treuen,
41
Eines Volkes frank und unverstellt,
42
Das – in Ehrfurcht, aber ohne Scheuen! –
43
Für sein Recht den Fuß beim Male hält!

44
O, der bannte, was von Spuk und Sorgen
45
Nächtlich noch auf meinem Herzen lag!
46
Meinem Volke sagt' ich: »Guten Morgen!« –
47
Einst, so Gott will, sag' ich: »Guten Tag!«

48
Guten Morgen denn! – Frei werd' ich stehen
49
Für das Volk und mit ihm in der Zeit!
50
Also les' ich meinen Schiller heut!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ferdinand Freiligrath
(18101876)

* 17.06.1810 in Detmold, † 18.03.1876 in Bad Cannstatt

männlich

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Lyriker, Dichter und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.