Ein Flecken am Rheine

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Ferdinand Freiligrath: Ein Flecken am Rheine (1843)

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Gruß dir, Romantik! – Welch ein prächtig Nest!
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Mit seines schlanken Mauerturmes Zinnen,
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Mit seiner Tore moosbewachsnem Rest,
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Mit seiner Burg, so schartig und so fest,
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Wie reißt er sieghaft meinen Geist von hinnen!
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Gruß dir, Romantik! Träumend zieh' ich ein
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In deinen schönsten Zufluchtsort am Rhein!

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Drin weilst du noch! Im schlichten Nonnenkleid
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Blickst du mich an durch die bemalten Scheiben.
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Es hat geächtet dich die Nüchternheit,
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Ach, und die Klugheit dieser hast'gen Zeit;
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Sie möchten gern dich ganz und gar vertreiben.
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In kleinen Uferfesten, morsch und grau,
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Birgst du dich zitternd, wunderbare Frau!

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Dort – ach, in Kirchen, die des Schmuckes bar,
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Dort ist die Statt, wo deine Seele jammert!
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In öden Kirchen, mit zerwehtem Haar,
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In öden Kirchen kniest du am Altar,
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Und hältst mit Weinen brünstig ihn umklammert.
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In seines Schattens ewigheil'ger Ruh'
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Suchst eine Freistatt deinem Schmerze du.

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Und trunkner Scheu des Volkes Beste nannten;
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Die Ludwig Tieck einst auf den Zelter hob,
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Die keck den Forst der Poesie durchstob,
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Arnim, Brentano deines Zugs Trabanten.
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Die Waldung glühte, silbern sprang der Born,
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Und wie ein Märchen scholl das Wunderhorn.

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Das war vordem! – Jüngst ging ich am Gestad';
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Grün floß der Strom: nicht Volker sah ihn reiner.
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Ein Dampfboot zog vorüber seinen Pfad,
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Tief in die Wellen griff es mit dem Rad,
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Und auf dem Deck stand deiner Priester einer:
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Der jüngste wohl – und doch schon grauen Haars
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Um die gewölbten Schläfen: Uhland war's!

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Wir kannten uns – wir grüßten uns. Vorbei
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Mein einsam Städtchen schwamm er zu den Dänen.
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Auf uns hernieder sah die Lorelei,
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Im Hals erstickt' ich einen Freudenschrei,
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Doch in den Augen hatt' ich helle Tränen.
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Trüb klang ein Lied in meiner Seele Schrein:
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Das hieß: »Drei Bursche zogen übern Rhein!«

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Ja, dies der Rhein! Die Woge mit dem Hort,
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In dessen Strahl sich Uhlands Wimper sonnte!
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Und dort er selbst! die Sängerlippe dort,
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Romantik, ach, die mit gefeitem Wort
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All deinen Zauber noch verkünden konnte!
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Das Auge dort, das tief im Elfenbusch
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In deiner Bronnen Spiegel klar sich wusch!

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Du wußtest es, daß er vorüberzog!
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Aus Burg und Felsriß durch des Morgens Nässe
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Sahst du hernieder, und ein Lächeln flog,
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Ein sonnig Lächeln, als das Schiff sich bog,
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Durch deiner Züge kummervolle Blässe.
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Mit trüber Freude sahst du auf den Knien
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Auf deinem Strome deinen Dichter ziehn.

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Da flog er hin, der letzte Rauch verschwamm!
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Da flog er hin, dein jüngster, reinster Kämpfer!
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Dein Lächeln floh, trüb stand der Berge Kamm,
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In meinem Herzen pocht' es wundersam:
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Dahingerissen von der neuen Zeit
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Des Mittelalters fromme Trunkenheit!

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Ein Gleichnis nur! – Doch kam es über mich,
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Und nicht vermocht' ich's trotzig abzuweisen;
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Daher die Trauer, die mich überschlich.
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Du Stille, Bleiche, ja verhülle dich!
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Die Zeit, o Herrin, ist für dich von Eisen!
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Kalt unterwühlt sie dein vermorscht Asyl –
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Ach, nicht allein mit ihrer Dämpfer Kiel!

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Dein Reich ist aus! – Ja, ich verhehl' es nicht:
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Ein andrer Geist regiert die Welt als deiner.
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Wir fühlen's alle, wie er Bahn sich bricht;
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Er pulst im Leben, lodert im Gedicht,
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Er strebt, er ringt – so strebte vor ihm keiner!
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Ich dien' ihm auch und wünsch' ihm frohen Sieg –
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Doch warum dir, Verbannte, deshalb Krieg?

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Dir, deren prächtig Banner ohnehin
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Einsam nur weht noch auf zerfallner Mauer!
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Dir, der Entthronten! – Mit bewegtem Sinn
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Zu deinen Füßen werf' ich still mich hin,
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Ein ernster Zeuge deiner Witwentrauer!
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Ein Kind der Neuzeit, fiebernd und erregt,
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Das um die alte fromm doch Leide trägt!

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Nicht wie ein Knabe! – Diese Stunde nur
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Zu deinen Füßen klagend will ich sitzen!
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Der frische Geist, der diese Zeit durchfuhr,
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Er hat mein Wort, ich gab ihm meinen Schwur,
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Noch muß mein Schwert in jungen Schlachten blitzen.
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Nur eine Stunde! Aber die auch ganz
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An deiner Brust, in deiner Glorie Glanz.

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Da, nimm mich hin! Nimm mich und halt mich fest!
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Ha, diese Scharten, diese Mauerzinnen!
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Ha, dieser Tore moosbewachsner Rest,
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Ha, diese Burg, dies alte Falkennest –
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Sieghaft, erobernd reißt es mich von hinnen!
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Stromauf die Pfalz im Abendsonnenbrand –
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Die Wolken Schlösser – ja, das ist dein Land!

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Die Fenster lodern, dunkelbunt geschildert;
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Die stolzen Rosen werfen prächt'gen Schein,
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Und durch des Kreuzgangs düstre Bogenreihn
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Herschaut ein Gärtlein, rankig und verwildert;
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Still mit des Chores ewigernstem Grau
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Sein Laubgrün mischt es und sein Himmelblau.

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Und leise zitternd überfliegt die Wand
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Der wolk'ge Schatten seiner wehnden Büsche;
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Dort ist der Ritter und der Burgfraun Stand;
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Aus Stein gehauen, flehend ihre Hand
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Zur Brust gehoben, stehn sie in der Nische;
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Mild und ergeben strahlt ihr bleich Gesicht –
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Friede des Todes überströmt es licht.

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Lautlos die Stätte! Markt und Strom wie weit!
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Romantik, ha, mein Trauern ist gebrochen!
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Den Gottesfrieden, die Gotttrunkenheit,
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Die du nur kennst – nicht, ach, die neue Zeit! –
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Hier fühl' ich rein sie meine Brust durchpochen.
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Die Erde weicht, in sel'gen Armen hält
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Der Himmel mich – verschollen ist die Welt!

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Genug, genug! Nicht lange solch ein Port!
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Zurück ins Leben! Mächtig ruft das Neue!
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Doch was ins Herz mir senkte dieser Ort,
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Für immer flamm' es! Poch' es fort und fort
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In meinen Adern! Geb' es mir die Weihe!
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Geb' es mir Mut und Freudigkeit und Halt,
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Wenn laut und fordernd mich der Tag umschallt!

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So wird mein Dienst der Zeit ein reiner sein. –
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Verbanntes Weib, ich wollte mit dir klagen,
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Mit Tränen netzen wollt' ich deinen Schrein –
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Ich kam, und sieh, du hauchtest Ruh' mir ein!
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Ich gehe fort, von neuer Kraft getragen!
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Von deinem Licht umflossen, geh' ich hin:
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Du bist verbannt – doch stets noch Königin!

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Leb' wohl für heut! – Des Abends letztes Gold
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Strömt durch die Scheiben; über mir Geläute!
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Die Kirchenfahnen flattern, halb entrollt! –
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Ihr allzeit Klugen, die ihr wissen wollt,
135
Der Lettner glüht, die ew'ge Lampe flammt –
136
Nennt für

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand Freiligrath
(18101876)

* 17.06.1810 in Detmold, † 18.03.1876 in Bad Cannstatt

männlich

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Lyriker, Dichter und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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