Budorgis sazte sich, weil, was Sie vor gezieret

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Christian Gryphius: Budorgis sazte sich, weil, was Sie vor gezieret Titel entspricht 1. Vers(1677)

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Budorgis sazte sich, weil, was Sie vor gezieret,
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Mit ihrem ATLAS fiel, in blassen Todten-Graus.
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Und starrt', als wäre sie vom Donner-Strahl gerühret,
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Brach aber doch zulezt in diese Seufzer aus:
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Erzürnter Himmel komm', und schütte deine Blizen
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Auf die gekränckte Schos! Komm, häuffe Streich auf Streich,
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Und mache meinen Thron, der auf den Ceder-Stützen,
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Die du zerschmettert, stund, der Gräber Asche gleich!
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Ich hab' es längst verdient. Ich tadel deine Schlüsse
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Und ernste Strafen nicht, ich ehre deinen Schlag:
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Nur steh mir dieses zu, daß ich die Hertzens-Risse,
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Den kläglichen Verlust genung beweinen mag.
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Ihr Töchter Schlesiens bejammert meine Schmertzen,
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Schaut eurer Fürstin Angst nicht sonder Thränen an,
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Nehmt meine Seelen-Quaal, mein Leiden, recht zu Hertzen
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Und sprecht: Budorgis, ach! es ist umb dich gethan!
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Dein Lorber-Baum verdorrt, dein Rosen-Stock verblühet,
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Dein Ancker bricht entzwey, dein Schutz-Gestirn vergeht,
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Dein stärckster Pfeiler fällt. Wer in die ferne siehet,
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Sieht wol, daß über dir ein schwer Gewiter steht.
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Ach Schwestern! Freylich ist des Höchsten Zorn-Gerichte
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Auf überhäufte Pein und neues Weh bedacht:
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Als meine Sonne schien, war alles klar und lichte,
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Auf ihren Untergang folgt eine düstre Nacht.
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Ach Sonne! die zu früh, zu plötzlich hingegangen,
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Wie herrlich zierte mich dein angenehmer Glantz!
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Ich konte mit dem Kern der Wissenschafften prangen,
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Und Frembde liessen mir den schönen Sieges-Krantz.
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Der Guarini schwieg vor meines Pindus singen,
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Sein Schäfer schmückte sich mit unsrer Landes-Tracht:
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Marin vermochte nicht sich gegen uns zu schwingen,
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Wie hönisch er vorhin ein deutsches Lied verlacht:
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Erhub Venedig gleich des Loredano Sinnen,
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Erlangte Gratian vom Tagus ein Altar:
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Mein Phöbus zeigte schon den deutschen Pierinnen,
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Was mehr als Gratian und Loredano war.
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Der Britten Lichter sind vor seinem Licht' erblichen,
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Das kluge Franckreich warf ein neidisch Aug' auf mich:
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Rom hat die Segel oft vor mir und Ihm gestrichen,
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Von Deutschland sag' ich nichts, weil Opitz selber mich.
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Ach Fürst der Poesi! Ach Brunqvell edler Künste!
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Was hätte nicht die Welt von deiner Hand erblickt?
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Wenn nicht Bescheidenheit, das köstlichste Gespinste,
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Das Seid' und Scharlach trozt, entwunden und zerstückt.
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Du hast, was seltsam ist, den Ehren-Durst bezwungen,
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Und deinem eignen Ruhm selbst Ziel und Maaß gesezt;
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Biß andrer Frevel-Faust dir Schrifften abgedrungen,
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So die gelehrte Welt vor Wnnder-Wercke schäzt.
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Doch hat dich nicht allein der Lorber-Krantz gezieret,
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Die Klugheit legte dir der Würde Purpur an;
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Du hast mein wanckend Schif vernünftig angeführet,
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Und mehr als Phocion und Fabius gethan.
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Dein himmlischer Verstand gefiel den Majestäten
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Des grossen Oesterreichs: Sie sahen deinen Witz
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Mehr als genädigst an, und gönten bey den Räthen
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Des hohen Kayser-Stuls dir einen Ehren-Sitz.
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Daß kein erhizter Sturm mein Glück' und Wolseyn fällte,
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Erhielt ich meistentheils durch deinen weisen Rath,
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Biß dich der Sternen-Schluß selbst an das Ruder stellte,
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Das deine Hand zwar kurtz, doch wohl gelencket hat.
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Ach Auge! das so scharf zu meinem Heil gesehen,
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Ach Auge! das vor Kirch' und Rathhaus stets gewacht.
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Ach Sinnen! die ihr diß, was vormals ie geschehen,
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Was gegenwärtig war, was künftig schien, bedacht:
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Ach nie gesparter Fleiß! der täglich unverdrossen
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Vor meine Ruh gesorgt: Gelehrt- und kluger Mund!
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Aus dem der Grichen Schertz, der Römer Ernst geflossen!
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Der vor so manchen Riß des Vaterlandes stund.
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Standhafte Redligkeit! die keine List, kein Dräuen,
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Kein schnöder Eigen-Nutz, kein Silber überwog.
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Magneten-gleiche Huld! die ieden kont' erfreuen,
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Die meiner Bürger Hertz und Neigung nach sich zog:
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Die von den Dornen selbst oft Blumen abgelesen,
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Und in das schärfste Recht viel Honig eingeflöst.
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Ach Tugend! sol dein Haus, dein Tempel izt verwesen?
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O Zufall! der ein Schwerd durch meine Brüste stöst.
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Pflegt das Verhängnis denn so wunderlich zu spielen?
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Kan Klett' und Hagedorn des Winters Grimm bestehn?
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Muß nur der Rosen-Glantz des Nordens Toben fühlen?
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Und, was aufs schönste blüht, zum ersten untergehn?
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Muß auch ein Ceder-Stamm sich vor dem Donner beugen?
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Macht Kunst und Wissenschaft nicht von dem Sterben frey?
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So ists: Mein itzig Leid wird diesen Satz bezeugen,
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Ich lerne nur zu viel, daß nichts beständig sey.
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Verworffener Aprill! in meinen Tage-Büchern
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Sol dein betrübtes Licht, dein Wolcken-voller Schein,
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Der Florens Schmuck verhüllt mit schwarzen Klage-Tüchern,
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Durch Thränen ausgelöscht und ausgetilget seyn:
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Durch Thränen, welche die zugleich mit mir vergissen,
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Die wahre Vater-Treu und ungefärbte Pflicht
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Der keuschen Liebes-Glutt durch diesen Schlag vermissen,
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Der Ihr- und meinen Stab in tausend Stücke bricht.
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Weint, Schwestern, über mir! Ich habe diß verlohren,
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Was mich ins göldne Buch der Ewigkeit geprägt:
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Der bleiche Kummer wohnt in allen meinen Thoren:
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Mit kurtzem: Meine Pracht ist in den Staub gelegt.
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Izt solt' ich auf Dein Grab, erblaster ATLAS, dencken,
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Und wäre nur die Kraft, wie Wunsch und Willen ist,
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So wolt' ich dich in Gold und Alabaster sencken,
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Es würde nichts, was groß und ewig macht, vermißt:
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Bernini solte Dich in theuren Jaspis hauen,
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Die Grab-Schrift legte man mit Amethysten ein;
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Weil aber mir versagt, dergleichen Gruft zu bauen,
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So sol Dein bestes Grab der Bürger Seele seyn.
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Ich schwere bey dem Schmertz, der meine Sinnen kräncket,
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Der diese Brust verzehrt: Wer nicht mit steter Pflicht
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Dein Helden-Bild verehrt, und doch darbey gedencket
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Mein rechter Sohn zu seyn, den kennt Budorgis nicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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