321
Die Natur ist ein Licht, das vorgebrochen,
322
Als das ewige Fiat ward gesprochen:
323
Das im I seinen Ausfluß hat gefunden,
324
Der ohn Ende sich an das A gebunden:
325
Und so allen Geschöpffen eingegeben
326
Geist und Wesen, Gestalt, und Licht und Leben.
327
Dieses FIAT, das ist das Wort und Wesen,
328
Das Gott selbsten war, und Gott hat erlesen:
329
Ist der Athem und Hauch, davon wir leben
330
Draus die Göttliche Lufft die Parcen weben,
331
Ist das Füncklein, das Weise sonder Gräntzen
332
In der reinen Vernunfft sehn wieder gläntzen:
333
Ist des heiligen Gottes grosser Nahmen,
334
Das erleuchtende Licht des Weibes Saamen:
335
Ist die Wahrheit, die alles ausgesprochen,
336
Die in allen ist, ob man sie wil suchen.
337
In uns ist ja was göttliches zu spühren,
338
Das zu Gott und der Wahrheit uns kan führen,
339
Wann ein ziehender Schrack es angeglommen,
340
Zeigt das Creutze die Bahn, und du solt kommen.
341
Das Buch in der Natur, das kan uns weisen
342
Den geheimen Weg, den die Alten preisen.
343
Den hat Hermes am Leben und an Worten
344
Längst vor Mosen dort umb des Nilus Pforten
345
Nach der Sündfluth gelehrt voll Kunst und Güte
346
Im Pimander gelehrt vom himmlischen Gemüthe.
347
Diesen hat Zoroaster wollen lernen,
348
Der die Gründe der Welt, den Lauff der Sternen,
349
Und der Dinge Gestalt und Krafft erfahren,
350
Und ein König war erster Weisen Schaaren.
409
Die hat Moses und Christus voller Gaben,
410
Der auf Sina, auf Sion der erhaben:
411
Durch Gesetz geben und Gesetz erfüllen,
412
Uns zu offenbahrn unsers Gottes Willen.
413
Diese haben durch Gottes Geist getrieben,
414
Beydes Männer und Boten Gotts beschrieben:
415
Es bezeugt es der heilgen Märtrer Orden,
416
Daß durch Gottes Blut sie bestätigt worden.
417
Die hat Gott in der Christlichen Gemeine
418
Von dem ersten zu diesem Sonnenscheine
419
Vor des Teufels Gewalt und Trotz erhalten:
420
Die Sein Wort, nicht der Menschen lässet walten.
421
Vor der Kirchen, die bleibt bey diesen Worten,
422
Gehn zu Stücke der Höllen düstre Pforten.
423
Ja die Kirch, ob sie solt in eines Hertzen
424
Bloß bestehn, wir den Haß der Pforten schertzen,
425
Wann den Weg der Schrifft Sie nur nicht verlassen,
426
Ohn die Irrthümer Predigstuhl umbfassen:
427
Menschen Zeugnüsse fehlen: Gottes stehen:
428
Auf die muß man in Glaubens Sachen gehen.
429
Denn der Gottesdienst der besteht auf Erden
430
Bloß in dem, wie der Mensch sol seelig werden:
431
Den Weg zeiget die Schrifft, der sol er trauen,
432
So auf Gott durch sein Wort den Glauben bauen:
433
Und daß wir nicht gefähret sollen werden:
434
Wird Gott Mensch, und das Wort selbst Fleisch auf Erden.
435
Was der Väter Schaar aus den vier Buchstaben
436
Mit dem SIN vermischt, hochgewünscht zu haben,
437
Zeigt die Schrifft bloß vor uns; vor uns vorhanden,
438
Uns gebohren, uns gecreutziget, Uns erstanden.
439
Die sind, so nach der Schrifft durch IHN im Wesen
440
Die Barmhertzigkeit Gottes erglaubt, gewesen.
441
Wie sie alle Gewalt aus Gottes Güte
442
Durch ihr Hertze, durch Seel und durch Gemüthe
443
In die höchste ziehn, und sich drinnen leiden,
444
Biß in sein Verdienst sie der Herr wil kleiden:
445
Und drauf voller Trost mit erwecktem Muthe,
446
Rein und heilig von Christus Lehr und Blute.
447
Sich durch Schrifft und durch Geist, /:zwey starcke Schrauben: /
448
In das Hertze der tieffren Gottheit glauben:
449
Das am Creutze der Heyland aufgerissen,
450
Sie durch seine fünff Wunden drein zu schliessen:
451
/:Wol verwahrt. Dann in Gottes Hertz und Gnaden
452
Kan noch Hölle, noch Teufel ihnen schaden:/
453
Also werden, wie Stahl mit Kieselsteinen
454
Den Verstand, die Vernunfft, den Glauben reinen:
455
Und durch Christus Verdienst das Hertz anfeuchten,
456
Draus wir werden sehn Gottes Gnade leuchten:
457
/:Wie sie, als ich sie von der Hand geschrieben,
458
Meinen edlen von Donat angetrieben,
459
Daß in einer Nacht er /:O theurer Orden:/
460
Ein Mensch, ein Christ, ein Gottesfreund ist worden.
461
Dessen eilender Tod ihm bald das Leben,
462
Das er drunter erblickt, in Gott gegeben:
463
Ja es werden, wilst du sie Grundrecht hören,
464
Also dich zu Gott ziehn die Weisen Lehren.
465
Hertzog: Vor Euch, wo es ihm wird gelücken,
466
Wird der deutsche Phaleucus sich nu bücken:
467
Als ein Wegweiser zweyer hohen Strassen,
468
Derer sich nach der Ordnung anzumassen:
469
Die im Tichten des Geists Entzückung fühlen,
470
Die der Sterne Gestalt und Lauff erzielen:
471
Die im Monden uns alle Sterne zeigen,
472
Seine Kugel durch Gläser zu uns neigen:
473
Die im Messen der Erden Wendung finden:
474
Die im Rechnen in Einem Alles gründen:
475
Die im Lehren Gemüth und Gott vereinen:
476
Die im Richten das Recht, nicht Menschen meinen:
477
Die im Heilen sich ziehn auf Gottes Seegen,
478
Der das Mittel kan in die Mittel legen.
479
Auch die: Wesen und Nahmen auszuführen,
480
Der Natur A. B. C. nach buchstabieren.
481
Auch die, welche den Grund der Erde suchen,
482
Und ihr glastendes Hertz aus solchem kochen.
483
Auch die voll Seeligkeit sabbathisiren,
484
Untern Thronfürsten Gottes Lob vollführen.
485
Auch die, welche nach Ehre pflegt zu dürsten,
486
Wie vom Stande so vom Verstande Fürsten.
487
Wann sie ihr und des Reiches Ruh erwegen:
488
Wann die Freyheit sie schützen mit dem Degen:
489
Wann zu Gott sie durch sein Wort gehn und treten,
490
Wann sie Prediger heissen lehrn und beten.
491
Wann sie Reichstäg schliessen und drob halten,
492
Wann sie Ehrsucht und Feindschafft nicht kan spalten.
493
Kurtz: wer unter den Menschen sich im Leben
494
Über Menschliche Dinge wil erheben,
495
Und, daß er sey ein rechter Mensch, erweisen,
496
Muß die Strasse, sonst ist er kein Mensch, reisen.
497
Beyde haben im Hertzen und im Munde
498
Jene Schrifft, die Natur die zu dem Grunde.
499
Es geht beyder Grund, drauf kanst du dich schrauben:
500
Der Natur auf Verstehn, der Schrifft auf Glauben.
501
Ey nu /:wem auch wol solten sie sonst feyern:/
502
Wie die Tichter, was sie voll Gottheit leyern:
503
Wie die Sternfreunde, was sie sehn durch Scheiben:
504
Wie die Schauer, was sie erfahrn und schreiben:
505
Wie die FeldMesser, was die Stäbe tragen:
506
Wie die RechMeister, was sie überschlagen:
507
Wie die Priester, was sie im Geiste schauen:
508
Wie die Richter, was sie vor Urtheil bauen:
509
Wie die Aertzte, was sie bedachtsam suchen,
510
Und aus Kraütern, aus Ertzt, aus Thieren kochen:
511
Euch dem OberHaupt und nach dem Wort Zeichen
512
Dem Schmackhafften in der Gesellschafft reichen:
513
Hertzog: Also nehmt nach den Reichs Geschäfften,
514
Nach des Weinmarschen Hauses Zier und Kräfften:
515
Nach dem Gottesdienst und den heilgen Stunden.
516
Etwa: wie auf der Bahn das Wild von Hunden,
517
Wie die Blumen im Garten von den Reisen:
518
Wie die Frücht auf der Taffel nach den Speisen:
519
Das ist: wie es beliebt: die weisen Lehren.
520
Nehmt, und gönnt mir die Ehr, Euch so zu ehren.
521
Es sol Euer Land drum wie Raute stehen,
522
Euer Haus wie der Palmbaum sich erhöhen,
523
Euer Hoff von gelehrten Leuten gläntzen,
524
Euer Ruhm mit der Welt die Wette gräntzen.
525
Ja es wird der Geburtstamm Eurer Printzen
526
Vor der Sonnen Gewalt am minsten blintzen:
527
Er wird mitten in Sie die Augen werffen,
528
Und nach Adlers Art sein in Euren schärffen.
529
Wol: Ich sehe wie sie voll Gottheit brennen:
530
Beyde Strassen mit freyen Zügeln rennen:
531
So die Schrifft und dann die Natur gebrochen,
532
Jen in Gott, in der Welt ist die zu suchen:
533
Jene Seeligkeit, die kan Weißheit geben,
534
Über Fürsten ein iedre Fürsten heben.
535
Gut: der Weißheit in der Natur nachschlagen:
536
Besser: Seeligkeit in der Schrifft erfragen:
537
An dem besten: Natur und Schrifft vergleichen,
538
Als der göttlichen Wahrheit feste Zeichen.
539
Und nichts weis', als was seelig ist, erkennen,
540
Und nichts seelig, als was da weis' ist, nennen:
541
Beyder Grund ist Gott fürchten und Gott ehren:
542
Den zeig ich der Gesellschaft in den LEHREN.