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Die Welt ist voller List, bespannt mit
Nez und Strikken,
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Ein Mensche suchet stets den andern
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Man irrt nicht, wenn man sagt, daß die Betrie-
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Der Menschen gröste Kunst und Haupt-Bemühung
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Doch in der grossen Zahl, die sich auf Trug befleis-
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Kan ein Scheinheiliger, ein Erzbetrieger heissen.
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In dem er sich verstellt in falscher Frömmigkeit,
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Hüllt er ein Wolfes Herz ins sanfte Schafeskleid,
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In dem er heilig prahlt, in Andacht feurig schei-
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Jm Herzen tükkisch lacht, von aussen kläglich wei-
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Der doch mit seinem Aug ins Herze sehen kan.
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Er meinet daß er ihm so gnädiglich ansehen,
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Und so erkühnt er sich,
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Der seine Tükke sieht, und seine Falschheit kennt
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Der weiß wie kalt sein Herz, obgleich die Zunge
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Welch schändlicher Betrug! das Aug berükken
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Dafür wir Ehrfurchts-voll uns allzeit scheuen sol-
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Ein Heuchler, bildet uns, durch seinen äusren
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Er sei ein frommer Mensch der
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Und er betriegt die Welt mit seinem eitlen Prahlen,
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Er ist ein Heiliger nur mit gemahlten Strahlen.
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Die Einbildung nährt ihn, es sähe jederman,
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Jhn als den Heiligsten vom ersten Range an,
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Und jeder merket doch gar bald die Heuchler-Rolle,
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Die Wolfsklau zeiget sich auch durch die Schafes
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Und er betriegt sich selbst indem er gar vermeint,
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Er sei ein Heiliger, wie er von aussen scheint,
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Der Höchste werde ihn um seiner Andacht willen,
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Mit einen Seegensstrom das gierge Herze stillen.
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Er hoft und kriegt doch nichts; dieweil; der Zeba-
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Den Heuchlern Ach und Weh! zum ewgen Flu-
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Und weil sie nicht recht warm, nur laulicht sind zu
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So speiet er sie aus, wird sie nicht lieben können.
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So ist ein falscher Wahn, der ärgeste Betrug,
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Er will gesegnet seyn und wird zulezt zum Fluch:
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Mit einen Wort er sucht darin nur sein Vergnügen
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Wie er mög GOtt und Welt, und auch sich selbst
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Wer dieses recht bedenkt, der muß so gleich gestehn:
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Wer Heuchler sehen wird, muß Erzbetrieger sehn.