Der Ölbaum wuchs in dichten Hainen

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Gottfried Keller: Der Ölbaum wuchs in dichten Hainen Titel entspricht 1. Vers(1845)

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Der Ölbaum wuchs in dichten Hainen,
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An klaren Bächen wucherte die Rose,
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Allwo die Wiege stand des Kleinen,
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Gleich einem Taubennest im grünen Moose;
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Er spielte noch im bunten Knabenkleide
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Und füllte dienend seiner Brüder Krug,
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Als er zu seines Stammes Freude
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Schon meisterlich die Harfe schlug.

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Er kam mit Wein und Brot gegangen,
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Sein braunes Auge strahlte vor Vergnügen;
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Er fand sein Volk mit Spieß und Stangen,
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Doch zag und ratlos vor dem Feinde liegen.
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Der große Hans Narr warf dort Bein und Arme
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Mit tollem Wüten in die Luft empor,
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Daß rasch dem Heldenkind das warme
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Zornrosenblut im Herzen gor.

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Des Königs Waffenlast verwerfend,
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Trat er hervor, mit Gott allein im Bunde;
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Die Hand mit weißen Steinen schärfend
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Aus eines Bächleins hellem Silbergrunde,
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Tat er den Wurf; des Riesen Stirne klaffte,
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Es war aus blauer Luft ein jäher Schlag!
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Wie lacht' er schön, als der Erschlaffte
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Kopflos zu seinen Füßen lag!

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Der Dank, den David hat empfangen,
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Steht in den alten Schwarten aufgeschrieben:
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Nach seinem Tod ein toll Verlangen!
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In Not und Irrsal ward er hingetrieben.
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Sein Haupt zum Herren nächtlich aufgewendet,
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Sang er des Grames Lied ohn Unterlaß;
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Doch hat das Spiel noch gut geendet,
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Als auf dem Thron der Feldhirt saß!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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