Durch den Garten, in die Felder

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Gottfried Keller: Durch den Garten, in die Felder Titel entspricht 1. Vers(1843)

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Durch den Garten, in die Felder
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Irre ich mit dunkeln Augen,
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Achte nicht, wie tausend Kelche
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Licht und Äther um mich saugen.
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Muß der Mai mit holdem Lachen
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Mir denn eine Leiche geben,
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Während meine Freunde haschen
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Neue Liebe, warmes Leben?

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Aber sagt, wie kommt es mir denn,
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Daß durch meines Grames Schatten
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Doch die Sonnenstrahlen dringen
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Und sich mit den Schmerzen gatten?
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Daß der Lenz mit seinen Reizen
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Mir noch zehnmal üpp'ger scheinet
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Und mit seinem alten Schmucke
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Eine neue Schönheit einet?

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Ja, die todeskranke Liebe
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Einen Geisterabglanz gießet
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Über all die Lenzesfülle,
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Die da drängt und blüht und sprießet!
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Hunderttausend Blumen wollen
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Und noch viel mehr Knospen eilen,
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Solche Feier zu erleben.

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Sehet da, die weißen Lilien
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Sind vor ihrer Zeit gekommen,
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Als sie von der Blumentrauer
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Rings im weiten Land vernommen;
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Ihre Schwester zu begleiten,
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Blühen sie in langen Reihen,
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Während sie aus ihren Kelchen
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Weihrauch in die Lüfte streuen.

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Und die Abendröte schlingt sich
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Schön in rosigen Girlanden
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Um die hohen Silberberge,
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Die noch eben sonnig standen;
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Und der Hesperus dort funkelt
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Als der Zeremonienmeister,
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Rufend in die weiten Sphären
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Alle guten Sternengeister!

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Alle Silberbronnen klingen,
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Alle Nachtigallen schlagen –
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Jetzt seh ich die Blumenleiche
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Schwankend über die Auen tragen;
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Morgenröten, Abendröten,
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Wetterleuchten, Regenbogen,
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Alles Schöne kommt der Bahre
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Trauerfunkelnd nachgezogen!

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Sagt, wann wird der Täuschung Schleier
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Endlich mir vom Aug gehoben?
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Unverwüstlich sind die Dichter,
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Alles wird zum Traum verwoben;
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Selbst der nahe Tod wird spielend
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Noch mit Schein und Tand umschlungen –
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Oh, ich glaube, er ist eben
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Eisig in ein Herz gedrungen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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