19

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Gottfried Keller: 19 (1844)

1
Unverhofft nach trüben Tagen
2
Ist der heitre Lenz erschienen,
3
Und die aufgewachte Erde
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Überhaucht ein zartes Grünen;
5
Und mit bunten Sonnenschirmen
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Mädchen in den Gärten gehen,
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Wanderer vorüberziehend
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Nach den schönen Blumen spähen.

9
Unter all den hellen Fenstern,
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Die der Sonne offen stehen,
11
Ist ein einziges verschlossen
12
Vor dem lauen Frühlingswehen.
13
Eine Hyazinthe duftet
14
Vor den blendenden Gardinen;
15
Aber eine kranke Jungfrau
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Atmet bange hinter ihnen.

17
Ihr zu Häupten sitzt die Mutter
18
Und die Schwester ihr zu Füßen,
19
So, verhaltend bittre Tränen,
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Einen Dritten leis sie grüßen.
21
Und in ihren Blicken liest er,
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Daß der Herbst hat wahr gesprochen,
23
Daß die Hoffnung ist vernichtet
24
Und die Lilie gebrochen! –

25
So den stillen Tod zu sehen
26
In den lichten, himmelblauen
27
Augen eines kranken Liebchens:
28
Wahrlich, 's ist ein seltsam Schauen,
29
Wenn die weißen Todesrosen
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Gar so stolz und sieghaft prangen
31
Auf der Liebsten ausgeglühten,
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Bleichen, bleichen Marmorwangen!

33
Blühe, milde Grabesblume!
34
Blühe und verblühe selig!
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Noch ein kurzer, heißer Sommer,
36
Und auch ich bin überzählig!
37
Wie die linden Maienlüfte
38
Deine Blüte sanft entblättern,
39
So wird
40
In des Herbstes rauhen Wettern!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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