17

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Gottfried Keller: 17 (1845)

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Ein lustiger Mediziner
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War dazumal mein Freund;
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Wir saßen bei vollem Glase
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Um Mitternacht vereint.

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Ich sprach ihm von meiner Liebe,
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Indessen er zecht' und sang,
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Und meine Worte verhallten
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Im wilden Gläserklang.

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Doch sprach ich immer und stärker
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Mit höherer Liebesglut;
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Ich wollte damit dämmen
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Mein bange wallendes Blut.

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Da wurde er ungeduldig
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Und sagte mit barschem Ton:
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»ich kenne deine Geliebte
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Und rate dir ab davon!

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Ich rate dir ab, sonst bist du
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Ein Witwer im nächsten Mai,
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Denn dann liegt sie im Sarge,
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'ne Leiche frank und frei.

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Die Rosen sind eitel Hektik
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Auf ihrem schmalen Gesicht;
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Ich hörte sie heute husten,
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Und das gefällt mir nicht!

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Wohl ist sie ein feines Wesen,
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Doch eben nur allzufein!
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Laß fahren den sterblichen Engel,
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Sonst trifft dich Kummer und Pein!«

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Die rohen Worte schnitten
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Mir tief in die Seele ein,
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Und darum weil leicht was Wahres
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An ihnen konnte sein.

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Jedoch mein armes Liebchen
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Gewann einen Zauber mehr; –
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Nein, nein, sie kann nicht sterben,
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Wir lieben uns allzusehr!

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Am Morgen ward ich ruhig,
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Als die Sonne ins Zimmer fiel;
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Ich sah durchs Fenster fröhlich
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Der jagenden Wolken Spiel.

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Ich rief: »Er sprach's im Rausche,
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Und ich war gestern ein Tor!
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Es lebe das rosige Leben
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Und meine Liebe zuvor!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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