13

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Gottfried Keller: 13 (1843)

1
Du willst dich freventlich emanzipieren
2
Und aufstehn wider mich mit keckem Sinn,
3
Aufs eigne Fäustchen deine Wirtschaft führen,
4
Du schöne kleine Jakobinerin?

5
Zur Politik nun auch dein Wörtlein sagen,
6
Aus trauter Kammer in den Ratsaal fliehn?
7
Wohl gar mit weicher Hand die Trommel schlagen,
8
Wann einst wir gegen die Tyrannen ziehn?

9
Berufest dich auf meine eignen Lehren
10
Von Freiheit, Gleichheit und von Menschenrecht?
11
O laß, mein Kind, mit Küssen dich bekehren,
12
Dies eine Mal errietest du mich schlecht!

13
Mir, mir, mein Schatz! mußt du dich nun verpflichten,
14
Dein Liebster und dein Herr ist für dich frei!
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Auf
16
Daß er allein dein siegreich Banner sei!

17
Die Ketten all, von denen ich entbinden
18
Die Völker möchte, o Geliebte mein!
19
Als Blumenketten eng dir umzuwinden
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Soll einzig dann mein Tun und Trachten sein!

21
Ein fest Gefängnis will ich dir erbauen
22
Von Rosen, Lilien, Myrten, duftend, weich;
23
Draus sollst du nur des Himmels Sterne schauen
24
Und mich, den Kerkermeister, froh und reich.

25
Ich will zur Kurzweil süße Lieder singen,
26
Darinnen du dich lachend spiegeln magst;
27
In Liedern dir die Welt zu Füßen bringen,
28
Wenn über Einsamkeit du dich beklagst.

29
Doch wann die lieben Nachtigallen schlagen
30
Und wann das Abendrot verglommen ist:
31
Sollst du als Königin die Krone tragen,
32
Solange Luna ihre Bahn durchmißt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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