Im Herbst erblichen liegt das Land

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Gottfried Keller: Im Herbst erblichen liegt das Land Titel entspricht 1. Vers(1844)

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Im Herbst erblichen liegt das Land,
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Und durch den dichten Nebel bricht
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Der blasse Strahl von Waldes Rand,
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Den Mond doch sieht man selber nicht.

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Man weiß nicht, was die Helle macht,
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So duftig weiß und doch nicht klar –
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Die Freiheit wandelt durch die Nacht
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Mit wallend aufgelöstem Haar!

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Und wandelnd horcht sie still und lauscht,
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Die bleiche, hohe Königin,
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Und ihre Purpurschleppe rauscht
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Leis über dunkle Gräber hin.

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Sie hat gar eine reiche Saat
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Verborgen in der Erde Schoß:
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Sie späht, ob die und jene Tat
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Nicht schon in grüne Halme sproß.

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Sie drückt ein Schwert an ihre Brust
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– Es blinkt im weißen Dämmerlicht –
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Und bricht mit wehmutvoller Lust
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Manch blutiges Vergißmeinnicht.

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Es ist auf Erden keine Stadt,
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Es ist kein Dorf, des stille Hut
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Nicht einen alten Kirchhof hat,
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Drin ein Märtyr der Freiheit ruht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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