Dem Herrn Prior der Kartause J

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Eduard Mörike: Dem Herrn Prior der Kartause J (1845)

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Sie haben goldne Verse mir, phaläkische,
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Das zierlichste Latein, geschickt. Ich möchte wohl
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Sie gleicherweis erwidern; doch mit gutem Grund
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Enthalt ich mich des Wagestücks, Vortrefflicher!
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Kein Wunder, wenn ein grundgelehrter Freund Sie nur
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Den zweiten Pater elegantiarum nennt.
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Etwas bedenklich scheint es zwar, ich muß gestehn,
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Daß ein Herr Prior, Prior des Kartäuserstifts,
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Mit unserm Veroneser wettzueifern sich
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Inallewege als berufnen Meister zeigt.
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Wenn Ihr Herr Bischof das erführe! – doch es soll,
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Was über allen Türen Ihres Klosters steht,
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An Pfosten, Gängen, selbst am heimlichen Gemach,
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Silentium! – das strenge Wort, mir heilig sein.

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In wenig Tagen komm ich selbst; schon lange lockt
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Die neue Märzensonne mich. Dann find ich wohl
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Im Garten frühe meinen stattlich muntern Greis,
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Beschäftigt, wilder Rosenstämmchen jungem Blut
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Durch fürstlichen Gezüchtes eingepflanzten Keim
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Holdsel'ge Kinder zu vertraun; von weitem schon
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Ruft er sein Salve, und behend entgegen mir
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Den breiten Sandweg, weichen Trittes, schreitet er,
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Im langen Ordenskleide, wollig, weiß wie Schnee.

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Inzwischen hier ein Hundert Schnecken, wenn's beliebt!
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Ich fügte gern ein Stückchen Rotwild noch hinzu,
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Das mir der Förster heut geschenkt, doch fällt mir ein,
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Daß man nicht Pater elegantiarum nur,
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Vielmehr auch Pater esuritionum

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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