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Zur Kurzweil gestern in der alten Handelsstadt,
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Die mich herbergend einen Tag langweilete,
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Ging ich vor Tisch, der Schiffe Ankunft mit zu sehn,
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Nach dem Kanal, wo im Getümmel und Geschrei
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Von tausendhändig aufgeregter Packmannschaft,
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Faßwälzender, um Kist und Ballen fluchender,
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Der tätige Faktor sich zeigt und, Gaffens halb,
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Der Straßenjunge, beide Händ im Latze, steht.
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Doch auf dem reinen Quaderdamme ab und zu
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Spaziert' ein Pärchen; dieses faßt' ich mir ins Aug.
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Im grünen, goldbeknöpften Frack ein junger Herr
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Mit einer hübschen Dame, modisch aufgepfauscht.
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Schnurrbartsbewußtsein trug und hob den ganzen Mann
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Und glattgespannter Hosen Sicherheitsgefühl,
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Kurz, von dem Hütchen bis hinab zum kleinen Sporn
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Belebet' ihn vollendete Persönlichkeit.
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Sie aber lachte pünktlich jedem dürftgen Scherz.
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Der treue Pudel, an des Herren Knie gelockt,
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Wird, ihr zum Spaße, schmerzlich in das Ohr gekneipt,
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Bis er im hohen Fistelton gehorsam heult,
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Zu Nachahmung ich weiß nicht welcher Sängerin.
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Nun, dieser Liebenswerte, dächt ich, ist doch schon
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Beinahe was mein Longus einen
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Und auch die Dame war in hohem Grade
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Doch nicht die affektierte Fratze, nicht allein
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Den Gecken zeichnet dieses einzge Wort, vielmehr,
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Was sich mit Selbstgefälligkeit Bedeutung gibt,
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Amtliches Air, vornehm ablehnende Manier,
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Dies und noch manches andere begreifet es.
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Der Prinzipal vom Comptoir und der Kanzellei
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Empfängt den Assistenten oder Kommis – denkt,
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Er kam nach elfe gestern nacht zu Hause erst –
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Den andern Tag mit einem langen Sehrgesicht.
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Die Kammerzofe, die kokette Kellnerin,
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Nachdem sie erst den Schäker kühn gemacht, tut bös,
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Da er nun vom geraubten Kusse weitergeht:
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»ich muß recht, recht sehr bitten!« sagt sie wiederholt
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Mit seriösem Nachdruck zum Verlegenen.
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Die Tugend selber zeiget sich in Sehrheit gern.
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O hättest du den jungen Geistlichen gesehn,
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Dem ich nur neulich an der Kirchtür hospitiert!
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Wie Milch und Blut ein Männchen, durchaus musterhaft;
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Er wußt es auch; im wohlgezognen Backenbart,
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Im blonden, war kein Härchen, wett ich, ungezählt.
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Die Predigt roch mir seltsamlich nach Leier und Schwert,
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Er kam nicht weg vom schönen Tod fürs Vaterland;
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Ein paarmal gar riskiert' er liberal zu sein,
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Höchst liberal – nun, halsgefährlich macht' er's nicht,
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Doch wurden ihm die Ohren sichtlich warm dabei.
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Zuletzt, herabgestiegen von der Kanzel, rauscht
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Er strahlend, Kopf und Schultern wiegend, rasch vorbei
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Dem duftgen Reihen tief bewegter Jungfräulein.
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Und richtig macht er ihnen ein Sehrkompliment.
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Besonders ist die Großmut ungemein sehrhaft.
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Denn der Student, von edlem Burschentum erglüht,
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Der hochgesinnte Leutnant, schreibet seinem Feind
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Nach schon erklärtem Ehrenkampfe, schnell versöhnt,
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Lakonisch schön ein Sehrbillett – es rührt ihn selbst.
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So ein Herr X, so ein Herr Z, als Rezensent,
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Ist großer Sehrmann, Sehr-Sehrmann, just wenn er dir
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Den Lorbeer reicht, beinahe mehr noch als wenn er
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Sein höhnisch Sic! und Sapienti sat! hintrumpft.
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Hiernächst versteht sich allerdings, daß viele auch
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Nur teilweis und gelegentlich Sehrleute sind.
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So haben wir an manchem herzlich lieben Freund
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Ein unzweideutig Äderchen der Art bemerkt,
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Und freilich immer eine Faust im Sack gemacht.
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Doch wenn es nun vollendet erst erscheint, es sei
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Mann oder Weib, der Menschheit Afterbild – o wer,
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Dem sich im Busen ein gesundes Herz bewegt,
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Erträgt es wohl? wem krümmte sich im Innern nicht
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Das Eingeweide? Gift und Operment ist mir's!
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Denn wären sie nur lächerlich! sie sind zumeist
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Verrucht, abscheulich, wenn du sie beim Licht besiehst.
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Kein Mensch beleidigt wie der Sehrmann und verletzt
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Empfindlicher; wär's auch nur durch die Art wie er
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Dich im Gespräch am Rockknopf faßt. Du schnöde Brut!
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Wo einer auftritt, jedes Edle ist sogleich
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Gelähmt, vernichtet neben ihnen, nichts behält
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Den eignen, unbedingten Wert. Geht dir einmal
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Der Mund in seiner Gegenwart begeistert auf,
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Um was es sei – der Mann besitzt ein bleiernes,
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Grausames Schweigen; völlig bringt dich's auf den Hund.
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– Was hieße gottlos, wenn es dies Geschlecht nicht ist?
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Und nicht im Schlaf auch fiel es ihnen ein, daß sie
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Mit Haut und Haar des Teufels sind. Ich scherze nicht.
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Durch Buße kommt ein Arger wohl zum Himmelreich:
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Doch kann der Sehrmann Buße tun? O nimmermehr!
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Drum fürcht ich, wenn sein abgeschiedner Geist dereinst
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Sich, frech genug, des Paradieses Pforte naht,
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Der rosigen, wo, Wache haltend, hellgelockt
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Ein Engel lehnet, hingesenkt ein träumend Ohr
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Den ewgen Melodien, die im Innern sind:
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Aufschaut der Wächter, misset ruhig die Gestalt
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Von Kopf zu Fuß, die fragende, und schüttelt jetzt
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Mit sanftem Ernst, mitleidig fast, das schöne Haupt,
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Links deutend, ungern, mit der Hand, abwärts den Pfad.
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Befremdet, ja beleidigt stellt mein Mann sich an,
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Und zaudert noch; doch da er sieht, hier sei es Ernst,
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Schwenkt er in höchster Sehrheit trotziglich, getrost
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Sich ab und schwänzelt ungesäumt der Hölle zu.