An Wilhelm Hartlaub

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Eduard Mörike: An Wilhelm Hartlaub (1842)

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Durchs Fenster schien der helle Mond herein;
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Du saßest am Klavier im Dämmerschein,
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Versankst im Traumgewühl der Melodien,
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Ich folgte dir an schwarzen Gründen hin,
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Wo der Gesang versteckter Quellen klang,
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Gleich Kinderstimmen, die der Wind verschlang.

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Doch plötzlich war dein Spiel wie umgewandt,
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Nur blauer Himmel schien noch ausgespannt,
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Ein jeder Ton ein lang gehaltnes Schweigen.
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Da fing das Firmament sich an zu neigen,
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Und jäh daran herab der Sterne selig Heer
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Glitt rieselnd in ein goldig Nebelmeer,
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Bis Tropf um Tropfen hell darin zerging,
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Die alte Nacht den öden Raum umfing.

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Und als du neu ein fröhlich Leben wecktest,
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Die Finsternis mit jungem Lichte schrecktest,
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War ich schon weit hinweg mit Sinn und Ohr,
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Zuletzt warst du es selbst, in den ich mich verlor;
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Mein Herz durchzückt' mit eins ein Freudenstrahl:
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Dein ganzer Wert erschien mir auf einmal.
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So wunderbar empfand ich es, so neu,
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Daß noch bestehe Freundeslieb und Treu!
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Daß uns so sichrer Gegenwart Genuß
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Zusammenhält in Lebensüberfluß!

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Ich sah dein hingesenktes Angesicht
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Im Schatten halb und halb im klaren Licht;
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Du ahntest nicht, wie mir der Busen schwoll,
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Wie mir das Auge brennend überquoll.
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Du endigtest; ich schwieg – Ach warum ist doch eben
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Dem höchsten Glück kein Laut des Danks gegeben?

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Da tritt dein Töchterchen mit Licht herein,
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Ein ländlich Mahl versammelt groß und klein,
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Vom nahen Kirchturm schallt das Nachtgeläut,
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Verklingend so des Tages Lieblichkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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