An Karl Mayer

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Eduard Mörike: An Karl Mayer (1841)

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Dem gefangenen, betrübten Manne
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Hinter seinen dichten Eisenstäben,
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Wenn ihm jemand deine holden Lieder
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Aufs Gesimse seines Fensters legte,
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Wo die liebe Sonne sich ein Stündlein
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Täglich einstellt, handbreit nur ein Streifchen:
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O wie schimmerten ihm Wald und Auen
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Sommerlich, die stillen Wiesengründe!
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O wie hastig irrten seine Schritte
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Durch die tausend Lieblichkeiten alle,
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Ohne Wahl, was er zuerst begrüße:
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Ob das Dörflein in der Sonntagfrühe,
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Wo die frische Dirne sich im Gärtchen
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Einen Busenstrauß zur Kirche holet;
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Ob die Trümmer, wo das Laub der Birke
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Herbstlich rieselt aufs Gestein hernieder,
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Drüberhin der Weih im Fluge schreiend;
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Und den See dort einsam in der Wildnis,
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Übergrünt von lichten Wasserlinsen.

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Wär ich, wär ich selber der Gefangne!
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Sperrten sie mich ein auf sieben Monde!
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Herzlich wollt ich dann des Schließers lachen,
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Wenn er dreifach meine Tür verschlösse,
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Mich allein mit meinem Büchlein lassend.

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Aber wenn doch endlich insgeheime
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Eine tiefe Sehnsucht mich beschliche,
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Daß ich trauerte um Wald und Wiesen?
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Ha! wie sehn ich mich, mich so zu sehnen!
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Reizend wär's, den Jäger zu beneiden,
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Der in Freiheit atmet Waldesatem,
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Und den Hirten, wenn er nach Mittage
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Ruhig am besonnten Hügel lehnet!

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Sieh, so seltsam sind des Herzens Wünsche,
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Das sich müßig fühlt im Überflusse.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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