Epistel

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Eduard Mörike: Epistel (1846)

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Wie sich dein neuer Poet in unserem Kreise gefalle?
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Nicht zum besten. Er meint, man verstünd ihn eben auch hier nicht.
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Jetzo hat er ein griechisches Epos, hör ich, die Argonauten,
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heroische Form, auf dem Amboß. Segn' es der Gott ihm,
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Aber zu lesen begehr ich es nicht. Glaub mir, das ist auch so
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Eins von den sauren Genies, dergleichen wir mehrere kennen.
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Wortkarg streicht er den Schnurrbart sich, wie verstimmt und befangen,
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Wenn man des Trefflichsten irgend gedenkt von den Alten und Neuen;
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Oder er mäkelt daran mit kleinlichem Tadel, von fern erst,
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Bis er, hitziger werdend im Streit, Maßloses daherschwatzt
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Und wie ein stätischer Esel hinausschlägt, wo es auch hintrifft.
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Das sind schlimme Symptome. – Vernimm ein homerisches Gleichnis
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(pflegten wir doch vormals in parodischer Laune zuweilen
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Stundenlang nach der Weise des göttlichen Alten zu reden):
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Gleichwie die gelbliche Birne zur Herbstzeit, wenn sie gereifet
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Fiel vom Ast und im Fall von der dornigen Hecke verwundet
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Liegt am Boden, alsbald mit schwärmenden Wespen bedeckt ist,
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Welche sie rings aushöhlen, die gierigen Kiefer bewegend:
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Also strotzet sein Herz von wilden Gedanken der Ehrsucht
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Und des verzehrenden Neids. Ihn blendete völlig ein Dämon.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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