1
Galathea, wohin flog sie, die goldne Zeit,
2
Da du, ohne Lakey und Putz,
3
Abends, einzig geschmückt mit deinen Grazien,
5
Froh bey meinem Salat, den in Ambrosia
6
Deine Reize verwandelten,
7
Warfst du damahls dich selbst, fröhlicher Laune voll,
8
In des glücklichen Jünglings Arm,
9
Der, betrogen von dir, gänzlich sich dir ergab.
10
Damahls schenkten die Götter dir
11
Rang und Schätze noch nicht; aber an ihrer Statt,
12
Was ein Mädchen unschätzbar macht:
13
Einen lachenden Witz, herzliche Zärtlichkeit,
14
Eine Brust, wie die Milch so weiß,
15
Und zwey Augen, verliebt, groß und verführerisch.
16
Wer mit solchen entzückenden
17
Reizen wäre kein Schalk? Holdester Gegenstand
18
Meiner Liebe, du warst es auch!
19
Und ich liebete dich, Amor vergebe mir's!
20
Darum, wahrlich! nicht weniger!
21
Diesem Leben voll Lust gleichet ihr jetziges
22
Reich mit Ehren gekröntes nicht!
23
Jener Schweizer, Madam, weiß wie das Schneegebirg',
24
Und breitschultrig, wie Herkules,
25
Der, in ihrem Pallast, lügend, am Thore sitzt,
26
Ein symbolisches Bild der Zeit,
27
Schreckt mit drohendem Blick, jetzo der lächelnden
29
Leichte Truppen hinweg. Schüchtern umflattern sie
30
Jene Balken von Zedernholz
31
Ihres Alkovs nicht mehr. Ehemahls schlüpften sie,
32
Einem Schwarme von Tauben gleich,
33
Oft durch's Fenster hinein; scherzten und trippelten
34
Um ihr jugendlich Bettchen her.
35
Wahrlich, gnädige Frau, diese lebendigen
36
Persianischen Teppiche;
37
Dieses Silbergeschirr, manches Praxiteles
38
Kunstwerk; diese hellglänzenden
39
Kabinette, worinn Frankreich die sinischen
40
Künstler alle beschämete;
41
Diese Betten von Mohr; diese japanischen
42
Prunkgefäße, zerbrechliche
43
Wunder menschlicher Kunst; diese demantenen
44
Ohrgehänge, Gestirnen gleich
45
Stralenstreuend bey Nacht; dieser bezaubernde
46
Staat und Hochmuth zusammen ist
47
Eines Kußes nicht werth, den du mir Glücklichen
48
In der Jugend gegeben hast.