An Herrn E.C. Weise

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Nicolaus Götz: An Herrn E.C. Weise (1751)

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Was hör ich hier vor Symphonien?
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Und welche freudenvolle Schaar
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Liegt auf dem Antlitz und den Knien
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Vor dem geheiligten Altar?
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Welch eine Gottheit läst sich spüren?
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Die Steine scheinen sich zu rühren,
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Und jener weisse Marmor haucht.
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O dreymal seeliges Gesichte!
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Gott zeiget mir in seinem Lichte,
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Wen er zu seinem Werckzeug braucht.

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O Dichtkunst, Freundin frommer Thronen,
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Was schwebt dort für ein edles Bild?
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Der Schutzgeist meiner Vangionen
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In einen goldnen Duft verhüllt.
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Doch wen von seinen klugen Söhnen
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Scheint seine rechte Hand zu krönen?
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Welch ist sein Namen und sein Lob?
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Ich trag ihn über Feld und Hügel,
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So hoch, als ehmahls Pindars Flügel
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Den königlichen Kämpfer hob.

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Erkenn ihn hier an dem Geleite,
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Das sich beschäftigt um ihn dreht.
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Die Klugheit geht zur rechten Seite,
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Zur lincken Huld und Majestät;
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Und die Entschlossenheit und Treue
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Bereiten in der schönsten Reihe
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Den Weg vor ihm zu unserm Wohl.
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Die sinds, die ihn so schön formiret;
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Sein Hertze, durch sie angeführet,
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Ist ihrer edlen Lehren voll.

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Er weis in Winden und in Stürmen,
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Wann andre von dem Steuer fliehn,
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Das Schif des Staates zu beschirmen,
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Und führt es durch die Syrten hin.
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Erschaffen, Bürger zu erhalten,
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Und fähig, Scepter zu verwalten,
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Weis er von keiner Niedrigkeit.
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Wann ihn die Bürger zürnen hören,
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O Gott! wie fliesen ihre Zähren?
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Wie quillt ihr Hertz von bitterm Leyd?

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Als ehmals auf Pangäus Höhen
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Des Orpheus krumme Leyer klang,
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Konnt man an Fels und Flüssen sehen,
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Wie sie die Macht der Thonkunst zwang;
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Da sah man auf der Ceder Spitzen,
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Den Adler still und lauschend sitzen,
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Der Lieder Reitz berauschte ihn;
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Er senckte nickend sein Gefieder,
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Und über seine Augenlieder
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Warf sich des Schlafes Wolcke hin:

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So zwingt die Kraft von seinem Gründen
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Der Hörer wiederspenstig Hertz.
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Er spricht; sein Wort muß überwinden.
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Er tröstet, und es fleucht der Schmertz;
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Durch seine hohe Art zu dencken,
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Wust er auch Könige zu lencken,
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Ihm und den Bürgern hold zu seyn.
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O Dichtkunst! kan ich mich betrügen?
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Wem fällt nicht bey so klaren Zügen
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Das Bild des grosen

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Was schimmert aber dort von weiten?
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Mein blöder Blick verliert sich gantz.
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Ich seh das Gold der künstgen Zeiten,
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Ich sehe Worms in neuem Glantz.
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Die Bürger lieben sanfte Sitten,
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Der Feind im Hertzen wird bestritten,
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Der Tugend Mattigkeit erfrischt;
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Und Kinder hören auf zu stöhnen,
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Weil Weise die gerechten Thränen
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Von ihren zarten Wangen wischt.

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Er schaffet, daß in unsern Thoren
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Der Friede, selbst zur Kriegszeit thront;
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Daß Ueberflus, den wir verlohren,
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Aufs neu in unsern Kammern wohnt.
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Es blühen Wingert, Feld und Auen,
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Die Axt erschallt, man höret bauen,
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Des Künstlers scharfer Meisel klingt,
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Und auf des Rheines klaren Tiefen
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Schwimmt ein belebter Wald von Schiffen,
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Der uns der Fremden Reichthum bringt.

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O
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Von Gottes Huld unschätzbar Pfand,
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Las dorthin deine Blicke fliegen
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In der entbundnen Geister Land.
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Schau da, was künftig ist, im Bilde;
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Wem lacht dies gläntzende Gefilde,
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Dies seelge Reich voll Herrlichkeit?
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Wem sind doch diese Rosenfelder,
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Die Blumenflur und Myrtenwälder,
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Durch Gottes Finger zubereit?

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Nicht Königen, der Wohllust Knechten;
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Nicht Herrschern durch den Geitz entzündt;
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Nein; nur den Schatten der Gerechten,
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Die Väter ihres Volckes sind.
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Da herrscht itzt die vollkommne Seele,
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Um deren Abschied ich mich quäle,
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Erhaben über Tod und Zeit;
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Lern,
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Die Tugend lohnt auf dieser Erden;
100
Die Tugend lohnt in Ewigkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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