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Komt, laßt uns wandeln gehen
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Zu dieser Frühlingszeit,
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Die schöne Früchte tragen,
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Der Gärtner sein Behagen
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Und höchste Wollust hat.
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Den Menschen, welch' er ließ
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Zu tragen edle Frücht':
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Ach, aber, was geschehen,
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Bezeugt uns das Gerücht.
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Es ist der Garte leider
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Verderbet ganz und gar,
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Demnach desselben Neider,
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Durch Sünde zu vernichten
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Die Gärten groß und klein;
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Da muste Gott anrichten
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Es ließ der Herr auf Erden
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Nach seiner Freundlichkeit
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Welch' ihm zur jeden Zeit
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Nur Früchte solten geben,
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Die nimmermehr vergehn;
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Es solt' ihr ganzes Leben
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Es muste sein versetzet
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Der Baum von seinem Ort,
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Es war der Mensch verletzet
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An Leib und Seel hinfort;
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Nichts Gutes kont' er machen,
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Die Früchte waren wild,
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Und er mit allen Sachen
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Gott aber, reich von Gnaden,
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Zu Pflanzen hat gemacht;
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Wir sind nicht mehr im Orden
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Der Dörner, wie vorhin,
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Jetzt sind wir Bäume worden
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Und zwar nach Gottes Sinn.
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Es fließt in diesem Garten
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Die schöne Lebensquell',
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Hie kan der Baum sich arten
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Und wachsen trefflich schnell,
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Wenn ihn die Sonn' erhitzet;
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Der Gart' hat seinen Wall,
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Der künftig ihn beschützet
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Die Diener Gottes pflanzen
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Die Bäumlein wunderschön,
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Nicht Feigen, Pomeranzen,
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Welch' in den Gründen stehn,
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Besondern Menschenkinder,
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Wovon die Schrift uns lehrt,
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Daß sie sind arme Sünder,
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Durchs Wort dennoch bekehrt.
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Drauf folgt nun das Begießen:
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Ach, seht die Gnadenquell'
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In Ueberfluß hinfließen,
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Als ein Kristall so hell.
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O Brünnlein reich von Gaben,
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O Quell' auch rot wie Blut,
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Du kanst die Seel' erlaben,
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Du bleibst mein höchstes Gut.
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Nun, Gott gibt zum Gedeihen
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Auch seinen werten Geist,
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Durch den wir Abba schreien,
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Der Rat und Tröster heißt.
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Drauf fahen an zu blühen
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Die Kindlein zart und fein,
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Wenn wir dieselben ziehen
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Und komt man denn zu Jahren,
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So folgt die werte Frucht;
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Da muß ein Christ nicht sparen
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Erbarmung, Fried' und Zucht;
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Da muß ein Christ vermehren
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Des Allerhöchsten Ruhm,
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Werd' er ein edle Blum.
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Der Preis muß Gott verbleiben,
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Wil man sein Pflänzlein sein,
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Man geb' ohn Hintertreiben
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Nur ihm den Ruhm allein.
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Bald wird der Winter kommen,
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So reißt der Tod uns hin,
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Der Tod, der doch den Frommen
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Wolan, es ist vorhanden
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Die schönste Frühlingszeit,
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Da von des Todes Banden
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Uns Christus selbst befreit
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Und drauf das Sommerleben
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Aus Gnaden uns wil geben.
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Herr, kom, wenn dir's gefällt!