Wach auf, mein Geist, ich muß es recht bedenken

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Johann Rist: Wach auf, mein Geist, ich muß es recht bedenken Titel entspricht 1. Vers(1637)

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Wach auf, mein Geist, ich muß es recht bedenken,
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Wie Jesus itz bemühet ist, zu schenken
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Mir seinen Leib, der schwach und blutig hieng
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Am dürren Holz, wo Gott den Tod empfieng.
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Ja, diesen Leib gibt er mir noch zu essen,
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Und wil, ich sol auch nimmermehr vergessen
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Der Lieb' und Treu', welch' er (o höchstes Gut!].
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An mir gethan, als er vergoß sein Blut.
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Er hat mich ja der Höllenpein entfreiet,
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Wofür mein Mund ein Danklied itz ausschreiet,
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Auch dieß mein Herz bringt singend auf die Bahn
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Das Gute, so mein Gott an mir gethan.
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Er spricht: »Nehmt hin den Leib, für euch gegeben,
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Und trinkt mein Blut, das theure Pfand, daneben.«
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O süße Lieb', o große Wunderthat,
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Daß in den Tod sich Gott gegeben hat!
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Wo könte man doch solche Gnade finden,
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Dadurch ein Mensch befreiet wird von Sünden,
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Demnach Gott selbst zur Sünd' hat den gemacht,
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Der an das Bös' auch nimmermehr gedacht?
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Was nützet denn das Essen und das Trinken
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Im Abendmahl? Es sol kein Mensch versinken
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Im Höllenpfuhl, der diesen Worten traut:
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»mein Tod hat euch den Himmel aufgebaut.«
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Ist schon dein Glaub' hie schwach, daß er gedenket:
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Ob Jesus gleich sich selbst den Sündern schenket,
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Wer weiß, ob ich gehör' in diese Zahl?
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Ja, Mensch, an dir komt zu dieß Abendmahl.
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Es läßt dieß Pfand sich so gar kräftig sehen,
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Daß du getrost kanst mit den Sündern gehen
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Zu Jesu hin und schließen festiglich,
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Daß er den Tod gelitten auch für dich.
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Und ob du schon den Taufbund so gebrochen,
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Daß dir darob erschüttern alle Knochen,
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O Mensch, lauf hin, nim Christus Leib und Blut;
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Was gilts, dein Herz wird frisch und wolgemut?
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Und ob dich gleich die Sündenbürden drücken,
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Kan doch allein dein Jesus dich erquicken;
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Derselbe gibt dir solche Speis' und Trank,
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Wodurch dein Geist bleibt stark sein Leben lang.
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Sobald wir nun den Leib und Blut genossen,
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Sind wir in ihm und er in uns geschlossen,
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Denn wer nur glaubt, der wird ihm inverleibt,
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Auch so, daß er in uns wahrhaftig bleibt.
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Sein Fleisch und Blut daß läßt uns noch auf Erden
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Der göttlichen Natur theilhaftig werden;
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Dieß ist das Brod vom Himmel, welches Kraft,
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Ein Leben, das ohn Ende bleibt, uns schafft.
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Dieß Abendmahl kan solche Lieb' erregen
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In uns, daß sich Leib, Seel' und Geist bewegen,
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Zu dienen Gott, dem Nächsten auch zugleich;
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Von Hoffnung macht es uns auch trefflich reich.
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Es gibt Gedult in allem Kreuz und Leiden,
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Es lehret uns die Sünd' und Laster meiden,
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Es dämpft die Lust im Fleisch und regt uns an,
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Daß wir hinfort thun Gutes jedermann.
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Herr Jesu, hilf, daß wir dieß recht bedenken,
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Wenn wir zu dir mit neuer Buß' uns lenken;
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Laß würdig uns genießen dieses Mahl
60
Und gehn durch dich in deinen Freudensal.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

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